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"Neo Magazin Royale": Jan Böhmermann diskutiert mit dem "kleinen Mann" über Flüchtlinge

Deutschland ist von einer beispiellosen Flüchtlingseuphorie erfasst und feiert sich dafür. Doch sind wir plötzlich wirklich weltoffen und herzlich geworden? Jan Böhmermann hat da ein paar Fragen.

Böhmermann mit dem kleinen Mann

Jan Böhmermann diskutiert mit dem kleinen Mann (Hans Meiser) über die Flüchtlingsthematik

Die Flüchtlingsthematik dominiert seit Wochen Nachrichten und Talkshows. Klar, dass auch Jan Böhmermann daran nicht vorbei kommt. Doch wie man es von dem Satiriker erwarten darf, hat er das Thema ordentlich gegen den Strich gebürstet und in Form eines Gesprächs mit "dem kleinen Mann" aufbereitet. Der tritt in Person von Hans Meiser in Erscheinung und schlägt ganz neue Töne an. Denn der kleine Mann ist plötzlich nicht mehr der hässliche, ressentimentbeladene Deutsche. Im Gegenteil: Er schwimmt auf der Flüchtlingseuphorie-Welle mit: "Ich applaudiere Flüchtlingen am Münchner Hauptbahnhof. Ich bin das neue sympathische Gesicht der Deutschen in der Welt."

Doch wie das für einen Deutschen so üblich ist, kann er nichts Gutes tun, ohne gleich schulmeisternd aufzutreten und andere zu maßregeln. "Es geht auch anders als in Ungarn mit ihren Zäunen. Wir dürfen Europa nicht hängen lassen."

Sind wir die sympathischen Deutschen?

Da hakt Böhmermann ein: "Aber das haben wir doch jahrelang gemacht. Wie viele zehntausend Flüchtlinge sind auf Lampedusa verrottet, weil wir Deutschen uns gegen verbindliche Flüchtlingsquoten gewehrt haben? Wie jetzt die Europäer, die wir so kritisieren!"

Das passt dem kleinen Mann jedoch nicht ins Weltblid. Er ist ganz besoffen von sich un seinem Land: "Wir sind jetzt die sympathischen Deutschen". Den Einwand, wir seien doch vorher 70 Jahre die unsympathischen Kartoffeln gewesen, die Flüchtlingsunterkünfte angezündet hätten, wischt er mit einem Handstreich beiseite: "Wir haben eben unsere Meinung um 360 Grad gedreht."

Böhmermann versucht nun, das Gespräch von der emotionalen auf eine rationale Ebene zu heben. Um das Problem zu lösen, brauche es ein Einwanderungsgesetz. Doch "so bemerkenswert undeutsch" sich Angela Merkel gerade verhalte - ihre Partei verhindere genau das seit mehr als einem Jahrzehnt.

Von einem Einwanderungsgesetz will der kleine Mann jedoch nichts wissen, da setzen die altbekannten Ängste ein: Was, wenn mit dem Einwanderungsgesetz Muslime ins Land kämen? "Dann beschneiden die die deutschen Burschen auf offener Straße - oder machen einen Dschihad." Dass die von ihm so herzlich aufgenommenen Syrer auch Moslems sind, kommt ihm gar nicht in den Sinn.

"Wir sind auch nicht viel besser als Ungarn"

Während Hans Meiser davon träumt, alle Flüchtlinge zu integrieren, "wie wir das mit allen Flüchtlingen tun", erinnert ihn Böhmermann an die Kosovo-Flüchtlinge, die Deutschland vor zehn Jahren aufgenommen hat. Nun, da das Kosovo zum sicheren Herkunftsland erklärt wurde, würden die Menschen eiskalt abgeschoben.

Böhmermanns Fazit: "Wir sind nicht das Flüchtlingsparadies, als das wir uns gerne sehen. Wir sind auch nicht viel besser als Ungarn. Nur vielleicht ein kleines bisschen unauffälliger."

Doch das will der kleine Mann nicht hören: "Wegen Miesepetern wie Ihnen hat die Welt uns so lange gehasst. Aber jetzt sind wir die guten Deutschen. Sie sind ein Zyniker."

Womit Böhmermann das Grundproblem dieser Tage aufgezeigt hat: Bis zu einem rationalen Flüchtlingsdiskurs ist es noch ein weiter Weg.