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Internetkanal Netflix: 800 Millionen Dollar Gewinn - dank Kevin Spacey

Der Internetkanal Netflix bescherte dem Investor Carl Icahn einen Gewinn von 800 Millionen Dollar. Der bedankte sich bei Kevin Spacey. Der Schauspieler ist Pate der einzigartigen Erfolgsgeschichte.

Von Carsten Heidböhmer

Carl Icahn gehört zu den faszinierendsten Milliardären der USA. Er studierte zunächst Philisophie, anschließend Medizin, ging dann für zwei Jahre zur Armee - und ging 1961 an die Wall Street, wo er sich im Laufe der Jahre ein Milliarden-schweres Imperium aufbaute. Inzwischen ist er 77 - und noch erkennt er Trends deutlich früher als die meisten seiner Zeitgenossen. Sein Motto hat er auf Twitter verraten: "Manche Leute werden reich, indem sie künstliche Intelligenz studieren. Ich dagegen mache Geld, indem ich natürliche Dummheit studiere."

Ob ihn wirklich die Dummheit darauf gebracht hat, sein Geld in den Online-Streamingdienst Netflix zu investieren? Was es auch war - es war für Icahn ein einträgliches Geschäft. Wie der Investor am Dienstag bekanntgab, verkaufte er ein großes Aktienpaket der Firma - und machte damit einen Reingewinn von 800 Millionen Dollar. Das ist selbst für einen vielfachen Milliardär ein nicht alltägliches Geschäft. Und Icahn wusste sofort, bei wem er sich bedanken muss.

Dass Icahn ausdrücklich Kevin Spacey erwähnt, mag auf den ersten Blick überraschen, ergibt aber Sinn. Denn Spacey spielt die Hauptrolle in der Serie "House of Cards", die Netflix erst bei einem breiten Publikum bekannt machte.

Die Geschichte eines US-Kongressabgeordneten, der bei seinem Machtstreben über Leichen geht, könnte die Fernsehbranche revolutionieren. Denn sie befreit den Zuschauer komplett von Sendezeiten. Die Philosophie von Netflix: Gib den Leuten, was sie wollen, wann immer sie es wollen - und so viel sie wollen.

Die Fernseh-Revolution

Bevor die Macher die Serie entwickelten, werteten sie die ihnen zur Verfügung stehenden Nutzerdaten aus. Wer guckt was von wem wann am liebsten? Offenbar mögen Netflix-Kunden besonders gerne Politthriller sowie Filme von David Fincher und mit Kevin Spacey. So kam die Besetzung zustande, und als Stoff entschied man sich für ein Remake der BBC-Serie "House of Cards". Für die Ausstrahlungsart kam nur eine Variante infrage: alle Folgen auf einmal. Denn auch das konnten die Netflix-Entscheider aus dem Nutzungsverhalten ihrer Kunden ablesen: Serien werden oft am Stück geschaut. So entstand die erste große Webserie - und sie war erfolgreich. Bei Publikum und Kritikern gleichermaßen.

Mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz

Die Strategie ging auf - künstlerisch, aber auch wirtschaftlich. Der Online-Videodienst hat weltweit bereits 40 Millionen Abonnenten - damit hat Netflix den Pay-TV-Sender HBO überholt. Innerhalb eines Jahres konnte die Zahl der Kunden damit um ein Drittel gesteigert werden. Der Umsatz beträgt 1,1 Milliarden Dollar, und mit 32 Millionen Dollar wirft das Unternehmen bereits einen bescheidenen Gewinn ab. Und die Erfolgsgeschichte soll noch lange nicht zu Ende sein: Netflix rechnet für das vierte Quartal mit 3,32 Millionen neuen Abonnenten.

Nach "House of Cards" hat Netflix einen weiteren Erfolg gelandet, die eigenproduzierte Serie "Orange is the New Black", die seit Juli im Netz steht. Darin geht es um eine Managerin, die wegen Drogenschmuggels ins Gefängnis kommt. Weitere Eigenproduktionen sind geplant. Die Revolution - sie fängt gerade erst an.