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Vorletzte Folge von "Die Alm": Gemeinsam leiden

Verstärkung für die letzten Meter: Gemeinsam mit drei Freunden, allesamt Erstgucker, schaute sich stern.de-Mitarbeiter Jannis Frech die vorletzte Folge von der "Alm" an. Die bittere Erkenntnis: Zu viert wird Tessa nicht sympathischer.

Wir sind zu viert, für drei von uns ist es das erste Mal. Sie sind freiwillig gekommen. Vielleicht hat sie der Whisky gelockt, vielleicht hatten sie Mitleid. Letztlich ist das egal, denn nun schauen wir gemeinsam "Die Alm" an. Die vorletzte Folge, es könnte möglicherweise, ganz eventuell, etwas spannender werden als zuletzt. Wir, das sind ein Unternehmensberater, eine Kommissar-Anwärterin, eine Journalistin und natürlich der Autor. Ein bunter Haufen also - so ähnlich wie auf der Alm.

"Who the fuck is Tessa Bergmeier?"

Bis zum ersten Kopfschütteln dauert es exakt 15 Sekunden. Gefolgt von der Frage: "Waren die immer so angezogen?" Gemeint sind die Moderatoren. Und dann: "Who the fuck is Tessa Bergmeier?" Es ist die Journalistin, die den mitteilungsfreudigsten Start erwischt. Recherchefreudig wirft sie noch ein "wer ist denn diese Hesch?" in die Runde. Gute Frage, da mussten wir Rezensenten ein paar Tage zuvor auch erstmal nachschlagen. "Die Ex von diesem Spengemann", erklärt die angehende Polizistin. Respekt, die Frau kennt sich aus. Oder hat sie etwa doch schon einmal eingeschaltet?

Die erste Werbepause, Zeit für ein frühes Zwischenfazit. "Die Spannung steigt", ist der Unternehmensberater optimistisch. Oder ist das Zynismus im Frühstadium? Ein schlichtes Schulterzucken von der zukünftigen Kommissarin. Kann man durchaus so sehen. "Ich bin verwirrt", gesteht die Journalistin. Es ist Zeit für den ersten Whisky.

Rückblende im TV: Die Geburt des Kälbchens. Und dann: Kälbchen-Drama reloaded. Die Mutterkuh nimmt das Kleine nicht an, die Almbewohner vermitteln. "Warum sind die mit dabei im Stall?" fragt sich die Journalistin – und beantwortet sich die Frage gleich selbst: "Ach so, für die Kommentare." Großes Gelächter im Raum, als Thomas Karaoglan alias "der Checker" das erste Mal vor der Kamera spricht. Wieder Moderation, skeptisch hochgezogene Augenbrauen bei den Damen im Raum, keine weitere Reaktion, nur der beherzte Griff zum Whiskyglas.

Einigkeit in Sachen Tessa

Tessa muss jetzt zur Muhprobe, wieder einmal. Aber das können die Frischlinge ja nicht wissen. Mit einer Fackel bewaffnet läuft die Turbo-Zicke gen Scheune. Die Journalistin synchronisiert spontan: "Ich geh jetzt das Haus anzünden." Da horcht die Polizistin in spe auf: "Echt jetzt?" Die Wahrheit enttäuscht. Ein Parcours im Dunkeln wartet auf Tessa, erste Station: Ein großer Glaszylinder voll Hasen. Das reicht für panisches Gequieke vom Möchtegern-Model und Gelächter vor dem Fernseher. „Wie komisch ist die denn?“ fragt der Unternehmensberater sichtlich irritiert. "Zwergkaninchen, oh Gott", kommentiert die Journalistin. "Ich geh mal rauchen" - sie flüchtet auf den Balkon. Auch eine Form der Reaktion.

Die nächste Aufgabe: Eine Röhre voll künstlicher Spinnenweben. Tessa gewohnt hysterisch. "Boah geht die mir auf den Sack", entfährt es dem Unternehmensberater. "‘Ne Hose wär‘ gut gewesen", analysiert die Kommissar-Anwärterin. Die Journalistin kehrt währenddessen zurück vom Balkon: "Was muss die machen?" "Die muss da halt durch", erklärt ihr die angehende Polizistin, "und sagt immer iiih." Mehr muss man wirklich nicht wissen.

Als nächstes warten undefinierbare, aber offenbar eklige Vorhänge. Tessa muss durch, will aber nicht. "Oh, Gott", macht die Journalistin, das scheint ihr zu helfen heute Abend. "Hat die eigentlich nen kölschen Dialekt?" fragt sich der Unternehmensberater. Er will mehrere "Wat?" von der Hamburgerin herausgehört haben. Und offenbar denkt er schon an eine Fortsetzung: "Wenn‘s das nochmal gibt, haben die dann in der Scheune des Schreckens eine Station wo Tessa steht?" Gut gebrüllt, Löwe. Auf dem Bildschirm kehren die Moderatoren zurück. Immerhin kennt der Berater Janine Kunze aus "Hausmeister Krause". Doch jetzt fragt er Kunze besorgt: "Meinste wirklich, das hier ist ein Karrieresprungbrett?"

