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Dschungelcamp 2015, Tag 7: Gottes Zorn und Walters Beitrag

Auch hoch über den Wolken schaut man Dschungelcamp. Doch an Tag 7 wird es Petrus zu bunt. Er reißt die Himmel auf und lässt Hirn herabregnen. Oder sind es die Tränen eines enttäuschten Fans?

Von Jens Wiesner

Kein Verständnis für Nahrungsverweigerung: Maren Gilzer stänkert über Angelina "Deine Suppe ess' ich nicht!" Heger.

Kein Verständnis für Nahrungsverweigerung: Maren Gilzer stänkert über Angelina "Deine Suppe ess' ich nicht!" Heger.

Und am siebten Tag sah Gott das Dschungelcamp und er wurde zornig. Und er schleuderte eine Flasche Ambrosia gegen die Mattscheibe seines Ultra-HD-Fernsehers und rief Erzengel Dirk herbei, auf dass er die Sauerei aufkehre. Und dann weinte Gott. Weinte bittere Tränen, die in Sturzbächen zur Erde fielen und auf den durchsichtigen Regenschirmen von Sonja und Daniel zerstoben.

Was war nur aus seiner Lieblingssendung geworden? Vor drei Jahren hatte er den Weltuntergang auf unbestimmte Zeit verschoben, damit er weiter Dschungelcamp gucken konnte. Hatte gar erwogen, einen eigenen Ableger im Himmelreich zu drehen. Doch Elvis, Gandhi, Bismarck und dieser Komiker mit dem Zweifingerbart - ja, genau, Chaplin hieß der - hatten nur kurz von ihrem eigenen Bildschirm aufgeblickt, um dann weiter Xbox zu zocken. "Call of Duty: Advanced Warfare" war gerade der letzte Schrei auf Wolke 7. Gott mochte diese Spielchen nicht, bei denen er selbst aktiv werden musste. Er sah lieber zu.

Überdruss vom Tränenfluss

Und womit dankte ihm das Erdenpack diese generöse Gnadenfrist? Mit Starschwund und drittklassiger C-Prominenz, die sich beim Auspacken ihrer Geschlechtsmerkmale nicht einmal mehr Mühe gab. Nicht, dass ihn der menschliche Körper noch überraschen konnte. Aber hier ging es ums Prinzip.

Außerdem hatte Gott gerade wirklich keinen Nerv für dieses ganze Emo-Zeug. Wenn es nach ihm ginge, könnten alle Szenen, in denen Tränen verdrückt und Taschentücher gezückt werden, auf dem Boden des Schneideraums landen. Dass dieser Rolfe innerhalb eines Jahres seine Eltern verloren hatte und seine Schwester ebenfalls, war doch nicht seine Schuld. Beim nächsten Mal, schwor sich Gott, lasse ich die Tränendrüsen einfach weg. Oder gebe den Echsen nochmal eine Chance.

Gehaltstraining für Kakerlaken

In diesem Moment wurde sich der Schöpfer der Ironie der Situation bewusst. Aber seine Tränen tropften nicht als Zeichen der Betroffenheit, sondern als Ausdruck unbändigen Zorns zur Erde. Ein Zorn, der weiter anschwoll, als er Aurelios Konterfei auf der Mattscheibe erblickte. AURELIO. Ausgerechnet. Erst vor der "Bachelorette" den großen Macho-Südländer mimen und jetzt auf weichgespülten Gehaltscoach machen. Geht. Gar. Nicht. "Und morgen reden wir dann über die geschickteste Art, das Arbeitszimmer steuerlich abzusetzen?", donnerte Gottes Stimme in tiefstem Sarkastisch durch den Himmelspalast. Dann klopfte es von unten gegen die Decke. Luzifer schon wieder mit seinem Besenstiel.

Aber vielleicht, dachte sich Gott, könnte diese Blanco-Tochter wirklich etwas Hilfe gebrauchen. Sigmund hatte ihm erst gestern geraten, mal wieder etwas Nettes für seine Schäfchen zu tun. Ja, gleich morgen würde er seine Kanaster-Buddies Rockefeller und Morgan fragen. Die würden dieser Patricia nachträglich den besten Vertrag ihres Lebens aushandeln und die fiesen RTL-Manager richtig auseinandernehmen. Gott schmunzelte. Genauso hatten sie es mit dem alten Marx gemacht. Der stand bei J.D. und J.P. mittlerweile so tief in der Kreide, dass er ihnen täglich Frühstück ans Bett bringen musste.

