HOME

Kühn kuckt - die TV-Kolumne: Von Alten und Dicken, Trauer und Reue

Es ging um Leben und Tod. Bei Maybrit Illner, Kerner und RTL II. Ein senderübergreifender Themenabend, gesehen von stern-Redakteur Alexander Kühn.

Am Donnerstag war Themenabend. Senderübergreifend. Das Thema: Wie man mit den Widrigkeiten des Lebens im Allgemeinen fertig wird und mit Schicksalsschlägen im Besonderen. Bei Maybrit Illner ging's ums Altwerden. Zugeschaltet war eine Frau Brunn, die trotz ihrer 100 Jahre nicht ins Heim möchte und sich fit wie ein 70-jähriger Hüpfer präsentierte. Wie man das schaffe? "Viel kann man nicht machen", verkündete die Dame aus ihrem Wohnzimmer heraus. Sie habe sich einfach die Gabe bewahrt, sich auch in ihrem hohen Alter noch über eine Rose zu freuen oder über ein Gänseblümchen am Wegesrand. Worauf der 30-Jährige Daniel Bahr von der FDP Anerkennung bekundete, jedoch zu bedenken gab: "Viele Menschen werden ab 80 dement."

"Ich zieh ihn halt ein."

Auf RTL II war zur selben Zeit eine Mittvierzigerin zu sehen, Karin, blond, nicht mehr ganz so schlank. Im Schlafzimmerspiegel betrachtete sie, wie ihr Bauchfett aus der Hose quoll, und schaute dabei gar nicht fröhlich drein. "Erst in den letzten Jahren", erklärte die Off-Stimme, "hat Karin angesetzt." Karin ging in die Bäckerei, und die Stimme sagte: "Obwohl Karin sehr unglücklich über ihre Problemzone Bauch ist, gönnt sie sich gern was Leckeres." Und dann verriet Karin den Zuschauern noch ihren Bauch-weg-Trick: "Ich zieh ihn halt ein."

Abnehmen für 5,99 Euro

Frau Illner war mittlerweile von Kerner abgelöst worden. Titel der Sendung: "Über Leben und Tod". Der Nachrichtenmoderator Steffen Seibert saß da, weil sein Sohn siebeneinhalb Wochen zu früh zur Welt gekommen war, wodurch Seibert fast Frau und Kind verloren hätte. Desweiteren ein Ehepaar, dessen Drillinge innerhalb von zwei Wochen an den Folgen ihrer Frühgeburt gestorben waren. Und Hannes Jaenicke, der in der neuen RTL-Serie "Post Mortem" als Gerichtsmediziner tote Körper zerlegen darf.

Auf RTL II füllte derweil eine Antje das Bild, ein trauriger Whopper, kaum noch bewegen konnte sie sich. Dicksein, sagte sie, sei eine Last - und "wenn jemand zu mir sagt, er ist glücklich, dann sag ich: Der lügt." Ihren Kindern predigt sie täglich, sie sollten nicht so viel und so ungesund essen, damit sie es mal besser hätten als die Mama. Dazu wurde im Videotext eine Telefonnummer gezeigt, über die man für 5,99 Euro Unterlagen anfordern kann zum Thema "Abnehmen: So kann es jeder schaffen."

Karel Gott musste absagen

Bei Kerner war nun Michael Buback zugeschaltet, der Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback. Sollen die Terroristen Christian Klar und Ulrike Mohnhaupt freikommen? Oder, auf Kernerdeutsch: "Kann es Gnade geben, ohne dass es vorher Reue gab?" Buback sagte, die Reue müsse schon angemessen sein. Und dass er über die Intensität der Diskussion in diesen Tagen sehr erstaunt sei. Seibert sagte, es sei die Stärke des Rechtsstaats, dass er kein blinder Rächer sei. Kerner fragte Jaenicke: "Könntest du damit leben, mit deinem Rechtsempfinden, Hannes, wenn die freikämen?" Schwierig sei das, sagte Jaenicke.

Eingeladen war auch Karel Gott. Der musste aber, wie Kerner berichtete, kurzfristig absagen: "Schneechaos in Prag."