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"DSDS"-Finale: Die Mutter aller Schlachten

Mehrzad Marashi heißt der Sieger von "Deutschland sucht den Superstar". Konkurrent Menowin Fröhlich war zwar besser, doch letztlich setzte sich Mehrzads "Saubermann-Image" durch. Nun hat er allerdings ein Problem.

Von Björn Erichsen

Er konnte es einfach nicht glauben. Für eine lange Sekunde blinzelte Mehrzad Marashi so verdutzt in das Scheinwerferlicht wie ein Neugeborenes kurz vor dem Willkommensklaps ins Leben. Fassungslos stand er da, Moderator Marco Schreyl hatte wirklich seinen Namen genannt. Und nicht den von Menowin Fröhlich, wie alle dachten. Doch schon eine Sekunde später war der frisch geborene "Superstar" begraben von Konfettiregen und einem Haufen jubelnder Leiber. Ein paar Meter daneben sackte der Verlierer in sich zusammen. Menowin hielt den Kopf schief, wie ein junger Hund, der nicht versteht, warum er Prügel bekommen hat. In seinem Blick: maßlose Enttäuschung, Traurigkeit, Wut.

Für das große Finale hatte RTL ordentlich aufgefahren: Dieter Bohlen kam im Anzug, für die große VIP-Party hinterher wurden extra diverse sendereigene "Promis" wie Katharina Saalfrank und Sonja Zietlow in das Coloneum nach Köln-Ossendorf gekarrt. Irgendwann durfte sogar Lothar Matthäus irgendwas sagen. Nur Drogensünder Helmut Orosz fehlte, als die ausgeschiedenen Top-10-Kandidaten noch einmal auf der Bühne standen: Die Einserabitur-Blondine Steffi Landerer, der "Checker" Thomas Karaoglan, Marcel "Plüschi" Pluschke, das Stimmbruch-Wunder aus Ostfriesland: Für ein letztes gemeinsames Playback war das ganze musikalische Elend der siebten DSDS-Staffel noch einmal beieinander.

Der Kampf ums Dasein

Das Duell der beiden Besten wurde dann von RTL zur Mutter aller Schlachten hochgepusht: "Saubermann" gegen "Ghetto Kid", " Romantiker " gegen " Gangster ", "Gut" gegen "Böse". Hier der bescheidene Workaholic Mehrzad, der für sein Kind sorgen will. Da das unkontrollierbare Ausnahmetalent Menowin, das seine zweite Chance im Leben möchte und schon damals in der Zelle davon träumte, "Superstar" zu werden. Der Talentwettbewerb als Kampf ums Dasein, darunter geht es bei "DSDS" schon lange nicht mehr.

Die Schlacht auf der Bühne hatte einen klaren Sieger: Mehrzad war sehr gut, Menowin besser, mindestens bei zwei von drei Songs. Sein Staffel-Highlight "Billie Jean" inklusive Michael-Jackson Tanzeinlage aus der vierten Mottoshow brachte Menowin im Finale noch einmal spektakulärer auf die Bühne. "Als dir der liebe Gott Talent gegeben hatte, wollte er angeben", lobhudelte Bohlen und die Halle grölte "Zugabe". Von Runde zwei an hatte sich die Jury festgelegt: Menowin macht das Rennen.

"Stellt noch ein paar Kinder auf die Bühne, und ich bekomme ein Weichei" - verhaspelte sich Aushilfsjurorin Sylvie van der Vaart charmant und meinte wohl "weiche Knie", weil Menowin seinen "Herzenssong" "That's what friends are for" so emotional gesungen hatte. Die Fußballergattin vertrat Nina Eichinger, die wegen der Aschewolke über Europa nicht aus Los Angeles wegkam. Zwar hatte die "Supertalent"-Jurorin keine Ahnung von "DSDS" (Angeblich schaut sie sich die Sendung immer zusammen mit Gatten Raffael an), war aber dennoch unterhaltsamer als die Produzenten-Tochter in allen 19 Sendungen zuvor. Fand auch Dieter Bohlen. Der starrte die schöne Sylvie immer wieder von der Seite an und dachte dabei wohl nicht nur an Musik.

Einmal Hölle und zurück

Für Mehrzad dagegen führte der Finalabend einmal in die Hölle und zurück. Mit "Endless love" von Lionel Richie hatte er einen guten, gefühlvollen Auftritt hingelegt, umrahmt von fünf großen, brennenden Herzen. Aber der 29-Jährige Hamburger war nervös und angespannt, das merkte man vor allem seinem "Staffelhighlight"- Song "Fresh" an. "Ich habe Angst in deiner Stimme gehört", befand Bohlen und hatte sicher recht damit. Je später der Abend wurde, je mehr Lobpreisungen Menowin erfuhr, desto leerer wurde der Blick von Mehrzad. Am Schluss blickte er nur noch nach unten, er wartete auf die Niederlage. Bis zu der Sekunde, als Schreyl seinen Namen sagte.

Damit hatte die große Pädagogikstunde im RTL-Spätabendprogramm ihren Höhepunkt erreicht: Aufrechter Workoholic schlägt notorischen Bad Boy. Seht her liebe Kinder, seid schön brav, arbeitet fleißig, dann werdet ihr irgendwann auch mal "Superstar". Der Sündenpfuhl "DSDS" endet tatsächlich mit einer Art Moral. Menowin gab sich am Ende kleinlaut. Als Schreyl ihn fragte, ob er künftig dennoch mit Bohlen zusammen arbeiten würde, hauchte er nur: "Ich hoffe". Genau das könnte wiederum das größte Problem von Mehrzad werden: Er klingt doch am allerliebsten wie Xavier Naidoo - als "Superstar" hat er nun den seichten Sound von Dieter Bohlen an den Hacken.