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Ein Neuer zum 40. Jubiläum: Am Tatort mit Ulrich Tukur

Ulrich Tukur ermittelt erstmals in einem "Tatort" und feiert damit zugleich Jubiläum. Genau 40 Jahre nach der Ausstrahlung des ersten Krimis der Serie im Ersten geht er für die ARD auf Verbrecherjagd.

Ermittlertyp, Einsatzort, Erzählweise - der Jubiläums-"Tatort" mit Schauspielstar Ulrich Tukur ist ungewöhnlich. Als LKA-Ermittler ist der 53-Jährige Tukur mit einem Mordfall am nordhessischen Edersee befasst. Unterstützung findet der Einzelgänger und Junggeselle Felix Murot im Landeskriminalamt in Wiesbaden bloß bei seiner Sekretärin Magda Wächter (Barbara Philipp), die als einzige auch von seinem Gehirntumor weiß. Diese Diagnose - Haselnuss, gleich neben der Erinnerung - steht am Anfang von Tukurs "Tatort"- Debüt als Ermittler, der an diesem Sonntag zu sehen ist.

In "Wie einst Lilly" brilliert neben Tukur als 102. "Tatort"- Ermittler Martina Gedeck als Pensionswirtin Jana Maitner. Zusammen waren beide auch in dem mit einem Oscar ausgezeichneten Film "Das Leben der Anderen" (2006) zu sehen. Die 781. "Tatort"-Folge wird an diesem Sonntag (20.15 Uhr) fast auf den Tag genau 40 Jahre später ausgestrahlt als die erste, in der Kommissar Trimmel am 29. November 1970 mit dem "Taxi nach Leipzig" fuhr.

Alles, was Tukur - einem Interview mit dem "Spiegel" zufolge - an TV-Krimis nervt, kommt in seinem "Tatort" nicht vor: Keine theatralisch gezückten Pistolen, kein ständiges Einsteigen in Autos, nur um kurz darauf wieder auszusteigen und keine Kameraeinstellungen, "die aus Stuttgart unbedingt Chicago machen wollen". Stattdessen amüsiert der "Tatort" in der Regie von Achim von Borries mit subtiler Komik. Tukur beeindruckt als Schauspieler mit ausdrucksstarker Mimik und ist als Musiker am Klavier zu erleben. In ruhigen Schnitten wechseln sich Aufnahmen vom herbstlichen Edersee mit bedrückenden Bildern von Innenräumen ab.

Der Tumor, der Murot besser riechen und schmecken, die Menschen manchmal aber auch seltsam klingen lässt, eröffnet ihm eine zweite Sicht auf die Welt. Die Krankheit der Filmfigur ist für Tukur entscheidend. Denn eigentlich wollte er keinen Kommissar spielen, und findet jeden Mörder und jeden Verbrecher interessanter, wie er der dpa sagte. Seine Bedingung: "Der Murot müsste so eine Fallhöhe haben, dass er mindestens so interessant wird wie der Fall, den er zu lösen hat."

Und der erste Fall des LKA-Ermittlers ist brenzlig: "Im Wesentlichen geht es um das, was den 1977 ermordeten Generalbundesanwalt Buback und seinen Sohn mit RAF-Frau Verena Becker verbindet: den furchtbaren Verdacht, dass sich hinter dem Mord an Buback ein Abgrund auftut und höchste Stellen einiges geheim halten", hatte Tukur der "Hörzu" über das Buch von Christian Jeltsch gesagt. Daneben geht es um den Umgang mit der eigenen Vergangenheit: Die Pensionswirtin Maitner flieht vor ihrer Geschichte, und der Pfarrerssohn Murot, der vom Edersee stammt, fühlt sich im Umgang mit ihr an seine Jugendliebe Lilly erinnert.

Tukur hat angekündigt, die Figur des Felix Murot weiterentwickeln zu wollen, ein zweites Drehbuch gibt es bereits. Dennoch will sich der Schauspieler auf eine Folge pro Jahr beschränken. Nachfolger des hr-Ermittler-Teams Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf (als Charlotte Sänger und Fritz Dellwo) sind nach acht Jahren von 2011 an die Hauptkommissare Joachim Król und Nina Kunzendorf.

Ira Schaible, DPA / DPA