Interview Mario Barth "Ich will einfach nur Bananen"


Dass Frauen für ihn ein Rätsel sind, daraus macht er keinen Hehl. Trotzdem versucht Mario Barth seinen Geschlechtsgenossen weibliches Denken zu erklären und wurde so zum Popstar. Dieses Jahr ist er nominiert für den Deutschen Comedy Preis. Im stern.de-Interview spricht er über Familiensinn, Gänsebraten an Weihnachten und seine Filmpläne.

Herr Barth, die letzte DVD hat ja Comedy-Rekorde gebrochen. Sind Sie jetzt ein Popstar?

Jute Frage. Neulich bin icke in den Urlaub geflogen und habe mir normale Holzklasse gebucht. Will ja nur fliegen. Und dann wurde ich ge'upgraded', wie man so schon sagt. First Class, weil ich angeblich ein Super-VIP bin, das stand auf meinem Ticket. Man hat mich behandelt, als ob ich ein Megastar wäre. Für einen selbst ist das schwer zu sagen, bin ick jetzt Popstar? Nö, ick bin Mario Barth, wohnhaft in Berlin. Freundin, fünf Brüder, ne Mutter. Leider keinen Hund. Ich wohne zur Miete, habe ein normales Auto, alles ist toll, na ja Popstar (winkt ab)

Aber es gibt eben Millionen Menschen, die Ihnen zugucken...

... tolles Gefühl. Wäre Quatsch, wenn ich sagen würde, das interessiert mich nicht. Ich finde das geil, ich kann eben zweieinhalb Stunden auf der Bühne stehen, weil ich extrovertiert bin. Ich mag es, riesige Hallen zu füllen mit 12.000 Leuten und diese Menschen zum Lachen zu bringen.

Sind Sie narzistisch?

Jetzt oute ich mich - das wurde ich schon mal gefragt, ich weiß gar nicht, was das ist.

Wenn man sich für den Nabel der Welt hält.

Ach so. Nein, eben nicht, und deswegen habe ich Erfolg. Ich nehme mich selbst nicht wichtig. Wenn ich bei einer Veranstaltung in eine Halle reinkommen, und da sitzt eine Toilettenfrau, dann sag ich 'Guten Tag', weil ich so erzogen wurde. Ich bin doch auch kein anderer Mensch. Ne, ich nehme mich nicht so für voll, oder?

Das müssen andere entscheiden.

Ja genau! Das ist genauso wie: Sind Sie erfolgreich? Weiß ich nicht. Sind Sie lustig? Weiß ich nicht. Ich erzähle nicht, wie Kabarettisten das gerne machen, na ja, es läuft nicht so gut, ich wohne in einer Zweizimmerwohnung und habe ein Fahrrad. Nein! Ich wohne gut, mir geht's gut, ich gehe auch oft essen.

Aber zur Miete?

Zur Miete. Ich fliege auch nicht mit dem Helikopter von A nach B.

Also keine Popstar-Attitüde?

Ich habe eine ganz normale Garderobe. Das muss viel Wasser und Obst drin sein. Steht in der Cateringorder. Nicht diese ganze Chi-chi-Früchte, Sternfrucht oder so. Ich will einfach nur Bananen.

Werden Sie auf der Straße erkannt?

Ich gebe immer Autogramme, das gehört dazu. Ich habe mal ein Interview einer Kollegin gesehen, die hat sich beschwert, dass sie in der U-Bahn nicht in Ruhe Zeitung lesen kann. Da sag ich Mäuschen, du bist den ganzen Tag im Fernsehen. Dann hol dir ein Auto oder lass dich fahren. Ich bin ja für Arbeitsplatzschaffung. Wenn's dir gut geht, dann beteilige alle anderen dran. Meine ganze Familie arbeitet mit mir zusammen.

Alle Brüder?

Alle Brüder. Selbst meine Mutter. Alle sind integriert. Selbst Freunde helfen mit. Ich habe in Berlin ein Büro, ich dazu habe ein gutes Management. Wir produzieren die Tour und machen das Merchandising selbst.

Also das Geld fließt bei Ihnen offensichtlich nicht in teure Klamotten...

Hallo, hallo, hallo! Das ist mein Merchandising-Shirt. Sie sehen, ich trag sogar meine eigenen Klamotten. Und Adidas-Schuhe. Und hier, die Socken sind... da habe ich ein Pferd drauf gesehen... Ralph Lauren.

In was investieren Sie?

In meine Crew wird investiert und in die Show. Da verzichte ich gerne auf eine gewisse Prozentzahl an Tantiemen. Wenn man die DVD ansieht, merkt man das. In das Feuerwerk am Ende haben wir richtig Kohle reingeblasen. Die 10.000 Berliner, die kommen, kaufen sich eine Karte, nehmen sich extra frei, haben zwei Kinder daheim, brauchen auch noch einen Babysitter. Denen muss man Respekt zollen. Ich war bei Shakira - so viel Ignoranz gegenüber den Leuten! Vollplayback! Und 65 Euro für eine Karte. Das finde ich frech. Und Betrug am Fan. Selbst bei MTV schalte ich bei ihr weg. Und dann gehen Sie mal zu Grönemeyer, zahlen Sie 30 Euro für ne Karte, der gibt zweieinhalb Stunden Vollgas. Grönemeyer ist ein sehr großes Vorbild: Günstige Eintrittskarten und günstige CDs.

