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DSDS - Deutschland sucht den Superstar

"Après-Ski-Hits" bei DSDS 2011 Johannes Heesters kann's besser


Brummbär Marvin Cybulski hat sich endlich mal bewegt. Geholfen hat's ihm nicht. Adieu, Marvin hieß es bei der DSDS-Mottoshow "Après-Ski-Hits". Außerdem: Dieter Bohlen packte die Wut über den Zickenkrieg. Er moserte, er stänkerte. Und Nina hatte erneut einen Nervenzusammenbruch.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Dass das mal klar ist: Deutschland sucht nicht die Super-Putze. Diese Erkenntnis stammt von Anna-Carina Woitschack - die engelsblonde Kandidatin, die es in der Superstar-Villa mit der Ordnung nicht ganz so genau nimmt wie beispielsweise ihre erklärte Busen-Feindin, die Teenie-Walküre Nina Richel. Die wiederum formuliert eine Regel, an der sie so eisern festhält als stamme sie aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch: "Lebensmittel gehören nicht ins Badezimmer."

Dazu ist zu sagen: Ja, es stimmt, Deutschland ist kein Land, das - im Moment zumindest - eine Super-Reinigungskraft sucht. Deutschland sucht, warum auch immer, einen Superstar. Und das seit Jahren schon. Im Grunde versteht keiner, warum Deutschland das eigentlich macht. Und was es sich davon verspricht. Doch die Kursrichtung ist klar. Daran gibt es nichts zu rütteln. Trotzdem, Brummbär-Kandidat Marvin Cybulski hat es möglicherweise nicht kapiert. Am Samstagabend, bei einer weiteren Runde der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS), muss er sich wohl gedacht haben: "Deutschland sucht den Super-Streber." Denn wie sonst ist zu erklären, dass er sich plötzlich an die DSDS-Regeln hielt? Oder sagen wir: Er versuchte es, so gut er eben konnte.

Umsonst aus der Leichenstarre erwacht

Und das war vielleicht ein Fehler. Denn: Marvin ist raus. So wollten es die Zuschauer, die per Telefon ihre Stimme abgegeben hatten. Eigentlich hatte der 30-Jährige seine ganz eigene Strategie. Die da lautete: hinstellen - und singen. Nicht mehr, nicht weniger. Das hatte, trotz Super-Stimme, bisweilen den Charme einer Blechtonne. Doch: keine Performance, kein Bühnen-Outfit - das muss man auch erstmal können. Aber gestern plötzlich, weiß Gott, was in ihn gefahren ist, schien er bei seiner Interpretation von Klaus Lages "1001 Nacht" aus der Leichenstarre zu erwachen. Marvin trug Lederjacke. Marvin lächelte. Marvin hob den Arm. Juror Patrick Nuo wusste gar nicht wohin mit seiner Begeisterung. "Das war ganz großes Kino", jubelte er. Auch Jury-Kollegin Fernanda Brandao schwärmte: "Du hast deinen Arm gehoben." Dieter Bohlen hingegen kühlte wieder runter. Der Chef-Nörgler war nicht überzeugt. Sein Tipp: "Nimm dir ein Beispiel an Johannes Heesters." Im Gegensatz zu Marvin ginge der 107-Jährige auf der Bühne "ab wie ein Zäpfchen".

Das Motto der Show lautete diesmal: Après-Ski-Hits. Vielleicht hätte man lieber Glühwein kippen sollen, denn besonders spektakulär waren die Auftritte nicht. Größter Gähn-Faktor allerdings war Moderator Marco Schreyl. Und leider: Das ist er immer. Man fragt sich wirklich, wo RTL diesen Super-Langweiler ausgegraben hat. Seine Gags funktionieren mindestens so gut wie ein kaputtes Handy. Und was er sonst so daherredet - ach, vergessen wir's. Wie hoch sein Beliebtheitsgrad ist, zeigt sich unter anderem auch in einer seiner zig Anbieder-Attentate, diesmal auf den Österreicher Marco Angelini, der mit dem "Fliegerlied" und in Jeans-Latzhose und Wollmütze ins Rennen ging. Dessen Fans nämlich hatten x Plakate gemalt, unter anderem mit "Marco, unser Held". Moderator Marco zu Kandidat Marco: "Gibst du mir zwei oder drei Plakate ab? Die hänge ich mir dann übers Bett."

