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"Promi Big Brother": Der angeschossene Puma und das Petting-Girl

Erst wird bei "Promi Big Brother" philosophiert, dann gefüßelt, ein bisschen geschimpft und ganz viel geraucht. Was sonst? Das Ende ist nah im Container, die Tanknadel zittert im roten Bereich.

Von Ingo Scheel

Ben Teewag und Jessica Paszka planschen bei Promi Big Brother im Pool

"Auf was für Frauen stehst Du?" Ben Teewag und Jessica Paszka planschen bei "Promi Big Brother" im Pool

Den Kopf ganz tief über den vollen Teller. Nach dem Ketchup greifen. Nur nicht auffallen, sonst fängt man sich auch gleich noch eine. Rund um den Tisch geht die Lautstärke immer höher. Du! Ich? Ja, nur Mist. Was? Jaaa! Und immer schön weitermampfen im Auge des Orkans. Frank Stäbler entpuppt sich erneut als einer der Härtesten. Der Ringer weiß, wie das ist, wenn im Trainingslager am Esstisch die Fetzen fliegen. Oder er kommt aus einem schwierigen Elternhaus. Die aneinanderrasselnden Oheime in diesem Fall: Ben Tewaag und Mario Basler. Ben Quartzright und der Teerminator. Die Yesterday’s heros of Bromance - heute ein rauchender Trümmerhaufen. Das unhappieste End seit Mathieu Carrière und Peer Kusmagk?

Da funkt dann selbst der stählerne Stäbler kurz S.O.S, wendet sich zur Kamera und vertut sich im Format: "Holt mich hier raus - die sind alle verrückt geworden". Geholfen wird ihm natürlich nicht, den Hitzköpfen ebenso wenig. "Es kotzt mich an, du rennst seit zwei Tagen wie ein angeschossener Puma rum. Dir ist die Sicherung rausgehauen", faltet der Basler den Ben. Und der tut, was er am besten kann: Stiefelt ein wenig umher, trinkt Bullenbrause zur Beruhigung und nippt am Rauchrohr wie ein Schotte, dem man den Dudelsack geklaut hat. Gestern wurden schon die Adoptionspapiere bereit gelegt, heute hat man sich schon entliebt.

Jessica reibt ihren Fuß in Ben Teewags Gesicht

Doch wie so oft gilt es auch hier, nicht die Lautstärke mit der Botschaft zu verwechseln. Fakt ist: Das Camp - schon wieder so ein Verschreiber - das Container-Drama nähert sich dem Ende und man hört die Luft förmlich entweichen. Und was kurzzeitig dem Stäbler den Fluchtreflex unter den Essensteller schiebt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als flatterhaftes Zeittotschlagen. Ben und Basler - das Duell? Von wegen - kurze Zeit später fröhnt man schon wieder gemeinsam dem Inhalieren. Noch drei Tage Container - im Geiste ritzt hier jeder Kerben in die Wand und sehnt sich nach der Welt da draußen zurück.

Alles, was noch passiert, zerfließt wie die Taschenuhren vom ollen Dalì: Erst zettelt Jessi bei Ben die große "Auf was für Frauen stehst du"-Diskussion an, um dann, als es Antworten gibt, dem armen Kerl in einem der seltenen Momente ohne E-Stift am Mund die Füße ins Gesicht zu reiben. Schönen Gruß von Dr. Scholl. Ben and Jessi need Petting Dates? Hand und Fuß hat das eher nicht. Letzte Ausfahrt Fluchtschlaf.

Apropos Dösen - eins der schönsten Bilder der gesamten Staffel liefern Cathy, Isa und Frau Ochsenknecht, als sie ihren neuen Mitbewohner, den Bernie Sanders der Staffel, Joachim Witt, empfangen: Leere Blicke wie morgens um fünf im Goldenen Handschu", irgendwo furzt eine Ratte, Cathy kratzt sich am Bein - die drei Damen vom Grill im Kriechkeller. Oh Shit, Herr Witt. Der Joachim ist da. Und keinen kümmert’s. Zumindest sein Outfit hätte ein wenig Applaus verdient. Die alte deutsche Welle sieht mit Stirnband aus wie Else Kling, die als Pia Zadora zum Fasching geht. 

Promi Big Brother, Bachelor und Co.: Das Kalkül der Reality-Shows


"Promi Big Brother": Spannung gleich null

Die Stille nach dem Hackenschuss - auch im Saale dehnt sich die Zeit, man hört förmlich Stephen Hawking Notizen in die Tastatur atmen. Die Regeln des Münzspiels, bei dem oben gegen unten antritt, hat man sich offenkundig erst im Werbeblock zuvor ausgedacht. Dafür gibt es Sendeminuten im Dutzend. Spannung gleich null. So sieht es also aus, wenn arbeitslose Schauspieler die letzten Cents für ein Paket Graubrot zusammenkratzen. Zäher wird es nur noch, als schließlich auch die Nominierungen zu so etwas wie Suspense hochgejazzt werden.

Dazwischen streut Desirée Nick noch ein paar verwaschene Viertelgags mit zittriger Stimme unters wegdämmernde Volk. Die zu kruden Schutz-Nominierungen verdrehten Auszug-Ansagen ergeben schließlich Isa und Witt als potentielle Abgänger. Doch mit der Entscheidung, also jener letzten Chance auf so etwas wie ein klein wenig Katharsis, wird es schließlich auch nichts. Stattdessen kommt SAT1 mit einem jener besonders zuschauerfreundlichen Moves um die Ecke, die auch von Call-in-boy Robin Bade stammen könnten: Heute fliegt keiner. Stattdessen immer hübsch weiter anrufen. Für ihren "Liebling“. Stößchen!