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"Britain's Got Talent": Mädchen sitzt nach Anschlag im Rollstuhl – und begeistert bei Castingshow

Die 13-jährige Holly Booth wurde beim Terror-Anschlag in Manchester 2017 schwer verletzt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Elf Monate später rührt sie bei der britischen Castingshow "Britain's Got Talent" mit ihrer Hip-Hop-Crew alle zu Tränen.

Von Linda Göttner

Sie sind eine Gruppe guter Freundinnen, die gerne zusammen Hip-Hop tanzen und ihr Talent bei der britischen Castingshow "Britain's Got Talent" unter Beweis stellen wollten. Ein Traum, den viele Teenager haben. Doch die Performance der Gruppe Rise ist außergewöhnlich: Da die 13-jährige Hollie Booth im Rollstuhl sitzt, integrieren die anderen Tänzerinnen sie einfach in die Choreographie, indem sie selbst mit Rollstühlen tanzen. Mit ihrem Auftritt machen sie auf Hollies tragisches Schicksal aufmerksam. Vor elf Monaten wurde das Mädchen bei einem Terror-Anschlag im Konzert der Popsängerin Ariana Grande in Manchester schwer verletzt und sitzt seither im Rollstuhl.

Der Bombenanschlag veränderte Hollies Leben

Der Konzertbesuch war eine Geburtstagsüberraschung für Hollie, wie ihre Mutter Claire in der Fernsehshow erzählt. Gemeinsam mit ihrer Tante Kelly wollten die beiden die Sängerin live in Manchester sehen. Nach dem Konzert gab es im Foyer der Arena eine Explosion, durch die Hollie Brüche im Bein, Knie und Fuß sowie eine Beschädigung der Nerven erlitt. Sie musste bis heute elf Operationen durchstehen und kann mit dem linken Bein nicht ohne Schiene laufen. 23 Stunden nach der Tragödie erfuhren Mutter und Tochter außerdem, dass Kelly in der Arena verstorben war.

Ihre große Leidenschaft für das Tanzen wollte die 13-Jährige aber trotz körperlicher Einschränkung nicht aufgeben. Wenige Tage nach dem Vorfall habe sie die Ärzte gefragt, wann sie wieder tanzen könne, erzählt sie in der Show. Bei ihrem Wunsch wollten ihre Freundinnen sie unbedingt unterstützen und überlegten sich die beeindruckende Choreografie. "Wir tun das für uns, wie tun das für Hollie, wir tun das für Manchester – und für jeden", sagt ein Mädchen der Gruppe zur Jury. Für Hollie war das Casting nicht nur eine tänzerische Herausforderung – die Show fand auch in Manchester statt. Eine Stadt, in die es Hollie nicht leicht fällt zurückzukehren.

Die Mädchen begeistern mit starker Performance

Die Tanzgruppe, die aus Mädchen von 10 bis 24 Jahren besteht, trägt bei ihrem Auftritt T-Shirts mit einem Aufdruck der Arbeitsbiene von Manchester, die während der industriellen Revolution als Motiv der Arbeiter entstand, aber auch nach dem Anschlag zum Zeichen gegen Terrorismus wurde. Auf der Biene stehen die Wörter "Hoffnung", "Stärke" und "Frieden".

Als die Musik einsetzt, geht bereits ein Raunen durch den Saal – der Song ist von Ariana Grande. Und auch die Choreografie sorgt für Aufsehen, denn alle Mädchen zeigen ihre Hip-Hop-Moves im oder mit einem Rollstuhl. Hollie sitzt in der Mitte der Bühne und steht in kurzen Momenten sogar auf. So schaffen die Mädchen es, sie mit ihren körperlichen Bedürfnissen zu integrieren und zeigen, dass die Tragödie sie zusammengeschweißt und stark gemacht hat.

Die Jury ist begeistert

Von der Performance sind alle vier Jury-Mitglieder ergriffen und würdigen vor allem den Zusammenhalt der Gruppe. Der Schauspieler und Autor David Walliams sagt: "Es ist ein Zeugnis eurer unglaublichen Freundschaft." Schauspielerin Amanda Holden ermutigt sie: "Mädchen, es ist so wichtig, sich nicht von eine Tragödie beherrschen zu lassen, sondern daran zu wachsen." Und natürlich stimmen alle Juroren dafür, die Gruppe in die nächste Runde zu lassen. Die Mädchen sind außer sich vor Freude, die eine oder andere vergießt ein paar Tränen. Das Video des Auftritts wurde bei Youtube bereits über 1,6 Millionen mal angeschaut.