HOME

Stern Logo Germany's Next Topmodel

"Germany's Next Topmodel": Zicken und Ratten im Klumiversum

Heidi Klum hat durchgegriffen. Zwei Mädchen hat sie nach Hause geschickt - raus in die Freiheit. Frei von Zickereien und der "menschenunwürdigen Behandlung".

Von Elena Pelzer

Staffel sechs, Folge drei. Es könnte eine Folge sein, wie bei jeder anderen Staffel zuvor. Heidi Klum lud ihre Kandidatinnen zum Shooting mit Starfotograf Rankin in den Londoner Untergrund ein. Aufnahmen mit Ratten, als Zombies und als panische Top-Models standen auf dem Programm. Kurzum: "Horror"-Shootings wie bei den vorangegangenen Folgen ebenfalls. 23 Mädchen folgten brav Heidis Ruf in die Katakomben der britischen Hauptstadt.

Eine als "Horror-Cam"-bezeichnete Kameraeinstellung mit Blutspritzern am oberen Rand sollte für noch mehr Drama sorgen, als Paulina ihre Phobie vor Ratten nur schwer in den Griff bekam und Concetta auf jedem Bild gleich aussah, wie Heidi Klum befand. Die Strafe folgte sofort: Concetta wurde von der Jury einstimmig nach Hause geschickt. Ein neuer Kniff, um mehr Spannung in die lahme Casting-Show zu bekommen. Beim Fußball wird so etwas "Sudden Death" (Plötzlicher Tod) genannt: Die Mädchen können auch zwischendurch jederzeit nach Hause geschickt werden. Natürlich tut es Heidi aber immer sehr "leid", dass sie kein Foto hat.

Concetta aus dem "Klumiversum" befreit

Concetta war eine der Favoritinnen auf den Titel "Germany's Next Topmodel". Dass sie jetzt so früh gehen musste, dürfte viele Zuschauer überrascht haben. Doch geht es nach Jette Joop und Alice Schwarzer, darf Concetta Heidi Klum dankbar für den Rauswurf sein: Germany's Next Topmodel sei würdelos, wetterte die Modedesignerin jüngst in "Bild der Frau" gegen das quotenträchtige Konzept auf ProSieben. Und Alice Schwarzer kritisierte bereits 2009: "Mit welcher Kälte und Arroganz sie diese naiven, jungen Mädchen vorführt, ist widerlich." Und: "Wir haben Heidi deshalb in der nächsten Emma zum Pascha des Monats gemacht!" Diese "Auszeichnung" vergibt die Zeitschrift sonst nur an frauenfeindliche Männer.

Heidi Klum konterte in der Sendung: "Die Mädchen müssen nicht nur lachen können und süß sein, sondern auch tough!" Denn wer "tough" ist, schürt Konflikte und folglich auch Quoten. Die erste Folge legte mit 2,89 Millionen Zuschauern, was einem Marktanteil von 9,3 Prozent entspricht, jedoch einen eher mäßigen Start hin. Im Internet hingegen sind die Zuschauerzahlen mit 1.027.000 Views in die Höhe geschossen. Demnach gibt es für ProSieben keinen Grund an der Ausstrahlung von Germany's Next Topmodel kurzfristig etwas zu ändern.

Die Rollen der Mädchen stehen bereits fest

Die Rollen der Kandidatinnen stehen seit der ersten Folge fest: Rebecca der Sonnenschein, Marie-Luise die Ungelenke, das Küken Amelie, Thanee die Harte. Joanas erster Rolleneindruck als Zicke wurde vollständig auf Sarah übertragen. In der letzten Show bewies sie Standhaftigkeit und weigerte sich aus Glaubensüberzeugung, in einem knapp geschnittenen Kleid den Lifewalk in der Kirche abzuleisten: "Man geht doch auch nicht mit Hotpants in die Kirche", verteidigte sich die 19-Jährige. Die Model-Mama zeigte sich ungewohnt gutmütig und erlaubte Sarah den Walk in ihrer Alltagskleidung. Dabei ist ein "Nein" im "Klumiversum" sonst nur Heidi Klum, dem wahren Star der Show, gestattet. Dies bekam auch schon Joana zu spüren, die in der ersten Folge vorzeitig den Laufbandmarathon auf High Heels abbrach, um sich nicht ihre Füße zu ruinieren.

In der dritten Folge fiel Sarah erneut auf: Erst sollte sie Anna-Lenas Idee, den Royal Guard mit Lippenstift zu bemalen, abgekupfert haben, beim finalen Run vor Heidi stöhnte sie über ihre zu großen Schuhe, die sie "umbringen". Unverständnis auf Seiten der Jury und ihrer Mitstreiterinnen schlug ihr entgegen, schön in Szene gesetzt durch zahlreiche Rückblenden, entrüstete Wortbeiträge und entsprechender Musik. Doch Sarah fand erneut Gnade vor der Jury. Am Ende musste schließlich ihre Konkurrentin Ivon die Model-Villa verlassen.

Wie ein Zicken-Image bei "Germany's Next Topmodel" auch instruiert werden kann, berichtete Fiona Erdmann, die Viertplatzierte der zweiten Staffel, im Buch "Die Casting-Gesellschaft": "Mich haben die anderen Kandidatinnen immer wieder darauf angesprochen, dass sie in den Interviews immer nur nach mir gefragt wurden, dass sie teilweise regelrecht dazu gedrängt wurden, etwas Schlechtes über mich zu sagen."

Blasen platzen, Blut tropft, die Konkurrentinnen rammen sich die Ellbogen in die Rippen und Sarah polarisiert - Heidi Klum könnte kaum glücklicher über den Beginn dieser Staffel sein.