VG-Wort Pixel

Finale von "Let's Dance" 2013 Ende gut, alles gut


Zum Finale von "Let's Dance" fuhr RTL alles auf: dramatische Musik, große Kulissen, glitzernde Kostüme. Dass die Sendung ein Erfolg war, lag aber an den Kandidaten – und dem sehr sympathischen Sieger.
Von Sophie Lübbert

Manuel Cortez braucht einige Sekunden, bis er begreift. Aber dann ist er nicht mehr zu halten. Er reißt die Augen auf, hüpft wild herum, brüllt laute Jubelschreie in die Luft und fängt vor Freude an zu weinen. Schließlich geht er völlig überwältigt in die Knie und schluchzt dort weiter vor sich hin. Der Grund: Manuel Cortez hat soeben die sechste Staffel der TV-Tanz-Show "Let's Dance" gewonnen – in einem fantastischen Finale. Da kann man schon mal heulen.

RTL hat sich nicht lumpen lassen und zur letzten Sendung noch einmal alles aufgeboten, was so ein Format ausmacht: dramatische Musik, große Kulissen, glitzernde Kostüme. Das ist alles nett anzuschauen, keine Frage. Aber dass das Finale so gut gelingt, liegt an etwas anderem: an den beiden verbliebenen Promi-Kandidaten und ihren Profi-Tanzpartnern. Denn diese zwei Paare im Finale – das ist das Beste, was der Show passieren konnte.

Auf der einen Seite steht Schauspieler Manuel Cortez. Der Mann strahlt pure Lebensfreude aus; er lacht viel (und das wirkt echt!) und redet schnell, und das ohne viel nachzudenken. Er brilliert besonders bei den Latein-Tänzen, bei allem, was schnell, wild und lustig ist. Auf der anderen Seite ist Soap-Star Sila Sahin. Sie wirkt eher kontrolliert, ehrgeizig ("Ich werde alles, alles geben") und ein wenig verbissen, konnte bereits vorher tanzen und ist speziell bei den klassischen Standards wie dem Walzer sehr gut. An diesem Abend heißt es also: Spaß gegen Disziplin, Neugier gegen Erfahrung. Der perfekte Gegensatz.

Sahin will es dramatisch

Beide Kandidaten müssen je drei Tänze zeigen: einen wählt die Jury aus, einen dürfen sie sich aussuchen und als letzte große Kür steht schließlich ein Freestyle an. Sahin muss eine Samba tanzen, wünscht sich danach einen Walzer. Cortez zeigt eine Rumba, dann will er einen Jive. Beide kassieren Punkte zuhauf ein, liegen vor dem Freestyle genau gleichauf. Der muss es also entscheiden. Und beide wählen dafür völlig unterschiedliche Sachen.

Sahin will es dramatisch, tanzt zu einem "Titanic"-Medley, was wunderbar aussieht (bis auf die Kleinigkeit, dass ihr Tanzpartner am Ende eher unrühmlich im Trockennebel ertrinkt). Cortez gibt den Conférencier aus "Cabaret", singt den Text beim Tanzen mit und hüpft, als mache er das Ganze aus purer Freude und nicht, weil er zufällig Teil einer TV-Show ist und einen Vertrag erfüllen muss. Hilft aber alles nichts: Auch nach den Freestyles verbuchen beide genau dieselbe Punktzahl. Es müssen also die Zuschauer entscheiden.

Damit die auch genug Zeit zum Anrufen und Geld ausgeben haben, startet das Zwischenprogramm. Doch auch da gibt's diesmal wenig zu meckern. Waren in der Staffel bisher oft peinliche Sachen zu sehen, um die Sendezeit auszuweiten (etwa ellenlange, über-emotionale Einspieler) - im Finale ist alles besser. Gut, die Moderatoren sind dieselben wie vorher: Daniel Hartwich reißt semi-lustige Witze, Sylvie van der Vaart steht rum, kichert schrill und sieht aus wie eine stark gebräunte Barbiepuppe im viel zu engen Kleid. Und auch gut: Die Jury ist zwar nett und kompetent, aber natürlich auch dieselbe wie immer. Motsi Mabuse schreit ihre Bewertungen vor Begeisterung in den Saal hinein. Joachim Llambi gibt voller Freude den strengen Scharfrichter. Und Jorge Gonzalez trägt zwar zur Feier des Finales extra ein schwarz-weißes Gebilde, das auf unglückselige Art an ein Skelett-Karnevalskostüm erinnert. Aber so richtig aufregend ist das ja auch nicht.

Zum Abschluss dürfen noch einmal alle tanzen

Zum Glück gibt's aber dieses Mal eine angenehme Abwechslung: Alle bisher ausgeschiedenen Kandidaten der Staffel sind da. Und alle dürfen noch einmal tanzen. Zusätzlich zu den Final-Darbietungen gibt's also noch mehr Tänze zu sehen – wunderbar! Außerdem lockern die Ex-Kandidaten die Show auf. Sie sind entspannt, machen Witze und winken ununterbrochen von hinten in die Kamera. Das Ganze hat was von einer lustigen Klassenfahrt.

Als schließlich nach knapp drei Stunden die Entscheidung ansteht, ist das fast schade. Und fast überflüssig. Denn als nach einer endlos erscheinenden Zeit Manuel Cortez zum Sieger ausgerufen wird (mit 50,6 Prozent der Stimmen) und er lachend, weinend und schreiend zusammenbricht, da ist das schön für ihn, aber eigentlich egal. Verdient hätten es beide. Und unabhängig davon, wer hier an diesem Abend den Pokal mit nach Hause nehmen kann - die Sendung "Let's Dance" hat mit einer so guten Final-Show auf jeden Fall gewonnen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker