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"Supertalent" Freddy Sahin-Scholl Ein Mann, zwei Stimmen, kein Fernseher


Seine Teilnahme an der RTL-Castingshow hat er nur der Hartnäckigkeit eines Bekannten zu verdanken. Jetzt ist Freddy Sahin-Scholl "Das Supertalent 2010" und um 100.000 Euro reicher. Dieter Bohlen prophezeit ihm bereits eine Weltkarriere. Dem mag Sahin-Scholl im stern.de-Gespräch nicht widersprechen.
Von Carsten Heidböhmer

Freddy Sahin-Scholl hat keinen Fernseher. Vielleicht ist das der wichtigste Grund dafür, dass er sich seit Samstagnacht "Supertalent 2010" nennen darf und um 100.000 Euro reicher ist. Denn hätte er sich eine der früheren Staffeln dieser Castingshow angeschaut, in der sich singende Hunde wie furzende Männer zum Affen machten und Frauen mit ihrem Monsterbusen Melonen zertrümmerten - womöglich hätte er sich dann nie zum Casting angemeldet.

Doch ein Bekannter war fest davon überzeugt, Sahin-Scholl müsse unbedingt bei der RTL-Talentshow mitmachen. Der habe ihn so lange genervt, bis er zum Casting nach Köln gefahren sei, sagt das frischgebackene "Supertalent" im Gespräch mit stern.de. "Manchmal hat Beharrlichkeit auch sein Gutes."

"Ich habe zunächst meine höhere Stimme negiert"

Dass in ihm ein Talent schlummere, habe er schon lange gewusst, sagt der 57-Jährige. Seine Pflegemutter habe ihm dies auf dem Sterbebett prophezeit, so die medientaugliche Legende. 1953 kam er in Heilbronn auf die Welt. Aufgewachsen ist er in einem Heim für Kinder, deren deutsche Mütter die Scham nicht ertragen, von einem GI ein Baby zu erwarten. Obwohl er zusammen mit 13 anderen Kindern aufwuchs, förderte seine Pflegemutter schon frühzeitig Freddys Musikalität. Als Knabe sang er in einem Knabenchor, dann kam der Stimmbruch. Er bekam einen kräftigen Bariton, doch sein heller Sopran blieb ihm erstaunlicherweise erhalten. Dass es sich dabei um eine besondere Gabe handelte, war ihm jedoch nicht gleich klar: "Ich habe zunächst meine höhere Stimme negiert."

Insgesamt war die Zeit im Heim für Sahin-Scholl eine harte Schule, als dunkelhäutiger Junge wurde er von den anderen Kindern gehänselt. Heute schöpft er aus dieser Zeit Kraft: "Da findet man seine eigene Stärke." Mit 16 wurde er Krankenpfleger - und blieb es für lange Zeit. "25 Jahre Krankenhaus sind eine gute Grundlage fürs Leben, weil Sie hier alles erleben: Leid und Freude", so Sahin-Scholl.

Mit 40 gab er diesen Beruf jedoch auf und widmete sich ganz der Musik. 1999 erschien sein Debütalbum "Carpe Diem" unter dem Namen Galileo. 2003 veröffentlichte Edel Records die CD noch einmal, der Sänger verkaufte nach eigenen Angaben jedoch nur einige tausend Exemplare. Mehr Aufmerksamkeit erregte er, als er im gleichen Jahr auf der "Nokia Night of the Proms" neben Toto und En Vogue auftrat und so erstmals einem breiteren Publikum bekannt wurde.

Rekordquote für die Finalsendung

Doch es sollte noch einmal sieben Jahre dauern bis zum endgültigen Durchbruch. Erst die Erfolge beim Millionenpublikum von "Das Supertalent" haben ihn ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Allein das Finale der Show sahen durchschnittlich 8,23 Millionen Zuschauer. Dieter Bohlen sagt ihm gar eine Weltkarriere voraus. Glaubt Sahin-Scholl das auch? Zumindest ist er geschmeichelt: "Ich will nicht prophetisch sein. Wenn einer wie Dieter Bohlen das sagt, wird er seine Gründe haben." An ihm soll es jedoch nicht scheitern: Im stern.de-Gespräch erklärt er schon mal seine Bereitschaft, ausgedehnten Tourneen auch ins Ausland zu unternehmen.

Ansonsten gibt sich Sahin-Scholl bescheiden. Um sein Management kümmert sich seine Frau Jasmin. Die beiden haben sich über das Kinderhilfswerk Uneson kennengelernt, das Jasmin gegründet hat. Dorthin wird ein Großteil der Siegprämie fließen. Auch sein Lebenswandel zeugt nicht von jugendlichem Sturm und Drang, sondern ist angemessen für einen 57-Jährigen, der gerade erst seinen Durchbruch geschafft hat: "Ich ernähre mich gesund, rauche und trinke nicht".

Der Boden ist also bereitet. Musikriese Sony schiebt seine CD "Carpe Diem" schnell noch einmal auf den Markt - diesmal unter seinem eigenen Namen. Doch das soll nur der Anfang sein. Der Mann mit den zwei Stimmen hat Ideen für viele weitere Alben mit eigenem Material: "Musik begleitet mich an jeden Ort. Das ist mein großes inneres Erlebnis."


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