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Interview Peyman Amin: "Mein Verhältnis zu Heidi ist wunderbar"

Vier Jahre suchte Peyman Amin mit Heidi Klum "Germany's next Topmodel" - dann warf sie ihn aus der Jury. Mit stern.de sprach Amin über die Zusammenarbeit mit Klum, sein Buch "Der Modelmacher" und den Magerwahn der Modebranche.

Herr Amin, Sie schreiben in Ihrem Buch über Ihre Kindheit in Teheran, Ihre Liebe zu einem Mädchen namens Yasmin und die Arbeit als Modelagent. Wie passt das zusammen?
Das passt insofern zusammen, als dass es mein Leben beschreibt. Ich berichte von persönlichen Erfahrungen, die mich geprägt und beeinflusst haben. Alles, was ich beruflich erreicht habe, wäre ohne meine privaten Erlebnisse nicht möglich gewesen.

Welche Erfahrungen meinen Sie?


Ich bin als achtjähriger Junge mit meiner Familie aus dem Iran geflüchtet. Das war keine einfache Angelegenheit. Zudem leidet mein älterer Bruder Omid am Down-Syndrom. Das war auch nicht immer leicht. Ich musste schon in jungen Jahren Verantwortung übernehmen. All diese Faktoren haben sicher dazu beigetragen, dass ich auf dem Boden geblieben bin, gerade in einer Glitzerwelt wie die der Modebranche.

Wie kamen Sie zur Mode?


In Teheran mussten damals alle Kinder Schuluniform tragen. Ich kann mich ganz genau erinnern, wie ich kurz vor meiner Einschulung mit meiner Mutter im Kaufhaus war, um die Uniform zu kaufen. Ich habe peinlich genau darauf geachtet, dass alles zusammen passt. Wir haben ewig gebraucht, bis wir das meiner Meinung nach perfekte Outfit gefunden hatten. Das war der Moment, in dem ich mein Interesse an Mode entdeckt habe.

Wie wird man Modelagent?


In der Regel als Quereinsteiger. Es gibt keine Schule oder eine Universität, die Modelagenten ausbildet. Ich habe 1994 mit einem Praktikum bei der Agentur "Frankfurt One" begonnen. Ein paar Jahre später bin ich dann nach Paris gegangen und habe dort bis 2008 für "IMG Models" gearbeitet.

Arbeiten Sie zurzeit noch als Modelagent?


Nein, jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Ich habe Ende 2008 bei IMG gekündigt und konzentriere mich derzeit auf die Zusammenarbeit mit "modelmanagement.com". Das ist keine klassische Modelagentur, sondern ein Onlineportal, auf dem sich Models, Fotografen und Kunden miteinander vernetzen können.

Warum haben Sie 2008 bei "IMG" gekündigt?
Ich musste mich entscheiden, zwischen meiner Arbeit als Modelagent in Paris und meiner Aufgabe als Jury-Mitglied bei "Germany's next Topmodel" in Deutschland. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Aktuell läuft die fünfte Staffel von "Germany's next Topmodel" - ohne Sie. Wie und wo haben Sie erfahren, dass Sie nicht mehr dabei sein werden?


Das habe ich Ende 2009 erfahren. Ich bin mir sicher, Sie kennen die Details. Ich habe "dwdl" ein Exklusivinterview gegeben, da können Sie das alles nachlesen.

Es schadet ja nicht, es an dieser Stelle noch mal zu wiederholen...


Ich habe keine Lust, alles noch mal zu wiederholen. Ich möchte nicht ewig über die Vergangenheit sprechen, mir ist die Zukunft wichtiger. Fakt ist, Heidi wollte eine neue Jury haben, jetzt hat sie ihre neue Jury. Alles wunderbar.

Schauen Sie sich die Sendung trotzdem an?


Ja, ich habe reingeschaut. Ich bin natürlich interessiert, wie es weitergeht. Im Gegensatz zu früher kann ich mich jetzt einfach zurücklehnen und die Sendung als neutraler Zuschauer verfolgen.

Sie saßen vier Jahre in der Jury. Wie war die Zusammenarbeit mit Heidi Klum?


