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TV-Kritik

"Let's Dance": Blind Dates für Füßetreter

Sylvie Meis, die in einen Topf mit Selbstbräuner gefallen ist, Pietro Lombardi mit Aua am Fuß und ganz viele "Emmosssion". Zum zehnten Mal schickte RTL bei "Let's Dance" eine Schar Semi-Prominenter auf die Tanzfläche.

Von Christian Franke

Zehnte Staffel von "Let's Dance": Professionellen Tänzer eröffneten die Sendung

Zehnte Staffel von "Let's Dance": Professionellen Tänzer eröffneten die Sendung 

Potz-Blitz. Kaum aus-zu-halten. Diese Spannung. In je-der Se-kun-de. Wer darf denn nun mit wem? Vielleicht die, äh, mit, nun ja, dem? Oder doch der da mit der hier? Und wer, zum Geier, sind eigentlich diese Menschen, die sich knapp drei Stunden dauergrinsend durch diese bunt beleuchtete Halle schieben?

Die kurze Antwort: das ist die Schar Semi-Prominenter, die in diesem Jahr bei "Let's Dance" mitmacht. Die lange Antwort: Es sind Ann-Kathrin Brömmel, Angelina Kirsch, Anni Friesinger-Postma, Bastiaan Ragas, Cheyenne Pahde, Chiara Ohoven, Faisal Kawusi, Gil Ofarim, Heinrich Popow, Jörg Draeger, Maximilian Arland, Susi Kentikian und Vanessa Mai. Und Pietro Lombardi. Aber der sitzt daneben, er hat Aua am Fuß und kann nicht mitmachen. Dr. Lombardi selbst teilt die Diagnose mit: "Fraktur im Sprungbein."

Doch der Reihe nach. Freitagabend, 20.15 Uhr. RTL schickt zum zehnten Mal jene Promis auf die Tanzfläche, die noch nicht im Dschungel waren. Für die, wie RTL sie nennt, "Jubiläumsstaffel", hat sich der Sender etwas total aufregend Besonderes einfallen lassen. Die Promis erfahren erst in dieser Kennenlernshow, wer ihre Tanzpartner werden. Blind Dates für die Füßetreter. Vorher müssen die Stars, angeblich mit nur einem Tag Training, noch in Gruppen tanzen. Der Rumpelfaktor ist hoch.

10. Staffel der RTL-Show: Pietro Lombardi soll bei "Lets' Dance" das Tanzbein schwingen
Pietro Lombardi

Pietro Lombardi

Ein Platz wäre noch frei in der zehnten Staffel der RTL-Show "Let's Dance", die am 24. Februar startet. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, soll der finale Kandidat Pietro Lombardi heißen. Im vergangenen Jahr nahm bereits Lombardis Noch-Ehefrau Sarah teil, die er 2011 bei der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" kennengelernt hatte. Im Oktober vergangenen Jahres gaben die beiden nach drei Jahren Ehe ihre Trennung bekannt. Doch auch als Solo-Künstler scheint Pietro Lombardi gut im Geschäft zu sein. Zuletzt wurde bestätigt, dass er an der ProSieben-Show "Global Gladiators" teilnimmt, die im Frühjahr ausgestrahlt werden soll. Die kolportierte Gage von 290.000 Euro dementierte der Sender. Über die Verpflichtung Lombardis als Tanz-Kandidat wollte sich RTL auf Nachfrage nicht äußern. Seine Ex-Partnerin Sarah Lombardi hat die Latte aber ganz schön hochgelegt: Die 24-Jährige belegte im vergangenen Jahr bei "Let's Dance" den zweiten Platz und gehörte zu den Publikumslieblingen.

Als ob ein Dorfdiscobesitzer Geld gefunden hätte

Zuerst versuchen Plus-Size-Model Angelina Kirsch, Schlagersängerin Vanessa Mai und Boxerin Susi Kentikian – ausstaffiert im Pailettenhemd, 3er-Pack zu 3,99 – sich beim Cha-Cha-Cha zu "Lady Marmelade" sexy zu geben. Sieht am Ende leider aus, als hätten sich die drei für einen Erotik-Tanzkurs in der Volkshochschule angemeldet. Immerhin passt die Kulisse: Die Halle ist dekoriert, als hätte ein Dorfdiscobesitzer einen Koffer voller Geld gefunden und beschlossen, eine Party zu schmeißen. Motto: Sexy in Sulingen. Viel pink, bisschen Plüsch, kein Stil.

Anschließend schieben sich Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma, Model und Mario-Götze-Freundin ("Ich habe nichts gegen den Begriff Spielerfrau") Ann-Kathrin Brömmel, Society-Tochter Chiara Ohoven und Soap-Actrice Cheyenne Pahde zum Walzer durch die Gegend. Sie wälzen herum wie eine Gruppe Ü70-Damen zum Fasching im Altenheim, die goldbesetzten Abendkleider aus dem Kostümfundus - herausgeholt aus der Kiste Tausendundeine Nacht - so langsam, dass man sich wünscht, jemand würde ihnen einen Rollator reichen, damit sie zum Eierlikörchen an den Kaffeetisch schieben können.

"Emmosssion" ohne Emotionen

Bewertet wird – man muss ja nicht alles ändern – von der Jury Jorge Gonzalez, Motsi Mabuse und Joachim Llambi. Jorge erfreut sich, sofern man es verstehen kann, an ganz viel "Emmosssion" und Mabuse weiß weise, dass "oben schön, aber auch unten schön, wichtig ist beim Tanzen". Und Joachim Llambi? Der kündigt für die gesamte Staffel an: "Wir werden viel Spaß haben." Es klingt wie eine Drohung. Vermutlich ist es das auch.

Daniel Hartwich, der Frisur nach zu urteilen vor der Show mit dem Finger in die Steckdose geraten, und Sylvie Meis moderieren die ganze Sendung einfach weg. Meis sieht aus, als hätte sie sich vorher einen Eimer Selbstbräuner über den Kopf gekippt, und ist zur emotionslosen Bronzesäule erstarrt. Emotionslos wirkt auch die Ohoven. Wenn doch bloß jemand käme, der ihr die Wäscheklammern am Hinterkopf löst, damit endlich, endlich, endlich wieder Mimik in ihr Gesicht kommt. Vielleicht hat sie auch nur eine neue Haarfarbe. War ja damals bei den Lippen auch so.

Auch Männer dürfen bei "Let's Dance" aufs Parkett

Zurück aufs Parkett: Auch die Männer dürfen. Ex-Caught-in-the-Act-Sänger Bastiaan Ragas, Schlagersänger Maximilian Arland und Sänger Gil Ofarim machen ein bisschen Quickstep. Arland stakst wie ein Zwölfjähriger, Ofarim trägt Bart, um nicht mehr auszusehen, wie in der Bravo-Foto-Love-Story und Bastiaan Ragas ist halt irgendwie da und nett.

Und dass Moderator Jörg Draeger (genau, das ist der mit dem Zonk) beim Schlusstanz des Abends hoffnungslos dem Tempo hinterhinkt, als wäre er in einer eigenen Zeitzone, nimmt man nach drei Stunden nur noch hin, erträgt anschließend geflissentlich die Witze von Comedian Faisal Kawusi und staunt, warum Paralympics-Sieger Heinrich Popow ein abgeschnittenes Hosenbein hat (damit der Stoff sich nicht im mechanischen Kniegelenk verfängt).

Am Ende haben übrigens alle ihre Partner. Einfach so, zugewiesen. Warum es dazu diese Sendung brauchte, bleibt das Geheimnis von RTL. Am 17. März geht’s dann richtig los.