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Germany's Next Topmodel

"Germany's next Topmodel" Falscher Busen setzt sich durch

Vorhang auf für die Klum'sche Fleischbeschau der menschlichen Zirkuspferdchen: Nach dem "Germany's next Topmodel"-Casting in Düsseldorf ging es nach München. Dort wurde immerhin schon die nächste Gina-Lisa gefunden, ein Pamela-Anderson-Verschnitt mit falschen Brüsten.
Von Julia Mäurer

"Es gibt nur zwei Arten von Menschen auf der Welt: Solche, die unterhalten und solche, die nur beobachten." Treffender als mit diesen ersten Zeilen aus Britney Spears Song "Circus", Titelmelodie der Show, lässt sich "Germany's next Topmodel" kaum beschreiben. Vorhang auf für die Zirkuspferdchen - junge Mädchen zwischen Hyperventilation und Hysterie, die wie Mastvieh begutachtet werden. Nachdem in der letzten Woche in Düsseldorf bereits 15 Kandidatinnen ausgewählt wurden, wiederholte sich das Prozedere dieses Mal in München.

1376 Mädchen drängeln sich im Foyer des Internationalen Congress Centers. Dort, wo sonst Computerspezialisten tagen oder die neuesten Energie-Trends vorgestellt werden, hält Modelmama Heidi Klum mit ihren Assistenten Peyman Amin und Rolf Schneider Einzug. Wie einst die Gladiatoren im römischen Zirkus postiert sich das Dreiergespann auf einer erhobenen Bühne; unter ihnen kreischende und klatschende Mädchen. Prinzip: möglichst bunt gemischt, die dralle Blondine nach der grazilen Brünetten, auf die schüchterne Russin folgt eine kecke Österreicherin.

Klum kommandiert und die Mädchen folgen. Die Kandidatinnen müssen Beschimpfungen ("Du hast nicht alle Latten am Zaun") ebenso über sich ergehen lassen wie bescheuerte Flirtspielchen ("Schleck' mal den Peyman ab!"). Mit Modeln hat das wenig zu tun, es dient einzig und allein dem Zweck der Unterhaltung.

Jodeln und tanzen für die Jury

Dafür wird jedes noch so platte Klischee bedient: Anna, eine Halbbrasilianerin, muss mit Rolf Schneider Samba tanzen, ein Mädchen mit vietnamesischen Wurzeln trägt auf Peymans Ansage etwas auf Vietnamesisch vor, und Lena, eine Bayerin im Dirndl, soll gleich mal jodeln. Als sie versagt, springt Heidi Klum ein. Jodeln, das kann sie auf Knopfdruck. Das hat die 35-Jährige in ihrer Wahlheimat USA mehrfach bewiesen. Dort jodelte sich die Rheinländerin durch diverse Talkshows, um ihre deutsche Herkunft zu betonen. Gott sei Dank erspart sie den Zuschauern den ewig alten Witz von Hans und Franz. So nennt Heidi Klum ihre Brüste.

Für Busen-Bekenntnisse ist in der Klum-Jury Peyman zuständig. Zielsicher entlarvt er falsche Busen wie das pralle Dekolleté von Olivia, die sich erlaubt, in der Bikinirunde im Leoparden-Einteiler anzutreten. Überhaupt hat die 20-Jährige ein sehr selbstbewusst-eigensinniges Auftreten: Olivia druckst nicht lange herum und gesteht, dass sie sich mit 18 die Brüste vergrößern lassen hat. Dabei hatte sie sich zuvor noch hinter der Bühne frech behauptet: "Wenn man eine Naturschönheit ist, dann klappt das schon."

Ihre Brüste sind ebenso falsch wie ihre Haare und ihre Modelträume. "Olivia hat kein Modelpotenzial", urteilt Heidi Klum bereits in der Vorrunde. Wie im Pornofilm würde sie posieren, urteilt der Fotograf. Doch Doppelzüngigkeit ist Teil der Show: Während Olivia in jeder Modelcastingagentur sofort rausfliegen würde, erfüllt sie hier das Kriterium Showtauglichkeit, sie könnte das Zugpferd der Show werden. Derb, laut und extrovertiert. So wie Gina-Lisa Lohfink in Staffel drei. "Porno-Blondine" musste die sich nennen lassen oder auch "Miss Einkaufszentrum". Vom Modelberuf war sie stets so weit entfernt wie Heidi Klum von einem Preis für ihre Moderation. Aber Gina-Lisa polarisierte - und sorgte so für Quote. Olivia, die bereits jetzt den Titel "brünette Pamela Anderson" weghat, ist auf dem besten Weg in Gina-Lisas Fußstapfen zu treten.

Das Klumsche Showschema

Auch sonst finden sich unter den 15 Mädchen, die als Gewinnerinnen aus dem Münchner Casting hervorgegangen sind, nicht unbedingt potenzielle Topmodels wie Toni Garrn oder Julia Stegner. Dafür aber Kandidatinnen mit Unterhaltungswert. Und genau darum geht es auch im Unternehmen Klum. Sie macht aus den Mädchen keine internationalen Topmodels - wenngleich Peyman Amin nicht müde wird, das zu betonen - sondern Showsternchen, die auf dem roten Teppich besser funktionieren als auf dem Laufsteg. Dazu gehören eine Dana aus Berlin, die aussieht wie die deutsche Version des britischen Models Agyness Deyn, dazu gehört eine schüchterne Daphne, die sich kaum traut ihren Namen laut auszusprechen, dazu gehört eine Sara, die es als einzige Dunkelhäutige in die finale Auswahl geschafft hat. Wer nicht ins Klumsche Showschema passt, fliegt raus.

So ergeht es Miriam. Mit einer Körpergröße von 1,66 wäre sie bei jedem klassischen Modelwettbewerb direkt nach Hause geschickt worden. Dass sie es in München überhaupt in die zweite Runde schafft, verdankt sie ihren mitgereisten Jokern: Carolin und Raquel, zwei Kandidatinnen aus der dritten Staffel "Germany's next Topmodel", begleiten sie. Die können jedoch auch nicht verhindern, dass Miriam bei der Bikinirunde mit Kate Moss verglichen wird. Moss misst zwar auch nur 1,68 Zentimeter. Aber gegen das Möchtegernmodel Miriam wirkt Moss riesig. Klein und langweilig - das verkauft sich eben nicht. Am Ende zeigt das Dreigestirn Klum, Schneider, Amin nach links. Das Aus für Miriam. Von Olivia werden wir in den nächsten Runden dagegen noch einiges hören.


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