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Karl Holzamer: Der Fernsehprofessor

Karl Holzamer, Professor der Philosophie, war der Gründungs-Intendant des ZDF. Er leitete den Sender von 1962 bis 1977. Am 13. Oktober feiert er seinen 100. Geburtstag. stern-Redakteur Alexander Kühn besuchte ihn in seinem Haus in Mainz.

Herr Professor, das ZDF hat im vergangenen Jahr seine Moderatorin Carolin Reiber aufs Altenteil geschickt - mit 64.

Mir als Zuschauer war Frau Reiber nicht zu alt. Aber ich möchte mich ungern einmischen, da mir die Details nicht bekannt sind.

Die Privatsender und die Werbewirtschaft interessieren sich nur für Zuschauer bis 49 Jahre. Fühlen Sie sich benachteiligt?

Ich finde durchaus noch Sendungen für ältere Herrschaften. An den privaten Anbietern stört mich vielmehr, dass sie die Werbung mitten ins Programm hauen. Ein entsetzlicher Stil!

Was ärgert Sie noch am Fernsehen heute?

Dass jedes Magazin mit einem Mord oder einer Kinderschändung beginnt. Neulich wurde gezeigt, wie ein Vater sein zehn Jahre altes Kind in den Puff mitnimmt. Solche Obszönitäten muss man doch nicht senden.

Was sehen Sie gern?

"heute" und "Tagesschau", Reiseberichte, aber auch Unterhaltungssendungen.

"Wetten, dass..?"

Gelegentlich. Wobei da auch Wetten dabei sind, die es nicht wert wären. Lieber sind mir die volkstümlichen Sendungen mit recht viel Musik und schönen Landschaften. Oder Shows wie die von Dieter Thomas Heck. Aber in vielen Sendungen haben sich Gewohnheiten durchgesetzt, die wenig erfreulich sind.

Zum Beispiel?

Sänger werden ausführlichst zu ihrem Werdegang befragt - aber gesungen wird kaum. Dabei möchte man doch die Musik hören! Und leider wird wenig Wert gelegt auf eine gute Sprecherziehung für die Moderatoren. Aber ich will die Kollegen von heute nicht schlecht machen. ZDF-Intendant Schächter hat ein riesiges Programm zu verantworten, der kann gar nicht auf alles ein Auge haben.

Geben Sie ihm Ratschläge?

Ich hatte ihm vor einiger Zeit empfohlen, das Nachtprogramm zu unterlassen. Die meisten Menschen arbeiten tagsüber und schlafen nachts – und wer nachts arbeitet, kann dabei nicht fernsehen. Die Sender, dachte ich, könnten so Geld sparen. Herr Schächter meinte jedoch, so viel brächte das nicht ein.

Sie haben noch immer ein Büro im ZDF.

Die ehemaligen Intendanten teilen sich eines.

Das heißt, Sie kommen ins Zimmer, und womöglich sitzt da bereits Herr Stolte?

Das ist noch nicht vorgekommen. Ich bin ohnehin nicht mehr so oft oben auf dem Lerchenberg. Meine Sekretärin kommt jeden Tag zu mir nach Hause.

Bekommen Sie noch viel Post?

Unendlich viel. Vorwiegend Einladungen. Und zu meinem 99. Geburtstag erreichten mich über 300 Gratulationen.

Jopie Heesters singt seit seinem 95. Geburtstag: "Ich werde 100 Jahre alt". Nun hat er es bereits auf 102 gebracht.

Ich habe das stets der höheren Macht überlassen. Man soll der Barmherzigkeit Gottes nicht vorgreifen.

Wie sieht Ihr Alltag aus?

Ich stehe um halb acht auf. Es erfolgt die übliche Körperpflege mit abschließender Wechseldusche. Nach dem Frühstück folgt das Studieren der Tageszeitung und der Post. Und dann schaue ich, dass ich in Bewegung bleibe. Ich habe ein Wägelchen, mit dem gehe ich spazieren. Oder ich fahre Rad, auf einem feststehenden Gerät im Zimmer. Abends sehe ich fern, gegen halb zehn gehe ich zu Bett.

Und wenn die Sendung länger dauert?

Ist sie gut, hatte ich ja meinen Genuss. Wenn nicht, ist es darum nicht schade.

Zu Ihrer Zeit wurden die Mainzelmännchen eingeführt. Warum haben Sie den armen Kerlen nie ein Mainzelmädchen gegönnt?

Sehen Sie: Man ist jung und lernt eine Frau kennen, geht eine Beziehung ein und wird gemeinsam alt. Aber das sind doch Zwerge - und Zwerge altern nicht. Also können sie gar keine Frauen haben.

Wie vermehren die sich dann?

Mithilfe des Zeichenstifts.