HOME

Stern Logo Dschungelcamp

#ibes - Lasst mich wieder rein: Peter Bond muss mal Lulu

Das waren noch Zeiten, als die Dschungelcamp-Kandidaten alles rausließen. Ingrid van Bergen oben und Peter Bond unten. Bei der Sommershow gestern holte den Ex-Glücksrad-Moderator seine Vergangenheit wieder ein.

Von Mark Stöhr

Sommerdschungelcamp mit Mausi Lugner, Peter Bond und Ingrid van Bergen

Sie sind Stars, lasst sie wieder rein: Christina "Mausi" Lugner, Peter Bond und Ingrid van Bergen (v. l.)

2009. Was für ein Jahr. In Schwerin fand die 14. Bundesgartenschau statt. In Schweinfurt wurde die Kunsthalle eröffnet. Island wählte Jóhanna Sigurðardóttir zur Kanzlerin. Der japanische Wrestler Mitsuharu Misawa starb. Und Peter Bond schiss auf eine Klobrille in Australien. 

Insbesondere der Fauxpas von 00 Bond drückte dem Jahr seinen Stempel auf. Das lag nicht nur an dem wirklich außergewöhnlich großen Haufen, den der beliebte Hobby-Moderator, Hobby-Schauspieler, Hobby-Schönling und eben auch Hobby-Scheißer nicht im Loch, sondern daneben platzierte. Grund für den Kult um den auch bemerkenswert übelriechenden Kotberg war vor allem Bonds Weigerung, seine Urheberschaft anzuerkennen. Selbst sechs Jahre nach seiner vulkanartigen Vollentleerung, die damals fast zur Evakuierung des Dschungelcamps geführt hatte, sagt der Braune Peter: "Ich war das nicht." Ist das Bescheidenheit? Nein, laut Bond Biologie. Denn: "So viel kann kein Mensch scheißen."

Kotzfontänen von Ingrid van Bergen

Staffel vier war die Menschlichste aller Staffeln davor und danach. Die Körpersäfte flossen kreuz und quer, meistens aus dem Körper raus. Der pressende Peter Bond, der spritzende Günther Kaufmann (beim Schaumbad mit Mausi Lugner), die Kotzfontänen von Ingrid van Bergen, die für jedes ihrer Lebensjahre einen Liter Buschschweinsperma in den Urwald reiherte. Und dann erzählte die Eisprinzessin Norbert Schramm noch einen Witz. Es war sein längster, zusammenhängender Redebeitrag während der ganzen Staffel. "Eine Blondine geht nach Österreich über die Grenze. Was passiert? In beiden Ländern steigt der IQ." Knaller.

Nur so eine kleine, schmutzige RTL-Retrospektive auf alte "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“-Folgen hätte es auch getan. Ohne diesen ganzen Studio-Quatsch. Dr. Bob in Köln-Ossendorf, das ist wie Costa Cordalis in der Royal Albert Hall. Oder Björn-Hergen Schimpf, der sich bewegt. Oder Naddel nüchtern. Sonja Zietlow und Daniel Hartwich können prima ihre einstudierten Gags abspulen, aber bei Interviews verlässt sie zuverlässig der Jux. Und mal ehrlich: Muss man alte Dschungelcamp-Kandidaten, die den Zenit ihres Lebens – eben das Dschungelcamp – überschritten haben, unbedingt wiedersehen?

Nehmen wir Peter Bond, diesen Stenz für schwäbische Hausfrauen. Superschmierig und superbeknackt damals. Große Klasse, wie er an Gundis Zambo rumschraubte ("Ganz weiche Haut hast du, als hättest du in Stutenmilch gebadet") und nach jeder vergeigten Dschungelprüfung den Dicken machte ("Das war 'ne extrem schwierige Nummer. Das war 'ne Nummer für Bond. Ihr hättet das alle nicht geschafft. Um es kurz zu machen: Ich habe einen Stern"). Und heute? Nur noch superbeknackt. Trägt Zopf und spielt Freilichttheater. Draußen spielen ja nur die, die drinnen keine Rollen mehr bekommen. Drunter kommt bloß noch Straßenmusik.

Guantanamo zum Gähnen

Oder Mausi Lugner, die Ex vom Mörtel. Heute nur noch die Mörtel-Mumie. Also an guten Tagen. Und Ingrid van Bergen: Kann noch sprechen, aber nicht mehr laufen, was möglicherweise auch am Gewicht ihrer Mickie-Krause-Perücke liegt. Diese drei Wracks wurden für 24 Stunden zusammen in einen Berliner Knast gesteckt. Mit fiesen Wärtern, 53 Ratten und einem Slalom aus Stromschlägen. Das war Guantanamo zum Gähnen. Und wegen Foltercamps wie Guantanamo eben auch völlig daneben.  

Die begeisterte Freizeitschützin van Bergen schlug sich erwartungsgemäß am besten und qualifizierte sich souverän fürs Finale am kommenden Samstag. Trotz ihrer knapp 100 Jahre ist sie immer noch für den einen oder anderen Spruch gut, das muss man ihr lassen. Über Bond sagte sie: "Der hat nie mit einer Frau zusammengelebt. Wenn ja, wäre er tot." 

Aber Bond, Peter Bond, ist solo und lebt. Irgendwie. Trotz der vielen frischen Luft, die er bei seiner momentanen Tätigkeit bekommt, sah er sehr blass aus. Als er auf Toilette musste, sagte er: "Ich muss Lulu." Man fasste es nicht. "Ich muss Lulu." Wie ein Kleinkind oder Alzheimerpatient. Daran zeigte sich am krassesten, wie die Zeit seit 2009 vergangen ist. Heute muss Bond Lulu. Damals hat er noch einen amtlichen Haufen auf die Klobrille gelegt

Themen in diesem Artikel