HOME

Stern Logo Germany's Next Topmodel

TV-Kritik

"Germany's Next Topmodel": Wenn Ulk-Onkel Thommy mitmischt und Heidis Brüste tanzen

Weil Schönsein alleine nicht reicht, denn schön sind sie ja alle, mussten die Models in der aktuellen Folge ihre Showtalente zeigen. Eher peinlich als unterhaltsam. Am Schluss waren es nur noch elf.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Eine Frisur ist mehr als eine Frisur. Eine Frisur ist dazu da, dass du zu dem Menschen wirst, dem die Frisur dir vorgibt, zu sein. Die dunkelhaarige Justine bekam beim Umstyling vor wenigen Wochen einen wasserstoffblonden Pixie Cut verpasst und hatte seither den Auftrag: deine Personality muss mit deinem Raspelkurzhaarschnitt korrespondieren. Bedeutet: sei tough, sei edgy und all das, was in einer Model-Diktatur an der Tagesordnung steht. Nun aber wird sich Justine wieder als Auszubildende hinter den Bankschalter stellen müssen, denn Heidi Klum hat genug von deren Dauer-Hemmungen und gibt ihr keine weitere Chance mehr. "Ich mag Mädchen, die keine Angst haben", betonte die Model-Entertainerin, die sich in Folge neun als Gast-Juror Thomas Gottschalk an ihre Seite geholt hatte, der wiederum über Justine urteile, sie hätte eine "rührende Ängstlichkeit". Sein finaler Rat an Justine: "Sie soll sich warm anziehen und was anderes machen."

Heidi hingegen zieht sich nicht so gerne besonders warm an. Und während andere Frauen einfach einen Ausschnitt tragen, um, nun, vielleicht verführerisch sein zu wollen, zeigte Heidi, dass sie die Brüste, die zu ihrem Ausschnitt gehören, tanzen lassen kann. Ja, richtig gelesen. Wer nun Schwierigkeiten hat, sich das vorzustellen, sollte lieber darüber nachdenken, ob die Tränen, und es waren auch dieses Mal viele, von Topmodel-Kandidatin Simi echt sind. "Die lügt ja sowieso", ätzte Cäcilia und das scheinen sich auch die anderen zu denken. Auch Heidi hatte dazu eine Meinung. Nach dem Motto: Wenn die das alles schauspielert, dann hat sie echt was drauf. Allein: genau danach sucht Heidi doch. Nach Talenten, die mehr sein sollen als nur schön. Schön sein – kann jeder. Deshalb lief Folge neun unter dem Motto "We love to entertain you" und deshalb gesellte sich der im Fach Unterhaltung kundige Talkmaster-Senior Thommy Gottschalk zu den GNTM-Kandidatinnen. Während die Mädchen in Wolfgang Joop längst ihren knuddeligen Großvater gefunden hatten, inszenierte sich Thommy klassisch, als Ulk-Onkel, der milde auf das ganze Treiben blickt.

Models machen einen auf Superstars

Zunächst schien es als hätte er, wie Karl Lagerfeld es ausgedrückt hätte, die Kontrolle über sein Leben verloren, denn er schlug im schlabbrigen Shirt und Jogginghose in der Model-Villa auf. Im Wohnzimmer dann ein erstes Casting, bei dem die Models zeigen sollten, was sonst noch so an Talenten da ist – um diese dann später live vor Publikum zu präsentieren. Eine Show übrigens, die man, weil eher peinlich, nicht unbedingt gesehen haben muss. Simi machte auf Shakira, Lena auf Britney Spears. Und Theresia wurde aufgefordert, Heidi zu imitieren, worüber sich wiederum die Imitierte am allermeisten freute. Und an dieser Stelle an alle, die gegen die Klum wettern, eines muss man ihr einfach lassen, sie hat die Begabung, über sich selbst lachen zu können, was wiederum bedeutet, denn das ist die Voraussetzung dazu, dass sie sich selbst nicht so wichtig nimmt. In einer Welt der Hyper-Narzissten wohl eines der schönsten Talente.

In einem Einspieler wurde außerdem gezeigt, dass Heidi am Anfang ihrer Karriere auch nicht gerade die gewesen ist, die, siehe Justine, so "mega" aus sich herausgehen konnte. "Ich habe den Mund nicht aufgekriegt", kommentierte sie ihren Aufritt in einer Fernsehsendung von Gottschalk aus dem Jahr 1992. Es war damals der Startschuss für ihre Karriere, denn sie hatte sich gegen rund 25 000 Kandidatinnen bei einem Modelwettbewerb durchgesetzt. Tempi passati. Nochmal: für Schüchternheit gab es partout kein Verständnis. Und wer Angst hatte vor Schlangen, denn das Shooting der Woche fand mit Schlangen statt, dem wurden zur Strafe einfach alle Schlangen umgehangen, die vorhanden waren.

Heidi Klum ist auf allen vieren auf einer Yoga-Matte und streckt das linke Bein hoch, während sie auf dem Laptop vor sich tippt.

"Jetzt bin ich ganz unten angekommen"

 Simi klagte über ihren Horror vor den Kriechviechern: "Ich mag die Zungen nicht und die Augen nicht und nicht, wie sie sich bewegen." Ihre erneute Heulsusen-Show begähnten die anderen höchstens. Vanessa hingegen schmiss sich regelrecht an die Schlangen heran und bewunderte sich später mal wieder selbst: "Auch eine Vanessa kann an irgendwas scheitern, ich weiß aber noch nicht, an was." Na, bitte, das ist ein echtes Heidi-Mädchen. Andererseits, und jetzt wird es ein bisschen kompliziert, ließ Heidi bereits in der vergangenen Folge durchblicken, dass sie es nicht mag, wenn man es mit dem Selbstbewusstsein übertreibt.

Bei Dauersorgenkind Lena drückte Heidi erneut alle Augen zu. Einst hoch gehandelt, schwächelt die nämlich seit ihrem Umstyling enorm. "Jetzt bin ich ganz unten angekommen", schluchzte sie schließlich nach dem Schlangen-Shooting. "Ich will die alte Lena sehen", befeuerte sie die Model-Dompteuse. Und Lena versprach mal wieder, ganz die Alte zu werden. Gottschalk mischte sich ein: "Schade nur, dass du den alten Thommy nicht mehr sehen wirst." Nun, schade ist das sicher nicht, aber andererseits, so richtig gestört hat er in der Sendung nicht mal. Auch wenn er nicht mehr viel Ahnung hat von einer Generation, die nur wenig Led Zepplin hören dürfte. Als Kandidatin Julia überlegte, bei der Show zu zeigen, wie man sich schminkt, wandte Thommy ein: "Es gibt nichts Langweiligeres, als jemandem beim Schminken zuzuschauen." Ein Tipp an den Onkel: einfach mal bei Youtube reingucken.

Theresia von GNTM