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Letzte Folgen von "Breaking Bad" gestartet: Das wird böse enden

Die letzten Folgen von "Breaking Bad" sind in Deutschland gestartet. Bald wissen die Fans, wie die Geschichte des Drogenbarons Walter White endet. Und eins ist klar: Es wird spannend - und brutal.

Von Christoph Fröhlich

Es ist nicht schön, einen Menschen scheitern zu sehen. Zuschauen zu müssen, wie jemand in den Drogensumpf abrutscht und sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Wie er andere belügt, um die eigene Haut zu retten. Doch genau darum geht es in der Ausnahmeserie "Breaking Bad", was auf deutsch so viel heißt wie "auf die schiefe Bahn geraten". Sie ist das Porträt eines durchschnittlichen Amerikaners, der alles verliert und als einzigen Ausweg die Kriminalität sieht.

"Breaking Bad" ist keine Serie, bei der man sich auf dem Sofa mit einem Rotweinglas in eine Decke einkuschelt und sich von schönen Bildern und netten Dialogen berieseln lässt. Das Gegenteil ist der Fall, die Serie ist in vielerlei Hinsicht eine Zumutung. Sie ist rau, brutal und anstrengend, kurz: Sie ist wie das Leben. Und genau deshalb sehenswert. Nun geht es auf das Finale zu: In Deutschland startet am Mittwochabend auf dem Bezahlsender "AXN" die erste Folge der letzten halben Staffel.

Die Geburt eines Monsters

Am Anfang hat der Zuschauer wirklich Mitleid mit diesem Kerl, der zwei Jobs nachgeht und sich trotzdem kaum über Wasser halten kann. Der in einer typischen US-Vorstadt wohnt und das wohl hässlichste Auto der Welt fährt, einen Pontiac Aztek - einfach weil es so ungemein praktisch ist. Walter White (Bryan Cranston), die Hauptfigur von "Breaking Bad", ist der Max Mustermann des amerikanischen Mittelstands: weiß, 50 Jahre alt, spießig. Seine Frau ist ungeplant schwanger und der Sohn behindert. Obwohl Walter ein großartiger Chemiker ist, verschwendet er seine besten Lebensjahre als Lehrer an einer High School. Dann bricht seine Welt zusammen, als er unheilbar an Lungenkrebs erkrankt. Um seine Familie finanziell abzusichern, beschließt er, gemeinsam mit seinem ehemaligen Schüler Jesse Pinkman (Aaron Paul) die Teufelsdroge Crystal Meth herzustellen und das Rauschmittel zu verkaufen.

Das ist nun fünf Jahre beziehungsweise viereinhalb Staffeln her. Seitdem bekamen Serien-Fans zu sehen, wie aus dem Vorstadtspießer Walter ein gefürchteter Drogenkoch wurde. Er besiegte den Krebs und ließ ein Drogenkartell hochgehen. Er hat mit seiner blauen Wunderdroge Millionen gescheffelt. Auf den ersten Blick hat es Walter geschafft: Er ist reich, gesund und nicht im Gefängnis.

Doch dafür hat er einen hohen Preis bezahlt: Der Verfall des Walter White ist auch ein körperlicher. Ist er in der ersten Staffel mit seinem akkurat gestutzten Schnurrbart noch vital, wirkt er nach der ersten Hälfte der fünften Staffel wie ausgemergelt. Auch die Beziehung zu seiner Frau Skyler ist zerrüttet. Mehr noch: Als sie hinter das Geheimnis ihres Mannes kommt, wird sie zur Mittäterin und beginnt ebenfalls, ihre Freunde und Familie zu belügen. Auch sie wird von der Spirale des Misstrauens mitgerissen, die nur eine Richtung kennt: nach unten. Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis in "Breaking Bad": Das Böse steckt in uns allen.

Verführt von der Macht

Lange Zeit redet sich Walter seine Verbrechen schön. Er tue das alles nur, um seine Familie zu beschützen, schwört er immer wieder. Doch der Zuschauer weiß: Er macht sich nur etwas vor. Längst hat er die Kontrolle über sich verloren. Er wurde vom Geld und der Macht verführt. Obwohl sich in seinem Haus die Geldbündel stapeln, kann Walter nicht aufhören. Er ist benebelt von der Gier nach Anerkennung. Nun, nach all den unterforderten Jahren, in denen er mit Nichtachtung abgestraft wurde, kann er sein Genie zeigen. In diesen Momenten blitzt sein wahres Antlitz hinter dem gekränkten Ego hervor. Um sein Ziel zu erreichen, musste Walter über sich hinauswachsen - und verlor dadurch den letzten Rest seiner Menschlichkeit. Am Ende schreckt er nicht einmal davor zurück, Kinder zu ermorden.

Kann man so eine Figur überhaupt mögen? Auch das ist ein Rätsel von "Breaking Bad": Die Serie steckt voller widerlicher, unsympathischer Charaktere. Es gibt kein Gut und kein Böse. Der Zuschauer bleibt zwiespältig zurück: Man will die Figuren verachten, und doch hofft man insgeheim, sie mögen mit ihren Drogendeals irgendwie durchkommen - so dass sich danach alles zum Guten wende.

Trotzdem ist "Breaking Bad" zutiefst moralisch. Vince Gilligan, Erfinder der Serie und nach eigener Auskunft strenger Katholik, lässt seine Figuren nicht ungeschoren davonkommen. Seine Botschaft: Man muss für die schrecklichen Taten auch die Verantwortung übernehmen, selbst wenn sie aus guten Gründen geschehen sind. Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel.

Die Schönheit des Ekels

Dass die Serie ein weltweiter Erfolg ist, liegt nicht nur an den Schauspielern - Bryan Cranston gewann als Walter White dreimal in Folge den begehrten Emmy -, sondern auch an der beeindruckenden Kameraarbeit von Michael Slovis. Ihm gelingt es mühelos, zwischen den endlosen Weiten des tristen New Mexicos und der beklemmenden Enge des Wohnwagens, in dem Jesse und Walter zu Beginn der Serie zum ersten Mal Crystal Meth kochen, hin- und herzuspringen. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Farben. "Es geht nicht darum, es wie die Realität aussehen zu lassen, sondern eine Emotion hervorzukitzeln", sagte Slovis in einem Gespräch mit dem US-Techmagazin "Wired". Ihm gelingt es, die Schönheit zwischen all dem Ekel zu zeigen.

Nun, zum Auftakt der letzten halben Staffel, wird noch einmal alles auf den Kopf gestellt. Der Graben zwischen Walter und Jesse, den einstigen Partnern, ist unüberbrückbar. Sie misstrauen sich, und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann einer den anderen erledigt. Skyler kämpft wie eine Löwin um ihre Familie, Walter ums nackte Überleben. Nicht nur der Krebs ist zurückgekehrt, auch sein Schwager von der Drogenfahndung ist ihm auf die Schliche gekommen. Das Schicksal von Walter dürfte besiegelt sein. Und eines ist sicher: Das wird böse enden.

Die letzten Folgen von "Breaking Bad" laufen ab 13. August immer dienstags um 21 Uhr in englischsprachiger Originalversion auf dem Bezahlsender AXN. Ab 9. Oktober startet um 21 Uhr die deutsche Synchronfassung.