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TV-Kritik

"Germany's Next Topmodel": Pörsännälläti, Baby! Naomi Campbell mischt die Modelvilla auf

OpinaryPersonality-Woche in Los Angeles. Die GNTM-Kandidatinnen suchten hektisch nach ihrem Alleinstellungsmerkmal. Ein Supermodel zeigte ihnen, wie man effektvoll auftritt und in Erinnerung bleibt.

Von Mark Stöhr

GNTM-Reaktionen: Twitter spottet über Campbell: "Tragen die Models Namen, damit Naomi sie sich nicht merken muss?"

Personenkontrolle, verdammt. Alle: Panik. "Wir wollen in dieser Woche herausfinden", verfügt die Klum, "wer ihr seid." Eine hektische Suche beginnt. Alle gucken in sich rein und wühlen wild im Beauty-Case ihres Lebens. Finden: nichts. In ihrer Not fischen sie sich ein paar Attribute in den sozialen Netzwerken zusammen. Best-of Instagram-Quatsch. Das klingt dann so: "Hey, ich bin Simi Shine. Ich bin simple, aber special und sehr spontan." Einer anderen wird souffliert: "Ich bin stark, ich bin funky, ich bin edgy."

Ächz. Die "Personality-Woche" bei GNTM ist noch schmerzhafter als der Contemporary bei "Let's Dance". Ein konfuses Ich-Gehampel ohne Ekaterina Leonova. Aber die gute Nachricht ist: So eine Persönlichkeit kann man trainieren wie die Bauchmuskeln oder den Po. Am besten zur Rush Hour auf dem Rodeo Drive in Beverly Hills – im Schlüpfer und mit ein bisschen Körperfarbe.

Heidi Klum: "Ich will ja kein pressure machen" 

Passanten in Hollywood sind glücklicherweise abgehärtet, was abwegige Auftritte im öffentlichen Raum angeht. Und so verfolgten sie gleichmütig, wie eine Handvoll kaum bekleideter junger Frauen in High Heels über die Straße stolperte und immer mal zu einem Karate-Sprung ansetzte – während die Klum von außen fortwährend Kommentare reinbellte. So was wie: "Dein Gesicht sieht scared aus." Oder: "Ich will ja kein pressure machen. Aber du weißt, es geht um alles." Zu allem Überfluss waren zwei Kandidatinnen noch zum "Shoot-out" nominiert. Das bedeutete: Die Schwächere wurde direkt in den Flieger nach Hause gesetzt. Es erwischte Sarah. Sie weinte, als ginge es nach Kabul. Caroline, die Siegerin, weinte, als ginge es für sie weiter. Später musste auch sie ihre Koffer packen. Wie umständlich kann man Leute rausschmeißen?

Klassenbeste ist weiterhin Simone aka "Simi Shine". Sie ergatterte ihren fünften Job – als Markenbotschafterin für ein offenbar sehr angesagtes Kosmetik-Label. Der Rest der Truppe kochte vor Wut. Cäcilia – "Sephora ist mein Leben, wirklich!" – war kurz davor, ihren Körper aus Protest komplett mit Abdeckcreme zu versiegeln. Vanessa wand patzig ein, dass Simone sich ja privat gar nicht schminken würde – wie könnte so eine Markenbotschafterin für Make-up sein? Die beiden Marketing-Tanten der Firma focht das nicht an. Sie waren damit beschäftigt, in ihre Sätze seltene Anglizismen einzubauen ("Ihr könnt Backstage noch einen Touch-up machen").

Grand Dame des Gesellschaftsskandals bei GNTM

Aber es gab auch Höhepunkte in Folge 14. Um genau zu sein, einen. Naomi Campbell stieg in die kleine, leere "GNTM"-Welt hinab, die Gigantin des Catwalks, die Grand Dame des Gesellschaftsskandals. Niemand warf seiner Assistentin so oft das Handy gegen den Kopf, niemand leistete daraufhin so souverän seine Sozialstunden ab. 2007 putzte sie eine Woche lang bei der Stadtreinigung in New York das Klo und setzte sich am letzten Tag mit einem bodenlangen Abendkleid in ihren Rolls Royce. 

In der Show beließ es Campbell dabei, göttlich zu sein, und gab ein paar höfliche Plattitüden zum Besten. "Behaltet die Kontrolle über euren Körper und eure Haltung", empfahl sie den Nachwuchs-Models, die beim Abschlusswalk teilweise in grausamen, selbst zusammengestellten Outfits und wie stoned über den Laufsteg wackelten. Und: "In der Modeindustrie braucht man eine Persönlichkeit, das macht dich interessanter." Pörsännälläti, Baby! Das hat sogar bei Heidi Klum geklappt.