HOME

Hillary Clinton bei "Günther Jauch": Plaudern über den gerechten Tod

Hillary Clinton war da: Bei Günther Jauch darf sie Edward Snowden verurteilen und sich zu CIA-Abhöraktionen ganz ahnungslos geben. Die Frage nach der Lewinsky-Affäre ließ Clinton an sich abprallen.

Von Jan Zier

Die ehemalige Außenministerin der USA, Hillary Rodham Clinton, zu Gast bei Günther Jauch

Die ehemalige Außenministerin der USA, Hillary Rodham Clinton, zu Gast bei Günther Jauch

Sie haben also Hillary Rodham Clinton als Gast gewonnen - durchaus ein Coup! Eine wohltuende Abwechslung zu all den Politikern, Lobbyisten und Welterklärern, die sonst so in Talkshows wie der von Günther Jauch aus- und eingehen. Leider ist es am Ende dann doch nur wieder eines dieser lauen Sommerinterviews geworden, wie sie dieser Tage üblich werden. Obwohl, oder gerade weil die frühere First Lady, ehemalige US-Außenministerin und einstige Präsidentschaftsanwärterin nicht alleine da ist, sondern Ursula von der Leyen und Margot Käßmann neben ihr sitzen, die Bundesverteidigungsministerin und die frühere Vorsitzende der Evangelischen Kirche.

Und das mit Margot Käßmann, das musste wirklich nicht sein. Die hatte in den letzten Jahren ja nun kaum jemand im Fernsehen vermisst. Jauch indes verkauft Käßmann in seiner Anmoderation als "ebenso einflussreich" wie die beiden anderen Damen. Und als "ebenso meinungsstark".

So ein bisschen kontrovers wurde es dann aber nur einmal. Das war, als Jauch die quasi unvermeidliche Frage nach Monica Lewinsky stellte - und die beiden anderen Frauen ihm in die Parade fuhren. Diese Frau, diese Affäre, da waren sie sich einig: die müsse man nun wirklich nicht mehr erwähnen. An Clinton prallt die Frage eh ab. Das sei für sie "kein Thema", und im übrigen habe sie "vergeben". Ende der Debatte. "Da sollen sich andere einen Kopf drum machen".

Jauch bemüht sich um Zurückhaltung

Ansonsten werden natürlich alle Themen, die man in so einem Interview erwartet, auch brav abgearbeitet. Aber einer wirklichen Kontroverse muss sie sich nicht stellen, denn Jauch ist stets bemüht, höflich und zurückhaltend zu sein. Und so kann Clinton stets ebenso diplomatisch wie staatstragend antworten, ohne dass man dabei etwas neues erführe oder ihr gar näher käme.

Dabei entbehren ihre Antworten durchaus nicht einer gewissen Absurdität. Zu Whistleblower Edward Snowden sagt sie: Er habe „das Recht“, in den USA "zur Rechenschaft gezogen zu werden". Wann wird die Todesstrafe schon mal derart großherzig angedroht? Wobei Clinton auf genau diesen heiklen Punkt natürlich nicht eingeht, eingehen muss. Lieber sagt sie nochmal, dass Snowden "wichtige Informationen" an "Gegner und Terroristen" geliefert habe.

Debatte erschöpft sich in Banalitäten

Und wie mit diesen rechtsstaatlich korrekt umzugehen ist, dazu hat Frau Clinton eine klare Meinung. Auf die Ermordung, pardon: Tötung von Osama Bin Laden angesprochen, sagt sie: Es sei "die richtige Entscheidung" gewesen, ihn auf diese Weise "der Gerechtigkeit zuzuführen" und "zur Verantwortung zu ziehen". Die USA hätten, so Clinton, die damals als Außenministerin unter Barack Obama aktiv beteiligt war, "keine Wahl" gehabt. Käßmann bleibt es vorbehalten zu sagen, dass es nicht in Ordnung war, Bin Laden einfach "abzuknallen" und "seine Leiche ins Meer zu schmeißen". Von der Leyen will dazu lieber nicht sagen. Außer, auf Nachfrage, dass sie sich "auf keinen Fall" vorstellen könne, bei so einer "gezielten Tötung" quasi auch noch live zuzusehen, so wie es Clinton und Obama seinerzeit taten.

Der Rest der Debatte erschöpft sich weitgehend in Banalitäten. Hier ein paar Floskeln zu Frauen in Führungspositionen, da eine erwartbar halbgare Aussage zu der Frage, ob sie nochmal als Präsidentschaftskandidatin antreten will. Und von der Ausforschung des Handys von Kanzlerin Angela Merkel durch den US-Geheimdienst will Clinton nichts gewusst haben. Aber: "Es hätte nicht passieren dürfen", sagt sie. Davon, dass ein BND-Mitarbeiter offenbar jahrelang von amerikanischer Seite abgeschöpft wurde, wusste sie angeblich auch nicht. "Ich kenne die Tatsachen nicht", sagt Clinton, und dass das eines der Themen sei, über die man nun reden müsse. Und als von der Leyen sagt: "Freunde spioniert man nicht aus", da schweigt Clinton beredt. Und Jauch lässt sie damit gewähren – schade.