HOME

Ex-Gouverneurin von Alaska: Sarah Palin als langweiliger Reality-Star

Naturbegeistert, sportlich, ein Familienmensch. Sarah Palin, die sich einst als US-Vizepräsidentin bewarb und vielleicht bald die mächtigste Frau der Welt werden will, rückt sich in einer TV-Serie ins rechte Licht. TV-Kritiker reagieren jedoch eher gelangweilt.

Die Ikone der Rechtspopulisten in den USA, Sarah Palin, lässt das amerikanische Fernsehpublikum jetzt an ihrem Familienleben teilhaben. Die ehemalige Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin ging am Sonntagabend (Ortszeit) mit ihrer eigenen Reality-Show auf Sendung.

In der Serie "Sarah Palins Alaska" stellt die 46-Jährige ihr Alltagsleben mit ihrem Ehemann Todd und ihren fünf Kindern dar - und präsentiert dabei zugleich ihren Heimatstaat. Der US-Kabelsender TLC plant, insgesamt acht Folgen zu zeigen.

Kritiker in den US-Medien bezeichneten die Show am Tag nach der Ausstrahlung als "harmloses Reisetagebuch" oder als "Teil einer großangelegten Werbekampagne" in Palins Streben nach einer eigenen Präsidentschaftskandidatur für das Wahljahr 2012.

Die Premiere der Sendung zeigte wenig Alltagsgeschehen in einem Familienleben, sondern vor allem Ausflüge der Palin-Familie in der beeindruckenden Natur Alaskas. So sahen die Zuschauer, wie sie beim Angeln von einem Grizzlybären bedroht wurde oder bei einem Rundflug mit einem Buschflugzeug in ein Unwetter geriet.

Schon vor der Ausstrahlung kritisierten Kommentatoren, dass die neue Show die Grenzen zwischen Showbusiness und Politik so stark verwische wie noch nie. Politische Aussagen von Palin blieben jedoch Mangelware und kamen höchstens in ungewollten Wortwitzen vor. Als ein Führer ihr bei einer Klettertour in den Bergen zurief, den Weg weiter links zu nehmen, antwortete sie: "Ich weiß nicht, ob ich das kann."

Ferner ließ sich Palin beim Backen mit ihren Töchtern in ihrer Küche filmen und beim Lästern über ihren unliebsamen Nachbarn. Joe McGinniss ist ein Journalist, der in den kleinen Ort Wasilla zog, um eine Biografie über sie zu schreiben. "Die Show ist ziemlich langweilig und lässt einen wundern, wie sie die sieben verbleibenden Folgen noch füllen wollen", befand die Zeitung "Baltimore Sun".

Die Ex-Gouverneurin von Alaska wurde 2008 einem breiten Publikum bekannt, als sie sich an der Seite des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain für das Vize-Amt bewarb. Nachdem sie im vergangenen Jahr von ihrem Posten zurücktrat, hat sie sich zur Galionsfigur und Hoffnungsträgerin der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung aufgeschwungen, die bei den Kongresswahlen maßgeblich zum Comeback der Republikaner beitrugen.

Die neue Reality-Show ist nicht der erste Job für Palin beim Fernsehen. Sie versuchte sich zum Beispiel beim Sender Fox News als Moderatorin der Biografieserie "Real American Stories".

Marco Mierke, DPA / DPA
Themen in diesem Artikel