DSDS - Deutschland sucht den Superstar

"DSDS" Bohlen pöbelt mit Käßmann-Vergleich


Von "Wind of change" bis "Life is life" - bei der zweiten Mottoshow von "Deutschland sucht den Superstar" sollten die Kandidaten Pop-Hymnen interpretieren. Auffällig wurde aber vor allem die Jury mit obskuren und teilweise vorher abgesprochenen Bewertungen. Besonders peinlich: Eine Pöbelei gegen die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann.
Von Björn Erichsen

Dieter Bohlen war mal wieder in seinem Element: "Ich habe mal in Los Angeles mit Irene Cara, dem Flashdance-Star, eine Nacht verbracht", prahlte er in der zweiten Mottoshow von "Deutschland sucht den Superstar", gab dann Kandidatin Ines Redjeb kräftig einen mit: Die "Ganzkörper-Granate" (Marco Schreyl) hatte soeben den Flashdance-Titelsong "What a feeling" präsentiert, hübsch anzuschauen, insgesamt passabel. Bohlen trat dennoch nach: "Das hat Irene selbst nachts um fünf hüpfend auf meinen Hotelbett mit all dem Champagner 1000 Mal besser hinbekommen als du", schmetterte er Ines ins Gesicht. Die kennt den Ärger mit der Jury schon und lächelte nur. Erst als Bohlen ihr auch noch wie zufällig mit breitem Grinsen noch eine Champagner-Flasche "zum Trost" überreichte, entfuhr es ihr: "Oh, also alles abgekatet."

Man kann natürlich nur mutmaßen, ob da wirklich jemand etwas gegen die schönes Ines hat. Vielleicht ist die alleinerziehende Hamburgerin und Jura-Studentin der DSDS-Crew ja wirklich ein wenig unheimlich. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Bohlen & Co. beschlossen haben, mit obskuren Kommentaren und Meinungen die Stimmung ein bisschen anzuheizen. Ruhig ein bisschen provozieren, schließlich ist die Konkurrenz am "TV-Supersamstag" mit "Wetten, dass..?" und Olympia-Berichterstattung riesengroß.

Wie Margot Käßmann, die da am Wochenende besoffen durch die Gegend gefahren ist

Verbalhinrichtungen am laufenden Band

Das Tagesmotto allein ließ schon Schlimmstes befürchten: "Die größten Pop-Hymnen aller Zeiten." Und tatsächlich feierte die Jury ihre Lieblinge, etwa Thomas Karaoglan, den "Checker", der für "I've been looking for freedom" von Bohlen höchste Weihen bekam: "Besser als Hasselhoff!" Auch Marcel Pluschke, Kaninchenfreund und Kleinmädchenschwarm aus Ostfriesland konnte bei "Life ist Life" machen, was er wollte. Er verpatzte seinen Einsatz komplett und sein "Na nanana na" klang wie ein Sommerabend an einem Froschteich. Aber die Jury hatte Mitleid mit ihm. "Ich schlachte Plüschi jedenfalls nicht", zog sich Neumüller noch am ehrlichsten aus der Affäre.

Verbalhinrichtungen gab es auch so genug. Musterschüler Nelson Sangare etwa wurde nach einem gefühlvoll vorgetragenen "What a wonderful world" von der Jury kollektiv zusammengestaucht. Sogar Eichinger, sonst stets pflaumenweich in ihren Bewertungen, erklärte dem verdutzten Nelson in ratlos langen Sätzen, warum er dieses Mal versagt habe, "trotz "Hammer-Stimme und so." Dieser vorher abgesprochene "Denkzettel" war so mies geschauspielert, dass man es schon wieder ins Positive wenden muss: Endlich mal wieder Fremdschämen bei DSDS.

Attacke auf die Ex-Bischöfin

Sogar dummdreist wurde es, als Bohlen Kim Debkowski, neben Ines die letzte verbliebene Frau im Wettbewerb, am Wickel hatte. Ihr Stimme habe bei "Fame", ebenfalls von Irene Cara, in etwa die gleiche Sicherheit gehabt, "wie Margot Käßmann, die da am Wochenende besoffen durch die Gegend gefahren ist", stänkerte Bohlen aus heiterem Himmel. Und setzte in Sachen Schlichtheit noch einen drauf: "Und daher ist die Bischöfin jetzt auch Ex-Bischöfin, und du bist auch in Gefahr hier rauszufliegen." Das gab selbst bei der Dauerparty im Kölner Studio mal richtig laute Buh-Rufe.

Die Action-Simulation von Bohlen kann jedoch nicht verbergen: Die lange Superstarfindung hat zur Zeit einen echten Durchhänger, trotz der Rekordquoten. Es gibt nur wenige interessante Charaktere, und dafür, dass da die besten Neun von fast 35.000 auf der Bühne stehen, ist die musikalische Qualität insgesamt erschreckend schwach. Was bei einem Fernsehtalentwettbewerb möglich ist, lässt sich ja momentan recht gut bei Stefan Raab und seinem "Unser Star für Oslo" beobachten. Da schauen zwar deutlich weniger Leute zu, dafür können die Kandidaten aber zumindest die (meisten) Juroren ernst nehmen.

Für die geprügelte Ines Redjeb wurde es noch ein langer Abend, Leiden bis ganz kurz vor Schluss. Ausgerechnet gemeinsam mit "Plüschi" stand sie vor Moderator Marco Schreyl, alle anderen waren da schon ein Runde weiter. Und sie durfte tatsächlich jubeln: "Plüschi" hatte vom Publikum den Gnadenschuss bekommen, und Ines durfte ihre speziellen Freunde in der Jury mindestens noch einmal ärgern. Eines hat der Abend damit in jedem Fall bewiesen: Auch Leute, die 50 Cent für einen Anruf bei den Superstars ausgeben, sind cleverer als Bohlen und seine Jury.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker