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TV-Satiriker: "Schwarzer Tag für die Sozialdemokratie und für mich": Jan Böhmermann rechnet mit der SPD ab

Jan Böhmermann ist mit seiner Bewerbung um den SPD-Parteivorsitz gescheitert. In einem Video kritisiert er die Partei – und kündigt weitere Schritte an.

Jan Böhmermann

Jan Böhmermann hat in seinem Video seine Ambitionen auf den SPD-Parteivorsitz untermauert. 

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"Der gestrige Tag war ein schwarzer Tag für die deutsche Sozialdemokratie und für mich persönlich": Mit diesen Worten richtete sich Jan Böhmermann am Montagnachmittag an seine Unterstützer. Gemeint war nicht das desaströse Abschneiden der SPD in Sachsen: Am Sonntagabend um 18 Uhr schlossen nicht nur die Wahlkabinen in zwei Bundesländern, auch die Bewerbungsfrist für die Wahl zum Parteivorsitzenden endete um diese Zeit. Und Böhmermann, der 72 Stunden vorher seine Kandidatur angekündigt hatte, war nicht dabei.

Zwar hatte er alle Hebel in Bewegung gesetzt, um noch schnell Parteimitglied zu werden und die notwendigen Unterstützer zu sammeln – entweder fünf Unterbezirke, einen Bezirk oder einen Landesverband. Kurz nach 18 Uhr gestand er am Sonntag seine Niederlage ein. "Trotz vollen Einsatzes hat es am Ende möglicherweise knapp nicht gereicht, die strengen Kriterien zu erfüllen", schrieb er auf Twitter.

Ist Jan Böhmermann SPD-Mitglied, oder nicht?

Dabei hatte es zunächst gut ausgesehen. Nachdem sich der sozialdemokratische Bezirksbürgermeister seines Heimatverbandes Köln-Ehrenfeld geweigert hatte, Böhmermann aufzunehmen, erklärte sich die SPD in Köthen bereit. Doch auch diesem Ansinnen war kein Erfolg beschieden, da der Satiriker nicht in Sachsen-Anhalt lebt, konnte er nicht ohne weiteres in diesen Ortsverband eintreten.

Ein ziemliches Durcheinander, das Boehmermann nun in seinem Video deutlich anspricht: "Die SPD und ich sind und nicht einmal sicher, ob ich in den letzten drei Tagen wenigstens Parteimitglied geworden bin", so Böhmermann.

Aufgeben will er deshalb aber noch nicht. Seinen weiteren Einsatz begründete der Moderator des "Neo Magazin Royale" mit einem schrägen Vergleich: "Die Sozialdemokratie ist das deutsche Amazonas-Gebiet. Sie wurde für Marktinteressen und einfachen Profit in Brand gesteckt." Er wolle die rote Lunge Deutschlands retten und werde deshalb seinen offiziellen Mitgliedsantrag nicht zurückziehen. Gleichzeitig prüfe er weiterhin die juristische Anfechtbarkeit seiner Nichtzulassung zur Wahl des Parteivorsitzenden, so Böhmermann. "Wer mich kennt, der weiß: Wo ein Wille ist, ist auch ein Rechtsanwalt."

Böhmermann kündigt neue Kandidatur an

Der 38-Jährige rechnet ohnehin damit, dass er bald die Chance zu einer neuen Kandidatur bekommt. Schätzungsweise im Frühjahr 2020 werde die Partei eine neue Doppelspitze brauchen. "Dann sind mein Team und ich noch besser vorbereitet", kündigt Böhmermann an.

Es sieht ganz so aus, als werde die SPD den Satiriker so schnell nicht los. Der kündigte indes an, am kommenden Donnerstag in seiner Sendung einmal ganz genau zu erzählen, was ihm rund um seine Kandidatur alles widerfahren ist. So mancher Genosse wird dem vermutlich mit Sorge entgegensehen.