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Kritik zu "Hart aber fair": Frank, der Baumeister

Klar, irgendwann gehen einem die Themen aus. Doch warum Plasberg sich nun auf der Stoffsuche in den Baumarkt begab, blieb sein Geheimnis. Denn dort gilt noch immer: Machen, nicht quatschen.

Von Christoph Forsthoff

Was der Jauch kann, kann ich auch, mag sich Frank Plasberg nach der jüngsten, höchst emotional-magazinigen Sendung des Kollegen gedacht haben, und baute seinen Polit-Talk kurzerhand zum Heimwerker-Magazin um. Klar hätte es reichlich aktuelle (Polit-)Themen gegeben, die der Moderator mit den auf seiner Website versprochenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hätte diskutieren können, doch das Ohr ganz nah am Zuschauer weiß Plasberg eben auch, wo der Quoten-Hammer hängt: im Baumarkt. Und diskutierte so allen Ernstes die Frage "Was treibt die Deutschen in den Baumarkt?"

Da ihm dabei vermutlich dennoch nur die Hardcore-Nagler geschlagene 75 Minuten lang gefolgt wären, hätte sich seine Gästerunde allein aus irgendwelchen Schraubern, Düblern und Sachverständigen zusammengesetzt, entsann sich die Redaktion eines alten TV-Tricks: Hübsche Frau zieht immer. Und fand dabei mit Sonya Kraus ein wahres blondes Talk-Prachtexemplar, denn die Schauspielerin moderiert nicht nur eine Heimwerkersendung auf Pro Sieben, sondern legt bei sich daheim auch leidenschaftlich gern selbst Hand an. "Das ist wie Kuchenbacken mit massiven Zutaten" – ein echter Traum-Gast, der denn auch gleich zum Start als Beleg der eigenen Fähigkeiten mit einer Japansäge die Gästetheke zerlegen durfte…

Beste Frühstücksfernsehenqualität

Und so praxisnah ging's dann auch weiter: Ob nun ein Bodenkundler den vorgenommenen Blumenerdetest bewertete und Plasberg den Unterschied zwischen Kohlenstoff und Kohlendioxid erklärte; die Redaktion die Preise in den Baumärkten Obi, Bauhaus und Praktiker – deren ständige Namensnennung schon stark an Product Placement erinnerte – in einem Testeinkauf unter die Lupe nahm mit der sensationellen Erkenntnis des Moderators "Ein Vergleich kann sich lohnen"; oder der "Holzpapst" Gerald Koch Plasberg über Tropenhölzer und deren Zertifikate aufklärte und für 2013 das Holzhandelsicherungsgesetz ankündigte – das war Service am Zuschauer von bester Frühstücksfernsehenqualität. Fragt sich nur, was solch ein "So geht's"-Format im öffentlich-rechtlichen Abendprogramm mit Bildungsauftrag zu suchen hat.

Egal, auch Heimwerker können höchst spannende Themen miteinander diskutieren. Etwa die Frage, ob diese Spezies eher Opfer der Selbstüberschätzung oder falscher Beratung im Baumarkt ist: "Mein Vorwurf ist, es wird vorgegaukelt, dass alle alles können", hielt da der Bausachverständige Joachim Schulz dem Baumarkt-Verkäufer Mirko Trompetter vor. Schließlich gehe es hier um "Milliarden-Pfusch", prangerte der von Plasberg als "ein bisschen Korinthenkacker" Titulierte an und machte sich für mehr Experteneinsätze in den heimischen vier Wänden stark: "Leistung auch im Handwerk muss bezahlt werden. Made in Germany muss wieder ein Begriff werden."

Mut zum Pfusch

Was Peter O. Wüst natürlich so nicht auf sich sitzen lassen konnte: "Der Baumarkt ist immer noch ein Selbstbedienungsformat", konterte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten – da könne man nicht erwarten, dass in jeder Abteilung immer genügend Fachberater zur Verfügung stünden. Und leider eben auch nicht überall eine charmante Blondine wie Sonya Kraus, die den Kunden erklären könnte, dass "ein Heimwerker Mut zum Pfusch haben", aber auch ganz genau wissen sollte, "was er nicht anfassen darf".

Immerhin: Auch das patente Ex-Model hat schon mal eine "gewischt" bekommen – nicht von einer Rivalin, sondern "weil ich zu faul war vorher den Spannungsprüfer drauf zu halten". Ziemlich abstrus solche Gespräche? Mag sein – für Jan Weiler indes waren sie ein gefundenes Fressen. Fällt dem Schriftsteller nämlich nichts ein, fährt er sonst in den Baumarkt und beobachtet dort das Treiben. An diesem Abend bekam er den Stoff potenziert auf dem Talkshow-Silbertablett serviert.

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