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Dschungelcamp 2013: Der blanke Klaus

Millionen Deutsche werden nie wieder unbefangen zu "An der Nordseeküste" schunkeln können. Schon am zweiten Tag hat Klaus Baumgart den Camp-Joker gezogen und die Hosen runtergelassen. Nicht. Schön.

Von Jens Wiesner

Wir wissen es alle: Stramme Hinterteile á la Daniel Craig und Jennifer Lopez sind spärlich gesät. Der gemeine Po ruft, wenn nackt dargeboten, eher Gefühlsausbrüche von Stirnrunzeln bis Naserümpfen hervor. Mit der neuesten Ausgabe des Dschungelcamps hat die Topologie der Allerwertesten nun einen weiteren Eintrag erhalten. Und wenn wir den Reaktionen der Campbewohner glauben dürfen, rangiert dieser noch deutlich hinter dem guten, alten Maurerdekolleté.

Was war geschehen? Nun - eigentlich wollte Berger-Ersatzkandidat Klaus Baumgart nur fix das Unterhöschen wechseln. Sie wissen, Hygiene und so. Ottonormalumzieher hätte sich nun wohl ein Handtuch umgeschlungen oder hinter einem Baum Deckung vor den Kameras gesucht. Doch der schnauzbärtige Schlagerbarde hatte offenbar die letzte Dschungelcamp-Staffel zur Vorbereitung inhaliert und sich genau gemerkt, worauf es im Kampf um die Dschungelkrone ankommt: auf den Micaela-Faktor. Die Schäfer hatte es nämlich blendend verstanden, noch in den unmöglichsten Situationen ein Kleidungsstück hier, ein Höschen dort - schwuppdiwupp - verschwinden zu lassen. Als Erotikmodel wusste sie allerdings auch wie. Baumgart dachte nur, dass er es wüsste. Und dann waren sie plötzlich frei, die beiden Kläuse, und wollten einfach nicht mehr gehen.

Der andere Arsch des Abends

Eine Minute verging, zwei Minuten, drei Minuten. Wie angewurzelt stand Baumgart da, fast so, als hätte ihm eine fiese Achtklässlerin beim Schwimmunterricht im städtischen Hallenbad die Hose runtergezogen; auf den Lippen ein anzügliches Altherrengrinsen, das seit dem Ende der Wochenschau und Opa Adolf Frey so nicht mehr auf deutschen Mattscheiben zu sehen war. Olivia Jones murmelte etwas von einem gebückten Nilpferd. Doch das ließ sich einfach nicht aus der Ruhe bringen. Was an Sexyness fehlte, der dicke Klaus suchte es mit Durchhaltevermögen wettzumachen. Ganze zehn Minuten, so brachte es Allegra Curtis später zu Protokoll, soll er unten ohne ausgeharrt haben - angeblich auf der Suche nach seiner verlegten frischen Unterhose. Selbst für RTL war das eine Hausnummer zu hoch: Die Produzenten besannen sich auf ihre Verantwortung gegenüber Zuschauern, Sitte und Moral und strichen Pötergate auf wenige Szenen zusammen.

Am Titel "Arsch des Abends" schrammte der Klaus trotzdem knapp vorbei. Wie schon am Tag zuvor und dem Tag davor musste "Bachelor"-Kandidatin Georgina Fleur für Happahappa im Camp sorgen. Offenbar mag der durchschnittliche Dschungelcamp-Zuschauer Beständigkeit - oder findet einfach nur das anhaltende Gequieke und Gekreische der Kunststudentin putzig. Eine Vorliebe, die die anderen Campbewohnern allerdings teuer zu stehen kommt: Denn Putzigsein allein reicht nunmal nicht aus, um sich die begehrten Sterne der Dschungelprüfung zu verdienen. Wie leer es in den Mägen der Dschungencamper bereits aussieht, wurde auf erschreckende Weise am Beispiel Fiona Erdmann deutlich. Den gesamten Tag über war das Model nicht einmal dabei zu erblicken, wie sie sich überg... ihre Situation durch den Kopf gehen ließ. Auch Popsternchen Joey Heindle scheint essenstechnisch längst am Limit zu laufen. "Ich kann diesen scheiß Einlauf mit Reis nicht mehr sehen", polterte er - und meinte selbstredend den Eintopf. Knurrend der Magen und knurrig die Laune wollte es auch Hot-Banditoz-Sänger Silva Gonzalez nicht mehr auf den Zufall ankommen lassen - und stellte sich als Georginas persönlicher Motivationstrainer zur Verfügung. Tatsächlich schien die Kindergartenpädagogik ("Atmen! Atmen!") bei dem gebeutelten Prüfling zunächst anzuschlagen. "Noch einmal null Punkte will ich nicht machen", versprach das kleine Georgina mit seligem Lächeln im Gesicht - und hüpfte wie ein junges Reh von dannen.

Mach's nochmal, Georgina!

In der "Hamsterhölle" wartete allerlei ekeliges Getier auf Miss Etepetete - und Dr. Bob ("Scheint ja was Regelmäßiges zu werden."). Passend zur Prüfung hielt der Camp-Guru neben der üblichen Schutzbrille ein besonderes Präsent für a) Georgina und b) den männlichen Zuschauer bereit: einen Hamsterfell-Bikini mit Mäuseschwänzchen. Doch auch, wenn Georgina nun anmutete wie eine Mischung aus Conan, der Barbar, und einem Plüschpuschel - der Mut fand den Weg in ihre Adern nicht. Was sind auch alle guten Vorsätze wert, wenn man in einen Tunnel voller Ratten kriechen muss? Ihgittpfuibah! Oder wenn Mehlwürmer von einem Laufrad in den Pelz-BH plumpsen? Ihgittpfuibah! Oder ein Bad in einer schleimigen Brühe aus toten Insekten und Fischabfällen winkt? Ihgittpfui ... Sie wissen schon ... Am Ende brachte der trotz alledem frohgemute Prüfling drei magere Sternchen ins Camp - oder, wie eine völlig genervte Olivia Jones umrechnete: "Zwei Gurken und 'n Radieschen!" Doch negative Schwingungen prallen an Georgina ab wie das Schamgefühl am dicken - sie freute sich schon wieder über den tollen Pelz-BH. Angesichts von derlei Unbekümmertheit ging selbst der ansonsten so beherrschten Grande Dame vom Kiez die Perücke hoch. "Feige, verwöhnt und arrogant", befand die Jones und attestierte dem Springinsfeld ein schwerwiegendes Attitude-Problem. Sah Allegra Curtis übrigens genauso: "Man muss mit Bescheidenheit zurückkommen." Hört, hört!

Vielleicht hat ja Morpheus ein Einsehen und schenkt Georgina diese Erkenntnis im Schlaf. Denn schon morgen darf die Sarah-Knappik-Gedächtniskandidatin zur nächsten Prüfung antreten. Ob die Rehabilitierungsmaßnahmen ausgerechnet beim "Kakerlakenmemory" fruchten werden, bleibt aber zu bezweifeln - auch wenn ihr mit Olivia eine magenfeste zweite Kandidatin zur Seite steht. Und wenn gar nichts mehr hilft, Hinterteil in die Kameras strecken geht immer. Zehn Minuten hat der Klaus vorgelegt. Georgina, übernehmen Sie!

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo