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Rassismusvorwurf: Chris Rock macht sich über Asiaten lustig

Er sollte die Oscars retten: Moderator Chris Rock kritisierte bei der Verleihung der Academy Awards humorvoll die Diskriminierung von Schwarzen. Doch seine Asiatenwitze bringen ihm jetzt selbst Rassismusvorwürfe ein.

Chris Rock

Nicht alle seine Gags zündeten: Chris Rock moderierte am Sonntagabend die Oscar-Verleihung.

Es war das zentrale Thema des Abends: Die Benachteiligung von Afro-Amerikanern bei der Oscar-Verleihung. Kein einziger schwarzer Schauspieler war in diesem Jahr für eine Trophäe nominiert worden. Boykottaufrufe und massive Kritik an der Academy of Motion Picture Arts and Sciences waren die Folge. Doch die hatte zum Glück einen Retter: Moderator Chris Rock machte sich in der Show auf bissige Weise über die Diskriminierung von Schwarzen bei den Oscars lustig. Doch plötzlich steht er selbst in der Kritik, ein Rassist zu sein.

Oscars: Chris Rock macht sich über Asiaten lustig

Auslöser ist ein Gag zu Beginn der Veranstaltung. Rock stellte Mitarbeiter der Firma PricewaterhouseCoopers vor, die im Auftrag der Academy die Abstimmung der Academy-Mitglieder über die Oscar-Preisträger überwacht. Rock kündigte drei Angestellte der Firma mit den Worten an: "Sie schicken uns ihre am härtesten arbeitenden Mitarbeiter." Auf der Bühne erschienen dann zwei Jungs und ein Mädchen mit asiatischen Gesichtszügen. 

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Mit dem Witz wollte Rock offenbar das Klischee vom hart arbeitenden Asiaten erfüllen. Und Rock setzte noch eins drauf. "Falls sich irgendjemand über diesen Witz beschweren will - twittert einfach mit eurem Handy los - das wurde auch von diesen Kindern hergestellt“, sagte der Moderator bitterböse. Eine Anspielung auf Kinderarbeit in Asien. Doch nicht alle fanden den Asiatenwitz lustig.

Oscars

Lustig oder nicht? Chris Rock stellte diese drei Kinder als Angestellte der Firma PricewaterhouseCoopers vor.

Rock überschreitet schmalen Grat der Satire

Viele nahmen Rock beim Wort und twitterten ihre Empörung. "Wir machen uns Sorgen über Rassismus bei den Oscars, aber es ist in Ordnung, Witze über asiatische Kinder auf der Bühne zu machen?“, schrieb Blake Hounshell, Chefredakteur bei der Zeitung "Politico". "Ich glaube mein Gehirn hat einen Moment ausgesetzt. War da wirklich dieser Witz über asiatische Kinder?", fragte Justin Chang, Filmkritiker der Zeitschrift "Variety", ungläubig.

Tenor: Rock habe den schmalen Grat zwischen Satire und Beleidigung überschritten. "Selbst wenn der Erzähler mit seinem zweiten Teil versuchte, den Witz umzudrehen – der Kniff erlaubt ihm trotzdem, erst einen Asiatenwitz zu machen, um sich dann dafür zu entschuldigen", analysierte Lowen Liu im Magazin "Slate"

Nur weiße Männer lachen über Asiatenwitze

Anthony Berteaux von der "Huffington Post" erklärte, der Witz hätte weit weniger weh getan, wenn nicht nur weiße Männer im Publikum darüber gelacht hätten. Ähnlich wie bei Schwarzen sieht sich die Academy seit Jahren dem Vorwurf ausgesetzt, Schauspieler mit asiatischer Abstammung zu diskriminieren. Eine Studie der University of Southern California belegt, dass in mehr als der Hälfte der Filme, TV- und Streamingserien der vergangenen zwei Jahre kein asiatisch-amerikanischer Schauspieler mit Sprechrolle vorkam. 

Chris Rock selbst äußerte sich bislang zu den Vorwürfen nicht. Vielleicht wäre es aber an der Zeit die Verleihung im kommenden Jahr von einem asiatisch-amerikanischen Komödianten moderieren zu lassen. Denn das gab es bei den Awards auch noch nie.

mai