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TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 9: Achselhaar forever! Warum der Currywurstmann und Bald-Vater Felix Nachhilfe von Evelyn benötigen

Bastian Yotta beleidigt den Currywurstmann unter der Gürtellinie. Viel schlauer zeigt sich Evelyn: Während sie ihr sprießendes Achselhaar lobt, wünschen sich Felix und Chris lieber süße Mädchen, die man wie Prinzessinnen einkleiden kann.

Von Simone Deckner

Fakten zu Dschungelprüfungen und Co.: Künstlich hergestellter Schleim? So läuft es wirklich im Dschungelcamp ab

Wir ziehen die Chose heute mal von hinten auf. Nützt ja nichts. Tag 9 im Dschungel und alle so: nun ja. Wenn der Einfall von Moderator Daniel Hartwich, sich nach Ende der unglaublich langatmigen Dschungelprüfung (irgendwas mit Zirkus) erst seinen Becher Popcorn und anschließend seinen Becher Cola ins Gesicht zu schütten, schon zu den Höhepunkten zählt, ist, metaphorisch gesprochen, mentales Modelessen angesagt: Erfahrene Trash-TV-Zuschauer dürfen nicht unterfordert werden, liebes RTL. Nicht nur spontan die Sendezeit um eine halbe Stunde verlängern, bitte auch auf qualitativen Mehrwert achten, o. k.? Die Firma dankt.

Hier in zufälliger Reihenfolge zusammen gekratzt die wenigen Momente, die in der gestrigen Folge des Dschungelcamps zumindest kurzzeitig für Spannung wahlweise Entsetzen sorgten. Wenn diese Szenen Vorlage für eine B-Movie-Horrorfilmreihe wären, könnten sie zum Beispiel so heißen:

1. "Die unheimliche Rache der blonden Opferin"

"Ich freue mich so auf mein Handy", entfuhr es dem an Tag 8 als Ersten heraus gewählten Toupenico am Lagerfeuer. Verständlich. Schließlich vermisst man das, was man am meisten liebt. Freundin und Kind müssen da schon mal warten, schließlich war Domenico ja geschlagene acht Tage nicht auf Instagram. Das sind 56 Influencertage, man berechnet das nach dem gleichen Prinzip wie Menschenjahre versus Hundejahre. Bitte, gerne!

Noch im Auto, das ihn aus dem Dschungel karrte, zerbrach Domenico fast unter der nervlichen Anspannung: "Kannst Du mal kurz bei Instagram checken, ob meine Follower gestiegen sind?", barmte er den nächstbesten Kameramann an. In der darauf folgenden Szene sah man ihn irgendwie geschrumpft auf einer Bank sitzen. Domenico hatte Instagram geöffnet und gelesen, was seine "Fans" so alles zu seinem Auftritt im Camp gesagt hatten. Nur so viel: Selbstwahrnehmung versus Fremdwahrnehmung. Krater, die sich dazwischen auftun. You get the picture.

Dschungelcamp, Tag 9: "Das Krokodil pinkelt" - Doreen Dietel leidet bei der Dschungelprüfung
Dschungelcamp 2019

Manege frei für Doreen Dietel und Felix van Deventer. An Tag 9 im Dschungelcamp und neun Prüfungen in Folge für Gisele Oppermann dürfen endlich andere zur Dschungelprüfung antreten. Das Team wählt Felix und Doreen aus. Die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich begrüßen die beiden im "Zirkus Filedo". Dort bekommen die Schauspieler es mit allerlei Getier zu tun.

MG RTL D

Wunderbar, wie er und seine Dschungel-Begleitung verschwörerisch ins Italienische wechselten, nichtsahnend, dass RTL für solche Fälle selbstredend eine 12-köpfige Dolmetschermannschaft im Keller des Hotel Versace eingeschlossen hat, die dort nur auf ihren Einsatz wartet. "Die Evelyn", erklärte der Pate des D., sei Schuld an allem. "Die steht jetzt als Opferin da!" Domenico konnte sein Unglück kaum fassen und redete sich daraufhin erneut weiter in Richtung Shitstorm. Drinnen im Camp saß Evelyn und philosophierte derweil über die Kreuzung von Kängurus und Erdmännchen.

