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Kritik: Bewegender Auftritt bei "Günther Jauch"

"Günther Jauch" war diesmal weit entfernt vom vermeintlichen Polittalk. Prompt geriet die Sendung zu einer der besten seit seinem Start. Im Gespräch mit dem querschnittsgelähmten Samuel Koch nutzte Jauch seine Stärken.

Von Christoph Forsthoff

Erlöst den Mann endlich! Nein, mit einem Polittalk, den die ARD für diesen Sonntagabend-Sendeplatz reklamiert, hatte Günther Jauchs gestrige Sendung über "Samuel Kochs zweites Leben" rein gar nichts zu tun. Ein klassisches Magazin-Format präsentierte uns der vermeintliche Moderator da, eine Fragerunde, gespickt mit Filmbeiträgen und Emotionen – und doch oder gerade deshalb war es zweifellos eine seiner besten Sendungen auf diesem Königsplatz im Ersten. Einmal mehr wurde klar, wo die tatsächlichen Stärken des 55-Jährigen liegen: Nicht in der kontroversen Diskussion, sondern in den direkten, doch sensiblen Fragen; nicht in der thematischen Vertiefung, sondern im durchaus konstruktiven Anreißen von Themen und Anstoßen von Gedankengängen; nicht im hartnäckigen journalistischen Nachbohren, sondern im emotionalen Aufwühlen.

Das mag manchem, vielleicht sogar vielen (zu Recht) zu wenig sein für einen vermeintlichen Polittalk, doch warum denn nicht diese unzweifelhaften Qualitäten des Günther Jauch nutzen für eine Sendung anderen Zuschnitts? Klar lässt sich der – auch im hauseigenen Online-Forum der ARD erhobene – Vorwurf machen, das Ganze sei nicht zuletzt eine Werbung für das heute erscheinende Buch Kochs gewesen, der seit seinem Sturz am 4. Dezember 2010 in Thomas Gottschalks Show "Wetten, dass…?" vom Hals abwärts gelähmt ist; und warum denn dann nicht wenigstens über die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention in Deutschland diskutiert wurde, über die mangelhafte Integration von oder die Behördenwillkür gegenüber Behinderten; oder dass es letztlich der damals 23-Jährige selbst gewesen sei, der sich in dieses Schicksal gestürzt habe, als er versuchte, mit Sprungfedern an den Füßen fahrende Autos mit einem Salto zu überspringen.

Rührselig? Nein, menschlich!

Doch Jauch wollte all das gar nicht vertiefen. Er wollte berühren, er wollte über "Schicksalsschläge" und den Umgang mit selbigen sprechen – und das gelang ihm, ohne dabei die Distanz zu verlieren. Koch selbst gab einen bewundernswert offenen Einblick in sein (Gefühls-)Leben – "das ist schon manchmal der Verzweiflung nahe" –, frei von jeglichem Selbstmitleid – "wer sonst sollte Schuld tragen außer mir?" – und offenbarte sogar schwarzen Humor, wenn er etwa über seine Hilflosigkeit beim Zähneputzen erzählte: "Ich lasse da die Helfer ihre Kreativität ausleben." Und wer sah, wie der junge Mann um (möglichst schmerzfreie) Haltung kämpfte, konnte unmöglich ungerührt bleiben – ebenso wie bei den Worten seiner jüngeren Schwester Rebecca, als die sich noch einmal an ihre ersten Gedanken unmittelbar nach dem Unglück erinnerte: "Ich habe gedacht, er steht gleich wieder auf, denn mein großer Bruder steht immer wieder auf."

Rührselig? Nein, einfach menschlich. Dass diese Themen die große Stärke Jauchs sind, bewies der Moderator auch im zweiten Teil der Sendung, als es darum ging, wie man es schafft, in Kochs Situation nicht zu verzweifeln. Und Udo Reiter seine seinerzeitigen Selbstmordpläne beschrieb, nachdem ein Autounfall den damals 22-Jährigen querschnittsgelähmt in den Rollstuhl zwang. "Der Abschiedsbrief im Studentenwohnheim war vorbereitet, ich hatte mir eine Smith & Wesson besorgt – doch dann erkannte ich, dass ich am Leben hänge", erzählte der ehemalige MDR-Intendant. "Man muss dann die Möglichkeiten, die es nicht mehr gibt, einfach ausblenden." Oder Nikolaus Schneider, der von seinem gewandelten Gottesbild sprach, nachdem der Theologe 2005 seine jüngste Tochter durch Leukämie verloren hatte: Nein, gezweifelt an Gott habe er nicht, erinnerte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, "ohne den Glauben hätte ich das nicht durchgestanden", doch er habe seinen Gott in der für ihn bis dahin unbekannten Dimension des Fürchtens kennengelernt.

Auch eine Frage des Glaubens

Auch da fand Jauch wieder einen einfühlsamen Übergang zur Gläubigkeit in der Familie Koch, hatte doch Samuel vor seinen Stunts stets in Stoßgebeten quasi "einen Teil der Verantwortung auch abgegeben". "Der Unfall hat Sie im Glauben erschüttert", stellte Jauch fragend fest – "aber nicht gestürzt", erwiderte der Gelähmte mit fester Stimme. Natürlich lässt es sich leicht in die Rubrik Allgemeinplätze schieben, wenn sein Vater Christoph Koch konstatierte, sein Gottesbild habe sich insofern verändert, als dass ihm klar geworden sei: So wie es genauso regnet über Menschen, die an Gott glauben wie über Nichtgläubige, so ereilten die einen ebenso wie die anderen Schicksalsschläge – und doch kann der Glaube in solchen Lebenssituation eben durchaus helfen, bestätigte Kochs Arzt Maximilian Keil.

Dass Samuel seinen Glauben nicht verloren hat, unterstreicht ein Satz aus seinem Buch, den Jauch dramaturgisch gekonnt am Ende der Sendung zitierte: "Man kann auf jedem Niveau klagen, und man kann auf jedem Niveau glücklich sein." Nicht allein deshalb geben auch wir in ganz anderer Hinsicht den Glauben an Jauch als Fernsehmann nicht auf.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(