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Neue Folgen von "Der Tatortreiniger": Danke, NDR, für die tolle Serie!

Drei neue Folgen der Serie "Der Tatortreiniger" sendet der NDR ab heute Abend. Grund, dem Sender zu danken - er allein hat dieses Produkt zum Erfolg geführt. Durch einen Trick aus der Marktwirtschaft.

Ein ironischer Brief von Carsten Heidböhmer

Lieber NDR,

ich möchte dir mit diesem Brief meine Bewunderung aussprechen dafür, dass du die Serie "Der Tatortreiniger" zum Erfolg geführt hast. Ein wahres Meisterstück. Bei jeden anderen Sender wäre das doch ein Rohrkrepierer geworden: Ein durchschnittlicher Mann betritt ein Haus, überall Blutspritzer, und beginnt den Teppich zu reinigen. Eine mühsame, eintönige Beschäftigung. Zwischendurch lenken ihn immer Menschen von der Arbeit ab, sodass der Reinigungsprozess unnötig herausgezögert wird. Mitunter muss der Zuschauer auch lachen, was ein denkbar unangemessenes Verhalten ist - schließlich ist hier gerade jemand gestorben. Am Ende packt der Mann seinen Koffer und geht.

Das ungefähr beschreibt den Inhalt der Serie. Wer würde sich ein solches Programm freiwillig ansehen wollen? Eben. Das würde noch nicht einmal mit George Clooney funktionieren - geschweige denn mit Bjarne Mädel. Nun hast du, lieber NDR, aber das Kunststück fertiggebracht, dieses Konzept in ein Kultobjekt zu verwandeln. Menschen im ganzen Land sprechen darüber, freuen sich auf die Ausstrahlung, programmieren ihre Festplattenrekorder, verabreden sich zum gemeinsamen gucken. Wie ist das nur möglich?

Die Antwort ist einfach: Künstliche Verknappung lautet das Zauberwort. Der NDR beherrscht alle Tricks des Kapitalismus, dessen vorherrschende Eigenschaft es ist, den Menschen Dinge anzudrehen, die schlecht sind und die sie in Wahrheit gar nicht brauchen.

Irgendein Blogger findet sich immer

Im Fall des "Tatortreinigers" sah das ausgefuchste Konzept so aus: Man strahlt die ersten vier Folgen im Nachtprogramm aus, nicht vor 3.30 Uhr, damit auch wirklich niemand wach ist. Dann wartet man - irgendein Blogger findet sich immer, der die Sendung toll findet und sich dafür einsetzt. Dann kommen die "Experten" vom Adolf-Grimme-Institut ins Spiel, die schon immer Schrott mit Kunst verwechselt haben. Die nominieren den Quatsch, geben ihm auch noch den Preis - und schon werden andere Jurys nachziehen.

Damit war der Boden für den Kultstatus bereitet. Du hast nun nicht den den Fehler gemacht, zu schnell die wachsende Nachfrage zu bedienen. Du hast dich einfach unbeeindruckt gezeigt und angekündigt, lediglich drei weitere Folgen produzieren zu wollen. Ist doch logisch: Wäre die Blaue Mauritius so wertvoll, wenn es Hunderte davon gäbe? Na also.

Leider bist du, lieber NDR, im Laufe der Zeit doch etwas nachgiebig geworden, sodass heute Abend bereits die achte Folge läuft. Und das im dritten Jahr! Da droht die Gefahr einer Inflation. Aber keine Angst, du hast dann ja auch auf diese Herausforderung eine passende Antwort gefunden. Um die Attraktivität der Ausstrahlung zu schmälern, klatschst du zunächst eine alte Folge davor. Es gibt bestimmt ein paar Zuschauer, die dann ausschalten, weil sie den Inhalt schon kennen. Denen kannst du dann später besser das Geld für die DVDs aus der Tasche ziehen. Immerhin 40.000 Menschen sind darauf reingefallen und haben die DVD-Box zur ersten Staffel gekauft.

Standhaft bleiben!

Wie der Presse zu entnehmen ist, werden jetzt Schauspieler Bjarne Mädel und Regisseur Arne Feldhusen ob des großen Erfolges aufmüpfig. Sie fordern eine festen Sendeplatz über eine längere Strecke und mehr Drehtage. Wo kommen wir denn dahin!

Lieber NDR, bitte bleib standhaft. Gut, die beiden haben zwar die Serie erfunden, aber wie oben geschildert wäre das Konzept ohne dein Zutun ein Debakel geworden. Also keine falsche Bescheidenheit: Die Zuschauer, Experten und Kreativen irren, Ihr dagegen macht alles richtig.

Weiterhin viel Erfolg beim Entwickeln und Verstecken spannender und kreativer Formate wünscht

Carsten Heidböhmer

Der NDR sendet vom 7. bis 9. Januar jeweils ab 22 Uhr drei neue Folgen der hervorragenden Comedy-Serie "Der Tatortreiniger" - allerdings im Doppelpack mit drei alten Folgen.

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