Es war eine tolle Zeit. Ich denke sehr gern daran zurück. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, wird mir niemals jemand nehmen können.

"Das Supermodel ist mittlerweile immer weniger Model und immer mehr Moderatorin und Werbefee und legt (...) Wert darauf, dass es auch immer genug Gummibärchen zwischen den Zehen hat und Leute findet, die dafür einen Haufen Geld bezahlen. (...) Erst ist das Supermodel (...) schwanger. Dann brauchen die vielen Kinder vom Supermodel eine schöne Halloweenparty. Das Model hat (...) eine Familie zu ernähren. (...) einen Mann, der zwar tolle Musik macht, aber praktisch von der Hand in den Mund lebt, weil alle Leute seine Musik (...) aus dem Internet klauen. Und dann kriegt das Model (...) eine Heidenangst, dass es eines Tages nicht mehr für Brot und Butter reicht." Das ist eine Passage aus Ihrem Buch und eine deutliche Abrechnung mit Heidi Klum.
Dies ist gewiss keine Abrechnung und soll auch nicht als solche verstanden werden. Ich denke, dass das auch deutlich wird, wenn man das gesamte Kapitel liest und die einzelnen Kommentare nicht aus dem Zusammenhang gerissen betrachtet werden.

Sie schreiben, dass Heidi Klum einen "harten Hund" für die Jury von "Germany's next Topmodel" suchte. Ihre Rolle war also von vornherein festgelegt.


Ich will mich da nicht in eine Schublade stecken lassen. Mit dem Begriff "harter Hund" meine ich jemanden, der Ahnung von seinem Fach hat und knallhart seine Meinung sagt. Es ist ja klar, dass mich nicht alle toll finden, wenn ich Kritik übe. Dann kommt man schnell als Buhmann rüber.

Wie ist das mit den Mädchen? Bekommen die auch gesagt, du bist die Zicke, du die Heulsuse, du die Perfektionistin?


Auf keinen Fall. In der Sendung wird ja keine Schauspielerin, sondern ein Model gesucht. Wir haben niemals jemanden dazu animiert, besonders zickig oder sensibel zu sein. Alles, was man gesehen hat, waren echte Reaktionen der Mädchen.

Sie selbst waren zuletzt in der ProSieben-Show "Die Model-WG" zu sehen. Im Durchschnitt verfolgten 1,72 Millionen Menschen die Sendung. Heidi Klum erreichte mit ihrer Sendung mehr als doppelt so viele Menschen.
Die beiden Formate können Sie überhaupt nicht miteinander vergleichen. Meine Sendung ging nur eine Stunde, Heidis Sendung läuft zweieinhalb Stunden. Die "Model-WG" wurde mit geringen Produktionskosten gedreht, "Germany's next Topmodel" hat mehr Budget zur Verfügung. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass sich beide Formate um die Modelbranche drehen.

Wird es eine zweite Staffel geben?


Das weiß ich noch nicht. Ich bin ins Fernsehgeschäft gerutscht und bin gespannt, was mich dort zukünftig noch erwartet.

Welcher Modeltyp ist aktuell gefragt?


Schauen Sie sich die Präsentationen auf den großen Laufstegen an. Da lässt sich kein bestimmter Modeltyp oder Trend ausmachen. Fakt ist jedoch, dass gerade in Krisenzeiten mehr auf bekannte Gesichter gesetzt wird, um keine Risiken einzugehen. Das macht den Einstieg für junge Nachwuchsmodels extrem schwer.

Einen Trend gibt es aber: Die Models sind allesamt mager. Sie schreiben in Ihrem Buch, dass die Modelscouts dafür verantwortlich sind, weil sie den Agenturen nur dünne Mädchen präsentieren. Umgekehrt könnte man aber auch sagen: Sie tun das, weil es die Designer von ihnen verlangen.


Das ist richtig. Viele Designer sind sich ihrer Verantwortung bewusst, ignorieren sie aber. Männer wie Karl Lagerfeld oder John Galliano lassen sich für ihre Mode feiern, stehen aber nicht zu ihrer Verantwortung, normalgewichtige Frauen zu zeigen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Interview: Julia Mäurer