Gammelfleisch zum Anfassen

Apropos Frühstück. Das wäre ihm tatsächlich beinahe hochgekommen, als er die Berge an Gammelfleisch sah, die Sonja und Daniel für ihre Dschungelprüfung zusammengekarrt hatten. 90 Kilo! Was für eine Verschwendung! Wie viele gute Burger hätte man daraus noch formen können? Einmal durch den Fleischwolf, neues Etikett drauf, fertig.

Aber dieser Walter, der gefiel Gott. Der hatte Potenzial, es einmal weit zu bringen. Genau die richtige Einstellung zum Leben. Immer schön fünf Zentimeter neben der Spur. Und immer schön Piano. Wie der sich so gar nicht von der Stoppuhr beeindrucken ließ und lieber plauderte, während er Schlüssel aus versifften Kühlschränken angeln musste, um damit Abfalltonnen voll Gammelfleisch zu öffnen. Wie er gemächlich zur Waage zeitlupte, wo andere gerannt wären. Nein, das war kein Zeichen von Alter, das war Haltung. Ein Fels in der Brandung einer hyperbeschleunigten Welt. Ein Mann, der dem Druck der Gesellschaft standhält. Gott lächelte. Es war also doch eine gute Idee gewesen, Professor Hastig und Rudolf Scharping ein gemeinsames Kind zeugen zu lassen.

Armageddon postponed

Den Mann will ich morgen wieder sehen, murmelte sich Gott in seinen Rauschebart, griff zum goldenen Himmelstelefon und rief für Walter an - zehntausend Mal innerhalb einer Nanosekunde. Für einen kurzen Moment packte ihn das schlechte Gewissen. Ziemt es sich für einen Gott zu schummeln? Aber wer sollte ihn schon verpetzen? Außerdem waren die vom ZDF und vom ADAC keinen Deut besser. So verflog der Augenblick wieder und die Vorfreude gewann Oberhand. Märchenonkel Walter im Märchenwald - vielleicht wird es ja doch noch was mit dieser Staffel?

Gott lächelte und beschloss, mit dem Weltuntergang doch noch eine Weile warten. Mindestens bis zum Finale.

Harte Fakten, starke Sprüche, offene Fragen


• Erspielte Sterne bei der Dschungelprüfung "Teufels Küche": 1/11

• Kandidaten für die morgige Dschungelprüfung "Märchenwald": Walter (4. Mal) und Angelina (2. Mal)

• Kann Angelina "Meine Suppe ess ich nicht!" Heger wirklich nicht zwischen Risotto und Erbrochenem unterscheiden?

• Wie schmeckt eigentlich Gülle, Patricia?

Daniel Hartwich war ehrlich verärgert über Walters unmotivierte Performance, oder? Und Walter ziemlich lässig im Umgang mit dem Kleinviech.

• Warum hat Walter nach der Dschungelprüfung nicht "Ein Stern, der meinen Namen trägt" gesungen?

• Apropos Gehalt: Sara oder die "Bild", einer lügt doch hier. Oder hat sich die Dame nur böse verkulkaliert?

• "Altes Fleisch trägt altes Fleisch." Schön erkannt, Daniel Hartwich.

• Aurelio: "Ich entertaine auf irgendeine Art und Weise Leute und bekomme dafür natürlich mehr Geld als irgendwelche Normalos"

• Der Griff in den Kühlschrank voll verdorbener Lebensmittel - Alltag in den meisten Singlehaushalten Deutschlands.

• "Boah, krass. Ich glaub, die Bombe geht hier bald hoch, ey." Boah, krass, ich glaub nicht.

• Trösten, bis der Fusel ruft. Saras Mitleid kennt klare Grenzen: "Es tut mir leid, Angelina, aber ich bin Alkoholiker."

• Großer "Time-Life"-Retro-Moment während der letzten Werbepause. Wer kauft sich jetzt alles "Faszination Traktor-Legenden - Die große DVD Sammlung"?

ES GIBT REIS!