Tessa hat es mittlerweile zurück auf die Alm geschafft. Irgendetwas scheint allerdings mit ihrem Bett nicht zu stimmen. Sie keift alle an. "Die ist ja megaunsympathisch die Frau", ist sich die Kommissar-Anwärterin mit den Almbewohnern einig. "Ich mag sie", entgegnet der Unternehmensberater nüchtern. Um sich kurze Zeit später die Hände fassungslos vors Gesicht zu halten. Und die Journalistin wittert Privatfernseh-Inszenierung: "Die bekommen bestimmt abends ‘nen Zettel zugeschoben was sie am nächsten Tag machen sollen."

Trinkspiele ohne Alkohol

Auf dem Bildschirm mutiert Tessa zur egomanischen Diktatorin. Das bringt den Unternehmensberater auf eine tolle Idee: "Kann Tessa bitte ein Buch über Führungsqualitäten schreiben?" schlägt er vor. "Das käm bestimmt gut an in den höheren Managementebenen." Der Mann muss es wissen. Nun intrigiert Tessa erfolgreich gegen Carsten Spengemann. Die Trennungs-Geschichte Spengemann – Hesch (das war diese Ex) wird von den Alm-Bewohnern und ProSieben genüsslich seziert. "Gott sei Dank haben die keine Kinder!" sagt die Journalistin. Unterschwellig klingt ein "hoffentlich!" durch. Das Zuschauen wird unerträglich.

Der Unternehmensberater sucht nach Ablenkung im Raum. Der Angriff gegen den Autor erscheint ihm da als ein probates Mittel: "Ich guck mich um, alle schütteln den Kopf, nur du wartest verzweifelt auf Input!" Recht hat der Mann. "Wie lange geht das noch?" fragt die Journalistin um exakt 22:50 Uhr. Immerhin hat es eine gute halbe Stunde bis zu dieser Frage gedauert. "Die haben echt Langeweile da oben", analysiert sie. "Das einzig Spannende ist ein seit fast zehn Jahren geschiedenes Pärchen." Mittlerweile blickt keiner mehr bei den Alm-Intrigen durch. Moderationspause.

Zum Sendungsende gibt es noch Spielchen. Die erste Herausforderung: Kronkorken-Saugen. Die Journalistin sinkt auf dem Sofa zunehmend tiefer in die Kissen. Manni Ludolf darf antreten. Das erinnert den Berater an die Schulzeit: "Da gab es früher auch so Trottel, die sich für jeden Scheiß geopfert haben." Aus ihrer Kissenburg fragt ihn die Journalistin: "Fühlst du dich jetzt auch so als Zuschauer?" Sie bekommt keine Antwort. Die Spiele auf Kindergeburtsgasniveau plätschern derweil dahin. Resignation macht sich breit. "Ich fühle mich beobachtet und ausgenutzt!" Der Unternehmensberater will sich offenbar erneut am Autor abreagieren. Mit Spielen ist nun der Checker dran, er soll mit einer Kartoffel zwischen den Beinen eine Kartoffel… ach, ist ja auch egal. "Toll, Trinkspiele ohne Alkohol", beschreibt das die Journalistin. "Der hat jetzt dreimal hintereinander das Wort ‚Alter‘ gesagt um seine Freude zum Ausdruck zu bringen", stellt der Berater fest. Das Kartoffelspiel wollen wir später vielleicht auch noch versuchen.

"Mein Fazit: Oh, Gott!"

Doch zunächst gilt es, noch einen Werner-Lorant-Einspieler zu überstehen. Die Alm-Bewohner applaudieren. Wie haben die den Einspieler bloß gesehen? "Denen wurde nur gesagt, dass sie reagieren müssen" – die Journalistin hat mal wieder das Konzept durchschaut. Der Berater ist mittlerweile eingeschlafen. Vier Minuten vor Ende der regulären Sendezeit schreckt er jedoch auf: "Wie lange geht das noch?" Die Journalistin ist hinter ihren Kissen nicht mehr zu sehen.

"Die Alm" überzieht: Eieressen und Sägen als Bonus. Die Zuschauer rebellieren. "Dass wir diesen Rotz gucken müssen", empört sich der Unternehmensberater. Die Luft für den Autoren wird zunehmend dünner. "Du stehst tief in unserer Schuld!" Der Mann hat schon wieder recht. Aber das zweite Glas Whisky verhindert Schlimmeres.

Händeringend warten wir auf die zweite Werbepause, doch sie kommt nicht. "Vielleicht konnten die keine Werbeplätze verkaufen?" Die Kommissar-Anwärterin wagt als erste ein Schlusswort: "Mein Fazit: Oh, Gott!" Hat sie das nicht der Journalistin geklaut? "Möchte jemand noch was trinken?" fragt sie hinterher – eine gute Überleitung."Morgen gucken wir das bitte nicht." Die Journalistin wird da schon deutlicher: "Nie wieder". Das denkt auch der Autor.