HOME

Interview mit Alexandra Neldel: Sexsymbol und nettes Girlie

Als Lisa Plenske in "Verliebt in Berlin" trug sie einen Speckanzug und eine Zahnspangenattrappe - und über vier Millionen Menschen sahen zu. Jetzt spielt Alexandra Neldel in der neuen ProSieben-Serie "Unschuldig" eine Anwältin. stern.de sprach mit ihr über Juristen, Sex-Appeal und Angela Merkels Dekolletee.

Frau Neldel, Sie haben als Lisa Plenske für spektakuläre Zuschauerzahlen gesorgt und kurzzeitig Sat1 gerettet. Werden Sie jetzt als Anwältin Anna Winter ProSieben Traumquoten schenken?

Ich glaube ProSieben muss nicht gerettet werden, und ich glaube, sie haben mich auch nicht als Retterin eingestellt. Außerdem hängt der Erfolg ja nicht nur von mir ab. Ich habe ein tolles Team neben mir. Wir haben etwas ganz Besonderes erschaffen, und wenn es erfolgreich wird, sage ich bestimmt nicht: Wow, war ich toll!

Für "Unschuldig" haben sie die Figur der Anna Winter mitentwickelt.

Wir Hauptdarsteller haben uns ein Wochenende lang mit dem Produzenten, dem Regisseur und dem Headautor eingesperrt und uns mit den Drehbüchern, den Geschichten und den Rollen befasst. Wir konnten zum Beispiel sagen, ob wir mit den Namen zufrieden sind und was unsere Figuren vielleicht für kleine Ticks haben.

Welche Ticks haben Sie sich ausgedacht?

Ich spiele mit Stiften, mit Autoschlüsseln. Anna Winter ist immer ein bisschen nervös und versucht, die Ruhe zu bewahren.

Sind das auch Ihre eigenen Ticks?

Nein. Ich mache das durchaus mit einigen Sachen (dreht an ihrem Ring), aber mit Stiften eigentlich nicht.

Wie ist der Name entstanden?

Ich sollte ursprünglich Svenja Peters heißen. Dann haben wir überlegt und ich fand, dass Anna ein toller Name ist - kurz und knapp. Das ist nicht unbedingt wichtig, aber für mich war es in diesem Moment schön, dass ich ihn mit aussuchen konnte. Man hat das Gefühl, dass das so stimmiger ist.

In dem Musikfilm "Märzmelodie" haben Sie eine ebenfalls etwas neurotische Lehrerin gespielt. Die hieß auch Anna. Beide haben einen leichten Knacks.

Das liegt mir anscheinend. Ich habe schon zwei Rollen mit Knacks gespielt (lacht). Es macht natürlich Spaß, wenn man eine Rolle spielen darf, die nicht so ein Sonnenschein ist und für die man etwas mehr aufpassen muss, wie man etwas spielt. Das ist immer interessanter. Die Sache mit dem Namen ist reiner Zufall.

Wie haben Sie sich auf "Unschuldig" vorbereitet. Haben Sie mit Anwälten geredet?

Ich habe Anwälte in meinem Bekanntenkreis und habe mich mit Kommissaren unterhalten.

Anna Winter ist auch eher eine Ermittlerin als eine Anwältin.

Dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin froh, dass ich nicht im Gerichtssaal stehen muss, um Plädoyers zu halten. Das ist sehr, sehr schwierig, da lange Plädoyers den Zuschauer schnell langweilen können. Ich habe viele Plädoyers im Fernsehen gesehen, die nicht so gut waren.

Visuell und dramaturgisch orientiert sich "Unschuldig" an Crime-Serien aus den USA.

Man guckt sich natürlich an, was die Sehgewohnheiten sind. Die Zuschauer, besonders die Jüngeren, sind eine schnelle Erzählweise gewohnt und mögen sie, nicht zu schnell allerdings. Bei uns kommen immer wieder lange Einstellungen auf die Gesichter, um Emotionen zu zeigen. Was wir mit "Unschuldig" machen ist neu, das gibt es auch gar nicht in Amerika. Wir haben uns am US-Markt orientiert, aber wir haben nichts kopiert.

Es wurden gerade in jüngster Zeit einige Rechtsanwalts-Serien abgesetzt. Macht Ihnen das Sorgen?

