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"Germany's next Topmodel": Heidi braucht mehr Drama

Nackte Haut, Zickenkrieg und unechte Busen: Zum Start von "Germany's next Topmodel" gab's eigentlich genau das, was die Show erfolgreich gemacht hat. Trotzdem war die erste Folge langweilig wie nie. Schuld daran ist vor allem Heidi Klum. Sie braucht dringend mehr Drama.

Von Jens Maier

"Peyman ist richtig fixiert auf falsche Brüste", sagt Rolf Scheider über seinen Juror-Kollegen Peyman Amin. Der Grund dafür ist Topmodel-Kandidatin Marina. Unter 1100 Kandidatinnen beim Casting in Düsseldorf hat sie es in die engere Auswahl geschafft und steht jetzt im Bikini vor der Jury. "Ist alles echt an dir? Was hast du machen lassen? Wie lange ist das her?", lauten die Busen-Inquisitionsfragen an die verunsicherte 24-Jährige. Heraus kommt dabei, dass Marinas Brüste nicht echt sind - und am Ende auch, dass dies der Jury eigentlich ganz egal ist. Warum dies hier trotzdem Erwähnung findet? Weil es das Spannendste war, was in der ersten Folge von Heidi Klums Modelsuche passiert ist.

Noch härter solle die vierte Runde der Model-Castingshow "Germany's next Topmodel" (GNT) werden, hat Jurychefin und Model Heidi Klum vorab versprochen. "Wir machen natürlich die allerhärtesten Sachen mit den Mädchen", sagte Klum. "Shootings, Catwalks, Castings und Challenges" hätten die Bewerberinnen zu absolvieren. Doch zum Start der ersten Folge am Donnerstagabend musste die größte Herausforderung zunächst der Zuschauer bestehen: zwei Stunden und 15 Minuten durchhalten ohne einzuschlafen.

Dabei hat ProSieben das bisherige Erfolgsrezept auch diesmal angerührt: Nackte Haut beim Bikini-Contest, etwas Schadenfreude, wenn ein Model auf dem Laufsteg ausrutscht, viel Fremdschämen mit peinlichen Kandidatinnen, ein handfester Zickenkrieg - der dank Tessa und Ira auch in der nächsten Folge fortgesetzt werden dürfte - und natürlich Modelmama Heid Klum sind die Zutaten, die in den bisherigen Staffeln für gute Unterhaltung gesorgt haben. Doch dieses Mal fehlt das Salz in der Suppe. Woran das liegt? An mangelnden Ideen der Macher und an der Protagonistin.

Der Zuschauer langweilt sich, weil die Show genauso abläuft wie in den vorangegangenen Staffeln. "Da musst du wohl noch ein paar Kaffee trinken", hatte Juror Amin einer Kandidatin geraten, die ohne Elan über den Laufsteg geschlendert war. Leider hätte die ganze Show einen Koffeinschub bitter nötig. Das Konzept Castingshow zeigt erste Ermüdungserscheinungen, die bei RTL und "Deutschland sucht den Superstar" von Dieter Bohlen kaschiert werden. Eine sich ständig verhaspelnde Heidi Klum schafft das bei GNT leider nicht.

Stattdessen wird gecastet, was das Zeug hält: Aus den 1100 Kandidatinnen werden nach einer chaotischen Auswahlrunde, in der Heidi aufgeregt durch die Messehalle in Düsseldorf läuft, 45. Nach einem Auftritt im Bikini werden aus 45 schließlich 25, nach einem Fotoshooting daraus wiederum 15, die es in die nächste Runde schaffen. Nächste Woche beginnt dann das gleiche Spiel beim Casting in München von vorne. Das ist ungefähr so spannend wie die Ziehung der Lottozahlen, wenn man keinen Tippschein abgegeben hat.

Nur ein lauer Abklatsch des US-Originals

Wie es besser geht, könnte sich Heidi Klum beim amerikanischen Original abschauen. In den USA ist bereits die zwölfte Staffel der TV-Suche nach dem nächsten Topmodel in Vorbereitung, was vor allem der Erfinderin und Moderatorin der Sendung zu verdanken ist: Tyra Banks. Auch sie ist ein ehemaliges Supermodel, und auch sie ist Moderatorin und Chefjurorin der Sendung. Doch im Unterschied zu Klum hat Banks Mumm, tappt gerne in Fettnäpfchen und will nicht jedermanns Liebling sein.

Die 35-Jährige packt schon mal vor laufender Kamera ihre Brüste aus, um per Ultraschall zu beweisen, dass sie echt sind - im amerikanischen Fernsehen, wo schon der kleinste Nippel zensiert wird, ein handfester Skandal. Der Presse, die sie wegen etwas zu viel Speck auf den Hüften zum "Top-Moppel" gekürt hatte, streckte sie ihren Hintern in die Kamera und rief: "Jetzt könnt ihr meinen fetten Arsch küssen!" Gerade für ihre direkte und unkomplizierte Art lieben die Zuschauer Banks. Für die Moderation ihrer eigenen Talkshow gewann die Skandalnudel sogar einen Emmy Award.

Von derartigen Ehrerbietungen für ihre Moderatorenleistung ist Klum in Deutschland meilenweit entfernt. "Du musst mehr lächeln", rät sie manchem ihrer Schützlinge auf dem Laufsteg. Zur Moderation einer Sendung reicht gutes Aussehen und Lächeln leider nicht. Jetzt rächt es sich, dass Klum ihren einstigen Mit-Juroren Bruce Darnell hat ziehen lassen. Er hätte genau das gehabt, was Heidi fehlt: echte Emotionen und vor allem mehr Drama, Baby.