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Satiriker Jan Böhmermann löscht seine Social-Media-Profile - und spricht über Telegram

Jan Böhmermann
Jan Böhmermann ist nicht mehr länger in den sozialen Medien auffindbar.
© imago images/Future Image
PR-Masche oder ernstes Anliegen? Jan Böhmermann hat am Freitag seine Profile auf Instagram, Facebook und Twitter gelöscht. Dafür ist ein Account auf Telegram aufgetaucht.

Fast ein Jahr war er weg vom Bildschirm. Doch am kommenden Freitag kehrt Jan Böhmermann mit seiner neuen Show wieder auf den Bildschirm zurück. Mit seinem "ZDF Magazin Royale" wagt der Satiriker den Sprung ins Hauptprogramm. Eine Woche vor dem Start hat der 39-Jährige sämtliche Profile in den sozialen Medien gelöscht: Weder auf Twitter noch auf Facebook oder Instagram sind seine Profile abrufbar. 

Erst kürzlich hatte Böhmermann mit "Gefolgt von niemandem, dem du folgst" sein Twitter-Tagebuch der Jahre 2009 bis 2020 veröffentlicht und in diesem Zuge zahlreiche alte Tweets gelöscht. Nun sind sämtliche Beiträge verschwunden.

Es spricht einiges dafür, dass es sich um einen PR-Gag handelt, mit dem der gebürtige Bremer auf den Start seiner neuen Show aufmerksam machen möchte. Denn kurz zuvor hatte er ein Posting abgesetzt, in dem sich Böhmermann wie ein Verschwörungstheoretiker ausdrückte: Er habe lange überlegt, ob er schreibe, was nun folge, begann der Satiriker sein Statement, es gehe aber um um eine wichtige Sache, die alle betreffe.

Jan Böhmermann und Telegram

Damit meine er weder die Flüchtlingssituation im Mittelmeer, noch spiele er auf die Monopole amerikanischer Tech-Konzerne wie Google, Facebook und Amazon an. Er wolle über etwas sprechen, "das noch größer und unheimlicher und bedrohlicher für uns alle ist, und ich denke, es ist gefährlich, darüber noch länger öffentlich zu schweigen", raunte Böhmermann in bester QAnon-Manier.

Ob es ein Zufall ist? Erst gestern tauchte in dem Netzwerk Telegram ein "Real Jan Böhmermann" auf. Dazu gibt es einen weiteren Account, in dem die alten Tweets des Satirikers nachzulesen sind. Ob Böhmermann dahinter steckt, lässt sich nicht belegen.

Doch in einem heute veröffentlichen Interview auf "T-Online.de" sprach Böhmermann auffallend viel über dieses Netzwerk: "Ich kann Ihnen an dieser Stelle verraten, dass es für mich inzwischen einen anderen Kanal gibt, auf dem ich mich austauschen kann." Er habe in letzter Zeit mit vielen Leuten nachts sehr lange telefoniert und sich eine tolle App auf mein Handy geladen", sagte er in Anspielung auf Schlagersänger Michael Wendler, der kürzlich nach einem Telefonat mit Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann auf Telegram gewechselt ist.

"Vielleicht wird das meine Alternative zu Facebook"

Über den Kanal sagte er: "Ich bin da tatsächlich seit ein, zwei Wochen verstärkt eingetaucht. Es ist wichtig, zu wissen, was der Markt denkt und der ist zurzeit offensichtlich auch bei Telegram zu finden." Deshalb nutze er das Netzwerk als Quelle. "Vielleicht wird das meine Alternative zu Facebook – die Plattform, wo früher die manipulierbaren Idioten saßen." 

Das Netzwerk sei "ein unregulierter Raum, bei dem der Staat absolut keine Ahnung hat, was passiert." Der Staat verschlafe diese Entwicklung komplett. "Ich finde es jedenfalls faszinierend, dass Ordnungsbehörden nicht in der Lage sind, dem Herr zu werden. Sowohl im digitalen als auch im echten Leben."

Gut möglich, dass Böhmermann demnächst in seiner Sendung einige Fundstücke aus seinen Telegram-Erfahrungen präsentiert. Mit seinem Weggang von Facebook, Twitter und Instagram hat er jedenfalls schon mal viel Aufmerksamkeit auf seine neue Show gelenkt.

Verwendete Quellen: Telegram, T-Online.de

che

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