Moderatorencheck: Bruce Darnell "Sei einfach du!"


Ob die ARD solche Formate braucht, ist fraglich. Und auch die Quoten sind noch nicht der Bringer. Aber eines muss man Bruce Darnell lassen: Mit seiner Styling-Show bringt er unverstellte Menschlichkeit ins Fernsehen.
Von Michael Rossié

Man kann sich richtig vorstellen, wie sich die Verantwortlichen der ARD nägelkauend um einen Fernseher versammelt und sämtliche Straßenfeger der privaten Konkurrenz angeschaut haben, um endlich zu erfahren, woher der Zeitgeist weht. Herausgekommen ist ein Format für die junge Zielgruppe, das auch nicht gerade die ganz frische Brise ist: "Bruce - Eure Styling-Show". Doch die Einschaltquoten sind mau und die Ratlosigkeit ist groß.

Ob es wirklich die Aufgabe der ARD ist, solche Sendungen zu machen und ob es wirklich sinnvoll ist, unsere Fernsehgebühren dafür einzusetzen, sämtliche Bushaltestellen der Republik mit Bruce-Plakaten zu pflastern, als sei ein Außerirdischer gelandet, das sei dahingestellt. Aber wenn es denn unbedingt eine Styling-Show sein muss, dann ist Bruce keine schlechte Wahl.

Eigentlich passt dieser Bruce Darnell nicht ins Deutsche Fernsehen, weil es Moderatoren, die echt sind, bei uns eigentlich nicht (mehr) gibt. Beim ihm gibt es keinen Teleprompter, kein Ablaufen von festgelegten Stellungen, kein dauerndes "Herzlich willkommen" und kein vertrauliches Augenklimpern nach einer wichtigen Feststellung. Der Mann ist anders. Manchmal versteht man ihn nicht, aber Bruce schert sich nun mal nicht um Kamerastellungen und Tonprobleme infolge von Umarmungen - oder gar um korrektes Deutsch. Er folgt einfach seinen Gefühlen. Bruce weint so wie Dieter Bohlen lästert. Wobei in seinem Fall die Texte nicht von Autoren stammen.

Er hört zu, und in Allerweltsätzen wie "Das macht mir jetzt echt Spaß!" oder "Niemand ist perfekt!" kann ich keine Schauspielerei entdecken. Das ist nicht gelangweilt dahingesagt. Die Sätze klingen glaubhaft, weil er sie so meint. Ob tanzend oder bei der Kissenschlacht, Bruce ist, wie er ist. Originalzitat: "Es gibt Leute, die mich mögen und welche, die mich nicht mögen. Das ist einfach vom Leben einfach." Ja, so einfach ist es wohl wirklich.

Wo in anderen Formaten ununterbrochen mechanisch Schultern geklopft werden, wird bei ihm liebevoll umarmt, richtig geküsst, und das alles freiwillig, ohne Posing für die Kamera. Die Zuneigung scheint gegenseitig: Ob Assistentin oder Kandidatin - alle mögen ihn. Und haben, wie es aussieht, auch noch richtig Spaß dabei. Sein Denglisch ist auf dem besten Wege Kult zu werden ("Graue Maus goes fashion!"), und er sieht einfach verdammt gut aus.

Natürlich unterläuft ihm hin und wieder noch ein Anfängerfehler: Er kündigt ständig an, was er jetzt gleich tun wird ("Wir gehen heute tanzen!" "Ich geh jetzt mal zu Elke!"), die Begrüßung ist ermüdend gleichförmig ("Wie geht es dir? - "Gut!") und die Wörter "super", "Baby" und "Arsch" ("Die Frau braucht ein Kick im Arsch!") kommen eindeutig zu häufig vor. Die gestellten Szenen mit seiner Stylistin und seiner Visagistin sind genauso abgedroschen wie deren Statements ("Man ist allein sehr schnell verloren.") und unterscheiden sich in nichts von den Haus-, Lebens- oder Gesichtsverschönerern der privaten Konkurrenz.

Was Bruce von dieser unterscheidet, ist, dass er nichts davon hält, sich zu verbiegen. Die Empfehlung zu einer Diät oder einer Brustoperation würde man aus seinem Mund nie hören. Statt "Streng dich an und werde!" heißt es bei ihm: "Sei einfach Du!" Diese Botschaft, die man vor allem Jugendlichen in Bezug auf den eigenen Körper nicht oft genug wiederholen kann, macht ihn sehr sympathisch. Ganz abgesehen davon, dass die vier Frauen nach der Show wirklich toll aussahen. Was man von so mancher Wohnung, die im Privatfernsehen verschönert wurde, nicht sagen kann.

Im Zweifelsfall ist mir dieses Format viel lieber als "Germany's next Topmodel", wo ein Supermodel und ein Booker, die in ihrem Leben keinerlei Ausbildung gemacht haben, dauernd junge Menschen anfeuern, mehr zu leisten und härter zu arbeiten. Wobei am meisten Punkte nicht die Beste erhält, sondern wer am besten pariert. Fazit: Wer zum Abendessen glotzen muss, hat von Bruces Styling-Show mehr als von jeder Soap.


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