HOME

RTL2-Dokureihe: "Hartz und herzlich": Der umstrittene Erfolg des Ghetto-TVs

Arm, aber sexy Quoten: Mit Dokumentationen über das Leben von Hartz-IV-Empfängern feiert RTL2 Prime-Time-Erfolge beim TV-Publikum - erntet aber auch Kritik. Nun starten die nächsten Folgen: über den Blockmacherring in Rostock.

Blockmacherring von Rostock

Der Blockmacherring von Rostock - hier spielen die neuen Episoden des RTL-2-Formats "Hartz und herzlich"

Als "Unterschichtenfernsehen" oder "Hartz-IV-TV" bezeichnen manche Leute das, was tagsüber so alles auf den Privatsendern läuft. Denn zum einen haben Menschen mit regulären Jobs kaum Zeit, sich wochentags zwischen 11 und 18 Uhr vor die Glotze zu hocken. Zum anderen kommen auch die Protagonisten der zahlreichen Doku-Soaps selbst eher vom unteren Rand der Gesellschaft.

Bei RTL2 hat es das Armutsfernsehen in einer Premium-Variante sogar in die Prime Time geschafft. "Hartz und herzlich" heißt die Dokureihe über das Leben von Hartz-IV-Empfängern, die beim Publikum so beliebt ist, dass der Sender ihr den Dienstags-Sendeplatz um 20:15 Uhr einräumt. 10 Prozent Marktanteil und mehr erreicht RTL2 mit dem Format in der werberelevanten Zielgruppe. Das reichte im April sogar für den Tagessieg bei den Prime-Time-Quoten.

Bei Hartz-IV-Empfängern im Wohnzimmer

Der Erfolg der Sendung liegt auch darin begründet, dass es sich bei "Hartz und herzlich" eben nicht um dumpfes Asi-TV mit inszenierter Handlung handelt, sondern um echte Sozialreportagen, produziert von der renommierten Ufa.

Über mehrere Monate begleiten Kamerateams einzelne Protagonisten aus sozialen Brennpunkten, besuchen sie in ihren Hochhaussiedlungen und zeigen ihren - meist traurigen - Alltag. Den Anfang machte 2016 "Die Eisenbahnsiedlung von Duisburg", von der die ersten Episoden handelten. Im vergangenen Jahr folgten "Die Benz-Baracken von Mannheim", mit deren Bewohnern es in diesem Frühjahr nochmal ein Wiedersehen gab, sowie "Die Plattenbauten von Bitterfeld-Wolfen".

Ab Dienstag, den 29. Mai, gibt es nun einen dreiteiligen Einblick in den "Blockmacherring von Rostock", eine berüchtigte Hochhaussiedlung im Rostocker Stadtteil "Groß Klein". Erzählt wird unter anderem die Geschichte einer fünffachen Mutter, der das Jugendamt die Kinder weggenommen hat, eines erwerbsunfähigen Alkoholikers und eines Messie-Pärchens, deren Wohnung vor lauter Müll kaum noch bewohnbar ist. Als "authentisch, auf Augenhöhe und hautnah" charakterisiert RTL2 seine Sozialreportage. Die Dokumentation zeige beklemmende Momente, aber auch immer wieder Herzlichkeit und den großen Zusammenhalt der Bewohner.

Kritik am "Zerrbild der Realität"

Allerdings gab es in der Vergangenheit auch immer wieder Kritik an der Sendereihe. So warfen Bewohner der Duisburger Eisenbahnsiedlung dem Sender nach der Ausstrahlung in einem offenen Brief vor, ein "Zerrbild der Realität" gezeichnet zu haben. In der Siedlung gebe es nicht nur Hartz-IV-Empfänger, sondern auch ganz normale Berufstätige und Ruheständler. Die Eisenbahnsiedlung sei zu unrecht "als Schmelztiegel von Verbrechern, Süchtigen und sonstigen asozialen Elementen" dargestellt worden.

Auch in Bitterfeld-Wolfen äußerten einige Bewohner hinterher ihren Ärger über stereotype Darstellungen von Armut. Und eine Protagonistin der Wolfen-Sendung bekam hinterher sogar mit ihrem Chef Ärger, weil sie in der Sendung erzählt hatte, das Amt übernehme die Kosten für die Kita. Ihr Arbeitgeber forderte darauf, den von der Firma gezahlten Kita-Zuschuss zurück.

"Hartz und herzlich - Der Blockmacherring von Rostock" läuft am Dienstag um 20:15 Uhr auf RTL2

Themen in diesem Artikel