2. "Stirb noch langsamer: Ein knallharter Übermann rechnet ab"

Unschön auch die abermaligen Alphatierchen-Attacken zwischen Yotta und dem Currywurstmann. "Ich will keine Friedenspfeife rauchen. Ich will mit dem Typen nichts zu tun haben", drückte sich Chris Töpperwien zwar klar, aber noch einigermaßen zivil aus. Anders Yotta: Sein Widersacher sei eine "hinterfotzige Drecksau", der "hintenrum" die Presse gegen ihn aufgewiegelt habe. "So was verachte ich", bellte Yotta, dann kam noch was von Stolz und Ehre und die für Yotta scheinbar ultimative Beleidigung: der Currywurstmann sei "eine Pussy". Glückwunsch! Schon jetzt die dümmste Aussage aller Aussagen und hoffentlich aller noch kommenden Aussagen. Halt! Stopp! Es war dann auch wieder Yotta, der sein fragwürdiges Männlichkeitsbild mit den Worten "Fick‘ mit mir und ich fick dich doppelt zurück!" noch einmal unterstrich. Vielleicht haben diese ominösen "Miracle Mornings" doch schlimmere Nebenwirkungen als bisher bekannt sind?

3. "Pussy-Warriors III: Die Achselhaar-Frau schlägt zurück"

Um Fortpflanzung ging es auch in der Unterhaltung zwischen Chris und dem werdenden Jungvater Felix, 22: "Fick doch die Henne!", kommentierte der Currywurstmann die News, das Klein Felix bald selbst Papa wird. Für die Info musste Chris nicht mal den Knatterton raus holen, Felix sabbelte einfach so drauf los, denn: "Jetzt darf ich es ja sagen, heute geht die PM (kurz für Pressemitteilung, Anm. d. Red.) raus." So weit, so romantisch. "Ich will ein Mädchen haben", sagte der "GZSZ"-Schauspieler dann und gerade als man ihn dafür feiern wollte, dass er nicht in typischen Geschlechterklischees verfangen zu sein schien, machte er mit einem Satz wieder alles zunichte: "So eine kleine Prinzessin!" Zu allem Überfluss stimmte Chris in den Prinzessinnen-Lobgesang ein: "Mädchen kannst du so geil einkleiden!", frohlockte er. Und das er "so was" auch gern hätte, also ein Mädchen zum Einkleiden im Babyformat, "am besten noch dieses Jahr."

Sowohl Chris als auch Felix (bei Yotta dürfte es zu spät sein) sollten sich dringendst in Sachen moderne Rollenverteilung von Evelyn coachen lassen. Die spielte erst gekonnt mit ihrem "Dummes Blondchen"-Image und gab die Auskunft: "Ey, ihr wisst gar nicht, wie das hier drinnen für eine Frau ist", wie viele "frauliche Sachen" man hier nicht machen könne. Zum Beispiel sich die Achselhaare rasieren. Kicher. "Mir sind hier schon fünf neue Achselhaare gewachsen", gab sie detailverliebt zu Protokoll. Dann der Dreh, die überraschende Wende, wo sie niemand mehr erwartet hat, Fachabitur mit einem Schnitt von 3,2 hin oder her: "Egal, Achsel forever!" rief Evelyn und forderte die Zuschauer dann auf ihre unvergleichliche Art auf, für sie anzurufen: "Wählt die 05, für fünf Haare mehr!" Unsere Stimme ist ihr sicher.

4. "Schmorschwanz am Stiel reloaded"

Achselhaare = gut, Känguruschwanz = eher nicht. Der kam als Hauptgericht zur Feier der sieben kasallerten Gisele-Sterne auf den Tisch. Evelyn, empört: "Mit dem Schwanz will ich nichts zu tun haben." Weniger zimperlich zeigte sich Sibylle. Sie knabberte am Schmorschwanz, unnötigerweise von Chris mit Sätzen wie "Dann lutsch‘ das doch ab, dann hast mal so ein Riesending" kommentiert, aber vielleicht ist das einfach dieser Kölsche Humor, von dem immer alle sprechen, wir sind da nicht so sicher. Der körperliche Einsatz zahlte sich für Sybille am Ende jedoch nicht aus. Die Zuschauer wählten die "Eis am Stiel"-Darstellerin als zweite Kandidatin aus dem Camp. Ihre erste Frage wird, so vermuten wir, nicht sein, wie viele Follower sie auf Instagram gewonnen hat.