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"ZDF Magazine Royale" Alles total nice in Dubai – oder doch nicht? Böhmermann nimmt das Influencer-Paradies ins Visier

In der jüngsten Ausgabe des "ZDF Magazine Royale" hat es Jan Böhmermann auf die Dubai-Influencer abgesehen
In der jüngsten Ausgabe des "ZDF Magazine Royale" hat es Jan Böhmermann auf die Dubai-Influencer abgesehen
© ZDF Magazine Royale / ZDF
Einen Influencer nach dem anderen zieht es nach Dubai – aber warum? Darüber wundert sich Jan Böhmermann in seiner neuesten Sendung. Und entlarvt genüsslich nicht nur die naiv-dümmlichen Instagram-Videos.

Es ist ein auffälliger Trend. Immer mehr Influencer posten plötzlich ihre Videos aus Dubai, statt aus Wanne-Eickel. Warum ist das so, wundert sich Jan Böhmermann in der neuen Ausgabe des "ZDF Magzin Royale". Und zeigt mit viel Humor das Grauen hinter der glitzernden Fassade.

Denn natürlich sind Simon Desue, Sami Slimani, Georgina Fleur und die ehemalige Bachelor-Kandidatin und Playboy-Model Sarah Nowak, die nun Sarah Harrison heißt, nicht aus Zufall alle in kürzester Zeit in den arabischen Wüstenstaat gezogen. "Vor 70 Jahren sah Dubai noch so aus, wie Hannover heute: eine mitleiderregende Favela mitten im Nirgendwo, in die Sami Slimani und die Harrisons bestimmt nicht so gerne gezogen wären", erklärt Böhmermann.

Flucht vor Zensur oder Steuersparmodell?

Vordergründig geht es den Neu-Dubaiern um die klassischen Influencer-Dinge: Alles sei total nice, schwärmen sie in den Videos über das Wetter, die Hotels und die vielen tollen Locations. Und man könne endlich die Videos so machen wie man wollte, schimpft Simon Desue. Zuhause sei er von der Stadt Hamburg angegangen worden. Zur Erinnerung: Desue hatte in Hamburg rechtliche Probleme, weil er einen Prank mit Falschgeld ausprobiert hatte. "In Hamburg darf man nicht mal mehr Straftaten vortäuschen? Willkür, Unrecht, Zensur!", feixt Böhmermann zu seiner Beschwerde.

Den meisten Influencern dürfte es nach Böhmermann um etwas ganz anderes gehen: Sie sparen Steuern. "Während Influencer Steuern zahlen müssen, als würden sie ganz normal arbeiten gehen, sieht das in Dubai ganz anders aus." Es gebe in dem Emirat weder eine Einkommens-, noch eine Unternehmenssteuer, klärt er auf. "Mit deutscher Reichweite in Dubai Geld verdienen, aber keine Steuern zahlen" - so machten es die "Kooperations-Kackflöten" richtig, stichelt der Moderator.

Gleichzeitig würde auch Dubai profitieren. Weil die Influencer mit ihren Pose-Videos das Emirat im besten Licht erstrahlen lassen, würde es auch beim deutschen Publikum als attraktives Reiseziel wahrgenommen. Und deshalb bleibt es für die Influencer auch nicht nur bei den Steuervorteilen. "Es gibts (Sic) sehr viele Firmen zum Beispiel oder Bars, Restaurants, die gerne Kooperationen mit Influencern machen wollen. Und kannst du dann sogar umsonst essen gehen", freut sich etwa Influencerin Yvonne Bar in einem Interview. "Wenn Du es drauf auslegen würdest, könntest du hier echt umsonst leben." In den kostenlosen Urlauben und Hotelbesuchen bekämen die Influencer sogar Taschengeld, berichtet eine andere.

Links ist die Spitze des Burj Khalifa über den Wolken zu sehen, rechts die Kontur vor einem Sonnenuntergang

Kostenlose Werbung für einen totalitären Staat

Und wer es noch nicht geahnt hat: "Die Sache hat natürlich einen Haken", macht Böhmermann klar. Die Influencer dürfen in dem Stadtstaat nur arbeiten, wenn sie dort eine Influencer-Lizenz beantragen - und sich damit Regeln des Emirats unterwerfen. Die haben ein klares Ziel. Das National Media Council, das die Lizenz vergibt, habe den Zweck, eine Strategie zu entwickeln, " die das positive Image der Vereinigten Arabischen Emirate stärken kann". Das wirkt sich auch auf die Lizenz aus. "Influencer, die nach Dubai ziehen, müssen sich verpflichten, ausschließlich positiv über Dubai zu reden", schließt Böhmermann. 

Den Influencern wird nicht nur "unsittliches" Verhalten wie Küsse in der Öffentlichkeit, Fluchen, anzügliches Tanzen oder Homosexualität verboten, sondern auch Kritik am Staat. Das ist insofern besonders problematisch, weil Dubai ein ausgeprägtes Problem mit Menschenrechtsverletzungen hat. Immer wieder wird der Sklaverei-ähnliche Zustand der Gastarbeiter aus ärmeren Ländern wie Pakistan kritisiert, Menschen berichten von Folter und Mord durch den Staat. Kein Wunder, dass die Influencer sich lieber tunlichst an die Vorgaben halten.

"Niemand muss sich wegen ein paar Geschenken, ein bisschen umsonst Essen, ein paar nicen Fotos am Wasser einem Unrechtsstaat wie Dubai unterwerfen." Sein Gegenvorschlag: Der Influencer-Hotspot Bremen. Dafür konnte er sogar "das Oberhaupt des Bremer Herrscherhauses", den Bürgermeister Andreas Bovenschulte, für sich gewinnen. Das "Dubai des Nordens" wartet.

Quelle:ZDF Magazn Royale


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