Wir haben in "Unschuldig" nicht nur eine Anwältin, sondern auch einen Ex-Polizisten und einen Mediziner. Wir haben also die Charaktere aus drei Erfolgsserien in eine gepackt. Klar merkt man den Druck und die ganze Branche schaut auf unseren Starttermin. Aber darüber darf man nicht die ganze Zeit nachdenken. Ich finde, die Serie ist toll gemacht, wir haben alles gegeben und jetzt warten wir ab, wie es das Publikum annimmt.

Wenn "Unschuldig" floppt, bleibt das an den Schauspielern hängen?

Nein, das glaube ich nicht. Kai Wiesinger, dessen "Anwälte" nach einer Folge abgesetzt wurde, ist trotzdem ein super Schauspieler, das ändert nichts an der Tatsache.

Sind Anwälte sexy?

Es kommt auf den Menschen an. Da ist es nicht so wichtig, welchen Beruf er hat. Im Fernsehen gab es Anwälte, die fand ich nicht so sexy. Anna Winter kann man auch nicht als sexy bezeichnen. Sie arbeitet viel, ist ein Workaholic, sehr unterkühlt. Man sieht ihr an, dass sie nicht lange vor dem Spiegel steht und überlegt, was sie anzieht.

In "Unschuldig" tragen Sie als Anna Winter immer einen Anzug. Ist das ein Panzer, der vor der Männerwelt schützt?

Nein. Ich glaube sie macht sich da wirklich keine Gedanken.

Gerade wurde das Dekolletee von Angela Merkel diskutiert, die ja sonst immer Anzüge trägt. Ist das ungerecht, dass Frauen doch eher über Äußerlichkeiten beurteilt werden?

Männer haben es da einfacher. Sie ziehen einen Smoking an - fertig. Bei Frauen ist das natürlich ein bisschen schwieriger. Über die Frage, ob Frau Merkel ein zu tiefes Dekolletee hat oder nicht, würde ich mich niemals äußern.

Googeln Sie sich eigentlich selbst?

Nein, lieber nicht.

Sie wissen aber, was da an Bilder-Galerien und Youtube-Videos unterwegs ist?

Ich kann es mir denken, ja.

Widerlegt das ein bisschen die These, dass sie ein Girlsgirl sind, das vor allem bei Frauen ankommt?

Nein. Das ist wirklich mein ganz großes Glück. Mich mögen Frauen und Männer.

Nicht wenige Männer offenbar. Es gibt da eine Reihe Videos, wo unter anderem solche Dinge stehen wie: mit Sexszene.

Gibt es da so viele von?

Einige. Die schauen Sie sich aber nicht an?

Nee. Ich hoffe, Sie haben's auch nicht geguckt, sonst müsste ich das Interview jetzt unterbrechen (lacht). Ich schaue es mir gar nicht an. Ich würde mich nur darüber ärgern.

"Verliebt in Berlin" ist in vielen europäischen Ländern gelaufen. Sind Sie ein Star?

Star ist so ein komisches Wort. Ich mach meine Arbeit gerne, ich freue mich, wenn sie angenommen wird. Aber ich würde mich nicht als Star bezeichnen.

Und als Sexsymbol?

Auch nicht.

Der ehemalige Sat1-Chef Roger Schawinski hat Sie in seinem Buch als recht eingebildete Diva dargestellt. Wie sehr ärgert Sie das?

Er hat ja nicht nur über mich schlecht geschrieben. Sicher ist man ein bisschen enttäuscht, wenn man sich gerade vorher sehr gut verstanden hat. Aber es ist natürlich interessanter, so etwas zu schreiben als etwas Nettes. Das will ja sonst keiner lesen.

Sie haben vor relativ langer Zeit einmal eine Rolle in dem wunderbaren Film "Bang, Boom, Bang" gespielt. Die naive Schöne, die am Ende alle abzockt. Im vergangenen Jahr standen Sie selbst ein bisschen so da, als Sie für ein Gastspiel zu "Verliebt in Berlin" zurückkehrten.

Die Süddeutsche Zeitung hat nur geschrieben, dass ich einen Koffer Geld dafür bekommen hätte. Das stimmt aber nicht. Das wird immer alles viel zu sehr aufgebauscht. Ich finde das eher lustig.

Interview: Johannes Gernert

"Unschuldig" läuft ab 23. April immer mittwochs um 20.15 Uhr auf ProSieben