Erneuter Nervenzusammenbruch

Dann der sogenannte Zickenkrieg. Die bissigen Kontrahentinnen Nina und Anna-Carina hatten in der vergangenen Woche, wohl weil sie sich so sehr in ihre Biestereien hineinsteigerten, abwechselnd Nervenzusammenbrüche. Na ja, wenigstens darin sind sie sich einig. Auch wenn böse Zungen munkeln, dass viel Schauspielerei dabei ist. Weil sich, wie es schien, die DSDS-Gören selbst in der Show am liebsten gegenseitig Zyankali verabreicht hätten, lagen bei Nina dann erneut die Nerven blank. Sie brach in der Pause zusammen und musste aus dem Studio getragen werden. Vorher noch polterte Dieter zu Nina über die Dauerzickerei: "Du hast 99,9 Prozent der Zeit in Scheiße investiert. Konzentriert euch aufs Singen." Und: "Ihr habt Euch selber die Steine in den Weg gelegt." Tatsächlich fehlte den Mädels bei ihren Auftritten der nötige Pep. Anna-Carina versuchte es mit Gloria Gaynors "I Will Survive" - ohne allerdings annähernd an die strotzende Energie des Originals heranzukommen. Und Nina kämpfte sich in einem superkurzen Outfit, in dem sie sich sichtlich unwohl fühlte, und mit "Everytime We Touch" von Cascada durch.

Sebastian Wurth hingegen kann eigentlich machen, was er will, die Jury ist immer aus dem Häuschen. Sein Bonus: Zickereien-Abstinenz. Oder wie es Dieter Bohlen formuliert: "Du bist am meisten auf dem Boden geblieben. Du hast keine Starallüren." Ein hübscher Charakterzug, doch bei seiner Performance von "Ich war noch niemals in New York" wanderte Sebastian eher unmotiviert über die Bühne. So richtig überzeugen konnte der 16-Jährige nicht mit diesem Song - der nämlich handelt von einem Familienvater, der endlich mal aus seinem tristen Alltag ausbrechen will. Trotzdem lobte Fernanda: "Große Nummer."

In der Dauerschleife gelandet

Bleiben noch Ardian Bujupi, der sich mit "Tonight" von Enrique Iglesias versuchte und Zazou Mall mit Lady Gagas "Born This Way". Während der DSDS-Obermacho den Rat erhielt: "Steh mehr zu deinen Gefühlen", urteilte Dieter über die Schweizerin: "Du singst nicht so gut wie du aussiehst." Bei Pietro Lombardi, der kaum einen Satz zu Ende sprechen kann, hofft man, dass er niemals mehr aufhört zu singen. Nicht weil er es etwa so gut kann, sondern weil er, solange er singt, wenigstens nicht redet.

Doch auch bei seinen Auftritten ist Pietro, wie sich mal wieder zeigte, vor Textfehlern nicht sicher. Diesmal sang er Madcons "Freaky Like Me" - und dabei zweimal dieselbe Strophe. Norman Langen, Genosse in Sachen Textpatzer, hielt sich hingegen erstmal am Mikrofon ganz, ganz fest und steuerte dann sicher durch den Hütten-Hit "Ein Stern" von DJ Ötzi. Normans größte Fans sitzen übrigens im Seniorenheim und schwenken dort die DSDS-Fahnen. "Alte Menschen haben unser Land zu dem gemacht, was es ist", sagt Norman. "Wir können ihnen dankbar sein." Man könnte es vielleicht auch so sagen: Die wahren Stars finden sich nicht bei DSDS, sondern bei Joopie Heesters und Co.


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