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"DSDS": Flop der Karibik

Bei "DSDS" fielen am Mittwochabend die Hüllen: Am karibischen Traumstrand präsentierten sich die Kandidaten in Badehose und Bikini. In einer ansonsten eher mittelmäßigen zweiten Recall-Show wurde ein Kandidat zu seinem Entsetzen schon sehr frühzeitig wieder nach Deutschland zurückgeschickt.

Von Björn Erichsen

Ausziehen, alle! Das ist gerade das Motto im "DSDS"-Recall, also der Zwischenrunde bei "Deutschland sucht den Superstar", traditionell der Moment, in dem immer ein paar hunderttausend Zuschauer weniger einschalten als noch bei den Castings. Ein "handwerklich schwieriger Moment" meint auch RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger im Interview mit dem Branchen-Dienst "DWDL", gehe es doch von nun an darum, "aus der Comedy eine Talentsuche zu machen." Und wie könnte man die verborgenen Talente der Kandidaten handwerklich wohl besser beleuchten, als wenn man die ganze Bande kurzerhand an einen Traumstrand in der Karibik verfrachtet? Das ist die große Neuerung in diesem Jahr bei "DSDS".

Während Stefan Raab also im winterlichen Deutschland ganz brav ein Lied für Oslo sucht, grüßten die verbliebenen 35 "DSDS"-Kandidaten in Badehose und Bikini aus der Dominikanischen Republik. Moderator Marco Schreyl prahlte auch gleich kräftig mit dem "heißesten Recall aller Zeiten", und Bohlen, natürlich komplett in weiß, schwebte gar im fliegenden Schlauchboot zum Casting an den Palmenstrand. Doch das ganze Brimborium konnte eines nicht verbergen: Die groß angekündigte Karibik-Sendung war die bisher unspektakulärste der gesamten Staffel, weder richtig lustig, noch musikalisch irgendwie berauschend.

Jetlag verursacht Textlücken

Es rächte sich schnell, dass RTL den Kandidaten anscheinend (zur Aufzeichnung Ende November) nicht mehr als einen Mega-Kurztrip ins Paradies gegönnt hat: Die müden Casting-Küken mussten direkt am Morgen nach ihrer Ankunft vor die drei Juroren treten, deren Richtertisch direkt am Meer stand. Viele Kandidaten jammerten über den Jetlag und setzten gleich reihenweise ihre Solo-Auftritte in den Sand. Es war ein großes Gestotter, nur wenigen war es gelungen, in der knappen Zeiten ihre Texte zu lernen. Da halfen auch Bohlens schlaue Sprüche nichts: "Hier bei 'DSDS' gibt der Klügere nicht nach – hier haut er auf die Pauke."

Und so waren es wahrscheinlich die cleverersten Kandidaten, von denen der Zuschauer immer mal wieder kurze Impressionen präsentiert bekam: Hier mal ein "Hihi, wir Mädels proben grad im Whirl-Pool", da ein paar Bier trinkende Kerle, die einigermaßen lustlos für die Kamera auf Ballermann machten. Bemerkenswert dagegen für ein Format, dessen Zuschauer eher 14 als 49 sind: die fototapetenreife, aber selbstverständlich nur angedeutete Lesben-Szene zweier Kandidatinnen im karibischen Flachwasser.

Vertreibung aus dem Paradies

Der emotionale Höhepunkt des Abends aber war die Vertreibung aus dem Paradies: Kandidat Ruzhdi, der Vier-Saiten-Gitarrist aus dem Casting, hatte "Easy like Sunday Morning" derart lustlos runtergeträllert, dass sich Bohlen erst für einen bösen Blick die Sonnenbrille abnahm – und den geschockten Ruzhdi direkt vom Strand zum Flughafen schickte: "Schönen Weg nach Hause!" Bei den anderen Kandidaten setzte daraufhin mal kurzzeitig Panik ein.

Mit der von Tom Sänger angekündigten Verwandlung in einen Talentwettbewerb geht es dagegen noch reichlich schleppend voran. Immerhin: Die Auftritte am zweiten Tag, in Duetten oder Gruppen, waren fast durch die Bank besser als das Gewürge zu Beginn. Stark wie gewohnt Kandidat Mehrzad, der trotz der tropischen Temperaturen bei der Jury "Gänsehaut" auslöste. Er wird ebenso sicher in der Finalshow dabei sein wie Bohlen-Liebling Menowin. Der geläuterte Ex-Knacki fing sich erst einen deftigen Rüffel ein ("Damit kriegst du höchstens deine eigene Pannenshow auf RTL"), zauberte aber dann mit seinem zweiten Auftritt dem motzigen Chefjuror ein zufriedenes Lächeln in das faltige Gesicht.

Wer zu den Top 15 in den folgenden Mottoshows zählt, wird sich erst im dritten und letzten Teil des von RTL bisher so ungeliebten Recalls entscheiden. Gegen den üblichen Trend hat "DSDS" in diesem Jahr sogar die meisten seiner Zuschauer halten können, 6,39 Millionen Menschen schalteten bei der ersten Zwischenrunden-Show ein. Daran ist sicher auch jener häufig wiederholte Einspieler nicht ganz schuldlos, bei dem zwei der Bikini-Evas mitten am Strand aufeinander los gehen und damit vermutlich ihr besonderes Talent für eventuelle Schlammringkämpfe unter Beweis stellen wollen. Da bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Ist das jetzt noch Comedy oder doch schon Handwerkskunst?