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#Ibes - lasst mich wieder rein: Biedermann und die Langweiler

Nach kurzem Zwischenhoch mit der notorischen Naddel, landet das Sommerlochcamp in der dritten Folge wieder auf der Nulllinie. Da nützt es auch nichts, die vermeintlichen Stars in die Klapse zu schicken.

Von Ingo Scheel

Konkurrenten im Kampf um den Dschungelplatz: Julia Biedermann, Eike Immel, Barbara Engel

Freundlich lächelnde Konkurrenten: Julia Biedermann, Eike Immel und Barbara Engel (v. l.)

Hitler, Honecker, Herzsprung. Verzeihung, die heißt ja jetzt Engel, aber es passt einfach so schön. Das dachte sich auch RTL und schickte Barbara Engel, frühere Herzsprung, zusammen mit Eike Immel und Julia Biedermann in die Ruine der ehemaligen Heilstätten Beelitz. Im Ersten Weltkrieg ließ sich der junge Adolf Hitler hier im Brandenburgischen gesund pflegen, später genoss Genosse Honecker die Vorzüge des hiesigen Wellness-Programms. Heuer schickt man also Lebendteile der unteren Showbiz-Verwertungskette in das leerstehende Gebäude, in dem es angeblich spukt. 

Barbara, Julia und Eike in der Klapse. Two and a Half Men in der Geisterbahn. Oder wie es dem einstigen Weltklasse-Keeper angesichts des Türschild mit der Aufschrift „Nervenheilanstalt“ entfuhr: „Endlich sind wir da, wo wir hingehören“. Wer da kurz mit der Chipstüte raschelte oder der Dose mit den Psychopharmaka klöterte, hatte den einzigen Klimax in der dritten Folge der RTL-Sommerlochsause um die große Dschungel-Rückführung jäh verpasst.

2008 war noch viel los - in dieser sommerlichen RTL-Betteloper eher nicht

Die Untoten der dritten Staffel von „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“ standen auf dem Programmzettel. Anno 2008 war das Camp nach vier Jahren Pause zurückgekehrt. Björn Hergen-Schimpf ätzte ohne Unterlass, Ross Anthony hatte „Kakerlaken im Arsch“, Babs Herzsprung sorgte mit dem halben Hoden im Mundwinkel für eines der ikonischen Bilder überhaupt, Gina Wild brach Eike Immel das Herz und Lisa Bund der Magen durch. Ach ja, Julia Biedermann war auch dabei. Es war also einiges los damals. Eine Aussage, die für die dritte Ausgabe der sommerlichen RTL-Betteloper nun wirklich nicht galt. Wie auch - nach dem unfassbaren Zwischenhoch mit Naddel-Gala und blanker Herren-Plautze musste die Kurve nach unten gehen. Das tat sie denn auch so lange, bis sie leise auf der Nulllinie vor sich hinbrummte.

Wir wollen nochmal rein, so ja das angenommene Credo dieser Alltagsflüchtlinge, die es noch einmal wissen wollen. Nur so richtig schien von denen keiner zu begreifen, worum es geht. Bei der Freiluftschnitzeljagd jammerte Eike Immel schon halbherzig etwas von „hinschmeißen“, später auf der Spitalpritsche stand er nach eigenen Worten kurz vor dem Ausstieg. Das wäre es gewesen: Bei „Lasst mich wieder rein“ mal eben „Holt mich hier raus“ brüllen - davon gibt es von hier aus einen Extrastempel im zahnärztlichen Bonusheft.

Zugegeben - mit dem Setting in Beelitz hatte der Sender sich etwas einfallen lassen. Die nächtlichen Innenaufnahmen des Horrorhospitals hatten erhöhten Gänsehautfaktor, mit Versatzstücken aus „The Ring“ und „The Grudge“ kam hier tatsächlich ein wenig Gruselstimmung auf. Dem waren die drei aus dem Schlaflabor jedoch kaum gewachsen, Typen wie die sind in den Hollywood-Hits zum Thema die ersten die dran glauben müssen. Nun ist dies nicht Hollywood, sondern nur die Außenstelle von Köln-Hürth und so müssen Babs und das Biedermännchen zwar ein wenig Filmblut aus der Badewanne schaufeln, richtig schlimm wird es natürlich nicht. Das Nachtmahl, das den dreien hier serviert wird, sieht zwar aus wie Erbrochenes vom Hund, aber wer einmal Texanischen Feuertopf kalt und mit der Gabel aß, kommt auch mit so etwas klar. Und Eike Immel schien so einer zu sein. Nur die Engel essen Bohnen? Von wegen. Runter damit. Mahlzeit.

Hartwich und Zietlow dösen sich durch den Ablaufplan

Mit derartigem Zähnezusammenbeißen rissen auch die Moderatoren Hartwich und Zietlow ihr Programm durch. Im Wissen um Einschaltquoten und die schwindende Strahlkraft ihrer selbst döste sich das Duo durch den Ablaufplan. Es gibt Dorfbühnen, deren Lichtdoubles motivierter zu Werke gehen. Sei es drum. Am Ende hieß es wieder: Weine nicht, wenn der Modder fällt…schlamm-schlamm, schlamm-schlamm. Völlig überraschend hatte schließlich Barbara Engel, geteert und gefedert, die Nase vorn und darf nun noch ein wenig von der Rückkehr nach down under träumen. Wir geben zurück in die angeschlossenen Irrenhäuser.

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