"Männer sind primitiv, aber glücklich". Vorher hatten wir "Männer sind Schweine, Frauen aber auch" - was kommt als nächstes? "Männer sind Arschlöcher?"

Nein, nein! 'Männer können kuscheln, wollen wir aber nicht' - vielleicht.

Ist dieses Mann-Frau-Thema noch nicht ausgereizt?

Nein. Heinz Erhardt fing damit schon an. Ich mache kein politisches Kabarett, ich mache diesen Alltag, und der besteht nun mal zu 90 Prozent aus Männern und Frauen. Und ständig bekommt man Gespräche mit, es gibt so viel Potenzial. Und es ist ja lustig. Wenn es irgendwann nicht mehr lustig ist und die Leute sagen: 'Ich will das nicht sehen', dann mache ich entweder was anderes oder höre auf.

Sie sagen, Sie machen kein politisches Kabarett, sondern Alltags-Comedy. Wenn man jetzt Ihre politische Geisteshaltung nehmen will, dann ist die ja eigentlich sehr konservativ.

Ich bin schon sehr konservativ. Ich war auf einer katholischen Schule, mein Opa war Doktor der Chemie, wurde dann Oberstudienrat in einem bayerischen Gymnasium, wo er auch unserem jetzigen Papst das Abitur abgenommen hat. Meine Mutter ist erzkonservativ, es gibt freitags bei uns kein Fleisch. Karfreitag essen wir seit 34 Jahren Linsen mit Essig, Öl und Spiegelei, daran musste sich meine Freundin auch gewöhnen. Ich liebe Traditionen, Weihnachten mit der ganzen Familie, Rostbratwürstchen mit Kartoffelsalat, den meine Mutter noch immer selbst macht. Zum ersten Weihnachtsfeiertag gibt's bei meinem großen Bruder Gänsebraten, beim zweiten Weihnachtsfeiertag gibt's bei meiner Mutter Gänsekeule.

Will man nicht den Leuten, die kommen, was bieten, eine gewisse Anregung? So lachen Sie nur über das, was sie sowieso schon wissen.

Meine Aufgabe ist es doch nicht zu belehren. Ich will unterhalten. Die Leute sollen zweieinhalb Stunden kommen, lachen, abschalten. Das ist mein Erfolgsrezept. Die gehen zum Barth und wissen, sie kommen in eine andere Welt, der Mann erzählt lustige Geschichten. So wie ich gerne in den Disney Park gehe. Es gibt Musik und riecht nach Zuckerwatte.

Journalisten-Kollegen von mir bezeichnen Sie als "Kalauerdeppen". Wurmt Sie so etwas?

Wer schreibt das denn? Das schreiben doch die Leute, die völlig frustriert in ihren Büros sitzen. Kalauerdeppen, da sieht man ja schon, wie sachlich das ist. Atze Schröder, den ich sehr schätze, hat mir mal gesagt, sei einfach nur ehrlich zu den Leuten und alles ist gut. Ich habe kein Problem, wenn jemand schreibt Mario Barth ist kacke. Ich finde auch nicht jede Musik gut.

Bleiben Sie auf diesem Bereich Mann und Frau stehen oder gibt es eine Weiterentwicklung?

Bei jedem Programm ist eine Weiterentwicklung. Im ersten Programm ging es um meine Kindheit, meine Jugend mit meinen fünf Brüdern. Der nächste Schritt war mit der Freundin zusammenziehen. Jetzt wohnt man zusammen. Am Anfang teilt man das Badezimmer, aber nach spätestens einem halben Jahr sieht man als Mann, dass man reduziert ist auf ein Brettchen an der Wand, alles andere gehört ihr. In Sachen Ausdauer kann man sich gegen eine Frau nicht wehren. Meiner Freundin sagst du was, das macht sie nicht. Am Ende kann ich es nur akzeptieren.

Ihr Programm beruht auf realen Erfahrungen aus Ihrem Privatleben. Würden Sie so etwas wie eine Home Story machen lassen?

Nein! Meine Freundin möchte nicht in der Öffentlichkeit stehen, sie geht auch nicht mit zu Preisverleihungen. Ich mache meine Job, sie ihren, alles ist gut. Ich habe auch meinem Bruder gesagt, wenn wir gemeinsam zum Deutschen Comedypreis gehen, mach dich darauf gefasst, dass dich die Leute fotografieren. Wenn du das nicht willst, bleib zu Hause.

Was kommt demnächst?

Ick will'n Hund.

Mann-Hund?

Mann-Hund, Hund-Mann. Und als nächstes großes Projekt ist ein Kinofilm geplant. Nächsten Sommer geht's schon los, mehr kann ich aber noch nicht sagen - außer: Es wird eine Komödie.

Interview: Kathrin Buchner

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