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Finale der "Alm": Manni Ludolf holt die Siegerglocke

Nach 15 Tagen zwischen Muh und Mäh steht fest: Schrotthändler Manni Ludolf ist Almkönig. Wird er deshalb bald für Nacktbilder posieren? Und wird Carsten Spengemann bald Adoptivpapa einer Kuh? Das trashige TV-Spektakel hinterlässt Fragen – und zeigte zum Finale fast nur "Aufgewärmtes".

Von Sylvie-Sophie Schindler

Ja, wo kommt denn so ein Schnitzel her? Wächst das etwa in der Supermarkt-Tiefkühltruhe? TV-Alm-Insasse "Rolfe" Schneider kennt endlich die Antwort, und sie macht ihn, wie er sagt, sehr traurig. Ausgerechnet das Kälbchen, dessen Geburt er neulich miterlebte, wird in sieben Wochen zum Schlachthof gebracht. Ein Schicksal, das x Artgenossen teilen. Doch der Ex-"Topmodel"-Juror reagiert derart alarmiert, als sei das für ihn eine völlig neue Information. "Lasst uns Geld zusammen legen und das Kälbchen kaufen, um es zu retten", appelliert er, fast panisch, am Samstagabend in der Finalsendung von "Die Alm". Oder - noch besser - vielleicht könne ProSieben die betreffende Summe locker machen. Darauf Moderatorin Janine Kunze, ungewohnt schlagfertig: "Du hast doch durch die Sendung genug verdient, das reicht sicher für das Kälbchen."

Alleine ins Portemonnaie greifen? Siehe da, plötzlich schien sich Rolfes Sorge in Luft aufgelöst zu haben. War wohl nicht so ernst gemeint. Doch was bitteschön ist überhaupt ernst zu nehmen bei diesem Alm-Spektakel, das sich in den Südtiroler Bergen, auf 1776 Metern Höhe in den vergangenen zwei Wochen abspielte? Etwa, dass um den Hals des Siegers Manfred "Manni" Ludolf zu guter Letzt, nach 15 Tagen zwischen Muh und Mäh, eine riesige Kuhglocke baumelte?

"Krass ey": Natürlichkeit gewinnt

Der Schrotthändler also hat das Rennen gemacht. Almkönig darf er sich nun nennen. Passiert auch nicht jedem, eigentlich nur noch It-Girl Kader Loth, Gewinnerin der ersten Staffel aus dem Jahr 2004. Aber anders als seine Vorgängerin setzte Manni nicht auf die lauten Töne. Manch einer kennt ihn längst aus der Doku-Soap "Die Ludolfs – 4 Brüder auf’m Schrottplatz" und auch da zeigt der 49-Jährige stets, dass er eher der natürliche Typ ist, der Kumpel von nebenan, einer der anpackt und nicht lange drum herum redet. Und der keiner Fliege auch nur ein Beinchen krümmt. "Ich mag nicht wenn man Tiere und Menschen quält", sagte Manni im Interview mit Janine Kunze. Und sie, diesmal wieder gewohnt aufgesagt: "Manni, du bist so süß."

Auch Ex- "DSDS"-Teilnehmer Thomas Karaoglan, genannt "der Checker", mit seinen 18 Jahren das Alm-Nesthäkchen, lag weit vorn in der Gunst der Zuschauer. Die nämlich entschieden per Telefon-oder SMS-Voting, wen sie als Sieger sehen wollten. Bis zum Schluss zitterte "der Checker" mit Manni um den Titel – sie waren die beiden Letzten, die sich auf der Alm in den Armen lagen. Bevor die Entscheidung bekannt gegeben wurde, gab es noch ein echtes Gespräch unter Männern. Der Checker: "Ich kleines Opfer stehe hier mit Manni, das ist echt krass." Dann Tränen, Tränen, Tränen. Und Manni: "Das Leben ist hart, aber es prägt auch." Der Checker: "Krass, ey."

Die unergründlichen Fragen der Berge

Nicht immer gab es zwischen den Almbewohnern derartige Harmonie. Und wer das vergessen hatte, dem wurde die Erinnerung zum Finale ausgesprochen penetrant aufgefrischt: jede Menge Rückblenden, der Spannungsfaktor rutschte gen Null. Man kennt's auch vom Kochen, Aufgewärmtes schmeckt nun mal nicht mehr so gut. Unter anderem war wieder zu sehen, wie Manni Stierhoden vertilgte, wie Sängerin Kathy Kelly unablässig an ihrer Gitarre zupfte, wie Ex-Fußball-Trainer Werner Lorant nach einem Gipsabdruck von Charlottes Brüsten lechzte und wie die Ex-"Topmodel"-Kandidatinnen Tessa Bergmeier und Gina-Lisa Lohfink in hübscher Regelmäßigkeit verbal entglitten. "Du dreckige Missgeburt", schrie Tessa beispielsweise eine Maus an und Gina-Lisa tobte in einem Streit: "Halt die Fresse." Gemütlich geht anders.

Erblindet Carsten? Warum heult Rolfe in Kathys Schoß? Gibt es Alkoholiker auf der Alm? Ist Anna eine schlechte Hundemutter? – ein paar relativ neue Aufreger, sofern man das so nennen will, gab es dann doch. Um nicht lange drum herumzureden: alle haben die Mini-Dramen, die gerne mal zu Staatsakten hochgespielt wurden, überlebt. Heißer Wasserdampf schoss Ex-"DSDS"- Moderator Carsten Spengemann beim Kaffeekochen ins Gesicht, riesiger Schrecken, keine ernsten Blessuren. Rolfe plagte lediglich der Abschiedsschmerz, vielleicht auch die Sorge ums Kälbchen – siehe oben. Dann: Eine Proseccoflasche wurde versteckt, die Konsequenz waren bitterböse Verdächtigungen. Und bei Anna Heesch ging es um einen früheren Sorgerechtsstreit um die gemeinsame Mischlingshündin "Laila". Diesen focht sie nach einer 86-Tage-Ehe mit Wasserdampf-Carsten aus. Eigentlich passé, doch Mitbewohnerin Charlotte Karlinder kramte die Sache wieder raus. Alte Gefühle kamen dabei hoch. Anna leidvoll: "Das tut immer noch weh." Aber bringt das was? "Wird sind auf einer Alm, da gibt es bessere Themen als die Trennung von Anna und Carsten", resümierte "Der Checker". Was er allerdings nicht verriet: Was sind die besseren Themen?

Das Leben nach "Die Alm"

Tag 15 ist vorbei, "Die Alm" ist vorbei. Und was bleibt nun von den Pseudo-Promis, die angetreten waren, um – O-Ton ProSieben - "zu beweisen, dass ein Leben jenseits der Zivilisation möglich ist? Gina-Lisa weiß jetzt, wie sich eine Mandelentzündung anfühlt, Carsten will Kuh Nora adoptieren und alle tragen ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift: "Die Alm. Ich war dabei." Wem das zu wenig ist, der darf noch auf "Manni" hoffen. Er wäre nicht der Erste, der nach einem TV-Sieg versucht, die Hitparaden zu stürmen. Oder sich sonst wie gewinnbringend zu vermarkten. Eines aber ist schon gewiss: Eine Anfrage vom "Playboy" wird es wohl nicht geben.

  • Sylvie-Sophie Schindler