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Podiumsdiskussion "Menschenfeindlichkeit": Jan Böhmermann konfrontiert Markus Lanz mit schweren Vorwürfen

Jan Böhmermann und Markus Lanz
Jan Böhmermann und Markus Lanz bei der Veranstaltung der "Zeit" in Hamburg
© Georg Wendt / DPA
Jan Böhmermann hat bei einer Podiumsdiskussion die Gästeauswahl von Markus Lanz in seiner Talkshow kritisiert. Virologen wie Alexander Kekulé und Hendrik Streeck einzuladen, sei "keine gute Idee".

Markus Lanz und Jan Böhmermann gehören zu den prominentesten Moderatoren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Ersterer diskutiert in seiner ZDF-Talkshow in der Corona-Zeit die großen Themen aus Politik und Gesellschaft, zweiterer geht in seiner Satiresendung "ZDF Magazin Royale" Missstände humorvoll, aber gnadenlos an. Beide vereint, dass ihre Interviews und Beiträge auch über das Fernsehen hinaus eine Wirkung zeigen. Prominentestes Beispiel ist die Staatsaffäre, die Böhmermann mit einem Gedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan auslöste.

Bei einer Veranstaltung der "Zeit" trafen Böhmermann und Lanz jetzt aufeinander und diskutierten über "Macht und Ohnmacht des politischen Journalismus". Während der Podiumsdiskussion unter der Leitung von "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo entbrannte eine heiße Kontroverse zwischen den Moderatoren – weil Böhmermann die Auswahl der Gäste in der Sendung von Lanz in Frage stellte (im Video ab Minute 49:10).

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Jan Böhmermann kritisiert Virologen Kekulé und Streeck

Konkret ging es dem Satiriker um die Auftritte der Virologen Alexander Kekulé und Hendrik Streeck in der Talkshow "Markus Lanz". Beide waren dort während der Pandemie immer wieder eingeladen, um aus Fachsicht über das Virus zu sprechen. Das sei – auch nach Meinung vieler Wissenschaftler – "keine gute Idee", behauptete Böhmermann. Sein Kernvorwurf in Richtung Lanz: "Ich finde es schwierig, wenn man Leuten eine Bühne gibt, die eine Meinung vertreten, die man nur deswegen veröffentlicht, weil man sagt, man muss auch die andere Seite sehen – und es gibt Meinungen, die sind so durchtränkt von Menschenfeindlichkeit (...), dass ich mich manchmal frage, warum einige Leute bei dir sitzen." 

Hendrik Streeck

Dem Hallenser Mikrobiologen Kekulé war im Verlauf der Pandemie vorgeworfen worden, zu wenig Expertise zu Coronaviren zu besitzen und zuvor nicht zum Thema publiziert zu haben. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Bonn, hatte sich unter anderem kritisch gegenüber einigen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung geäußert und dafür plädiert, "mit dem Virus zu leben" – was laut Lanz heute "common sense" sei.

Markus Lanz kontert Vorwürfe von Böhmermann

Generell wollte der 52-Jährige die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen und verwies auf die Fachkenntnis beider Wissenschaftler. "Wer sind wir, dass wir uns anmaßen, ob Leute wie Hendrik Streeck was drauf haben oder nicht?", konterte Lanz. Auf den Einwurf von Böhmermann, eine Redaktion müsse sich fragen, ob ein Virologe den Platz in einer Sendung verdient, positionierte sich Lanz klar: "Die Antwort ist: Ja."

Fachsprachlich ist Böhmermanns Vorwurf als "false balance" bekannt: Medien versuchen, entgegengesetzte Positionen gleichberechtigt darzustellen, obwohl eine davon in der wissenschaftlichen Diskussion lediglich von einer kleinen Minderheit vertreten wird und auch schlecht belegt ist.

Nach der Auseinandersetzung mit Markus Lanz legte Böhmermann noch einmal auf Twitter nach: "Meinungen im öffentlichen Raum sollten einer strengen, umfassenden medialen und gesellschaftlichen Qualitätskontrolle standhalten. Die öffentliche Repräsentation von Meinungen muss nach Qualität erfolgen", schrieb er. Dann setzte er hinzu: "Sie sehen das anders? Schreiben Sie Ihre Meinung gerne in die Replys!" – und schaltete die Antwortfunktion aus.

Quellen:"Zeit" / Jan Böhmermann auf Twitter

epp

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