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Putin-Talk bei "Günther Jauch": Biermann erklärt, warum Hitler der bessere Diktator war

"Blutige Nachgeburt des Stalinismus": So bezeichnet Wolf Biermann Putin. Selbst Hitler sei ein besserer Diktator gewesen. Ein Fettnapf, wie er größer kaum sein könnte.

Wolf Biermann verglich in der Talk-Show von Günther Jauch Wladimir Putin mit Hitler

Wolf Biermann verglich in der Talk-Show von Günther Jauch Wladimir Putin mit Hitler

Für die einen ist Wladimir Putin ein bewundernswerter Politprofi für die anderen verachtenswerter Lügner. Für die ARD ist der russische Präsident in erster Linie ein Quotengarant. Vor einer Woche landete das Erste mit einem umstrittenen Interview, das der NDR-Journalist Hubert Seipel mit dem Kreml-Chef geführt hatte, einen Volltreffer. Mehr als sechs Millionen Zuschauer schalteten ein. Günther Jauch, in dessen Sendung das Gespräch ausgestrahlt worden ist, war der Profiteur. Das Putin-Interview machte die Talk-Runde zu einem solchen Quotenrenner, dass die ARD an diesem Sonntag nachlegte und das Thema wieder auf die Agenda hob.

"Antwort an Putin: Nachgeben oder Härte zeigen?", war die zu debattierende Frage der Sendung. Und da die ARD wohl am liebsten erneute Vorwürfe "Putins Kreml TV" zu sein, vermeiden wollte, lud man den Putin-Kritiker und Bürgerrechtler Wolf Biermann ein. Der Liedermacher, der keine Wortgefechte scheut, setzte aber lieber auf Hitler-Vergleiche als auf Sachlichkeit.

"Putin ist nach meiner Meinung der einzige wirkliche Feind, den Russland hat. Er ist es, der das Land zu einem Rohrstofflieferantenland heruntergedrückt hat. Er hat es versäumt, eine moderne Wirtschaft aufzubauen. Er ist nicht mal fähig, wie Adolf Hitler, eine Autobahn zwischen Sankt Petersburg und Moskau zu bauen", posaunte Biermann bei "Günther Jauch" in die Welt hinaus.

Hitler schweißt Russen zusammen

Hitler? Autobahn? Da war doch was. Biermann bemüht - wie so viele vor ihm auch schon - diesen unsäglichen Vergleich. Über Jahrzehnte hinweg werden die Autobahnen nach wie vor von scheinbar Unbelehrbaren Hitler zugutegehalten. Motto: "Man mag ja sagen, was man will, aber wenigstens hat Hitler für uns die Autobahnen gebaut." Falsch. Hitler hat die Autobahnen nicht für die deutschen Bürger und ihre Mobilität gebaut, sondern für deutsche Panzer und Springerstiefel.

Biermann ist nicht der erste, der Putin mit Hitler vergleicht. Auch Wolfgang Schäuble oder Prinz Charles wagten dieses Gleichnis. Putin wird wohl noch eine ganze Weile russischer Präsident bleiben. Wer Lösungen finden und weiteres Blutvergießen in der Ukraine verhindern möchte, muss deshalb "mit dieser Tatsache umgehen, muss einen Draht suchen, darf den Dialog nicht abbrechen, sondern muss ihn immer wieder führen und am Ende Lösungen suchen, die für beide tragfähig sind", wie der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, bei Jauch feststellte.

Putins Beliebtheit bei der Bevölkerung ist einer der Stützpfeiler seine Macht. Hitler-Vergleiche schweißen das Volk und den Präsidenten, der auch Familienangehörige im Zweiten Weltkrieg verloren hat, nur stärker zusammen. Biermann glaubt indes: "Nach meiner Meinung hat Putin nur einen wirklichen Feind, vor dem er Angst haben muss. Und das ist nicht der Westen, keine Nato und nichts. Sondern er hat Angst vor seinem eigenen Volk." Mag sein, aber Hitler-Vergleiche dürften diesen Feind Putins eher zu einem Feind des Westens machen.

Eine Art Entschuldigung für seine Äußerungen lieferte Biermann schon im Vorfeld seiner Tirade selbst: "Ich bin im Grunde zu heftig in meinem Herzen und zu schwach in meinem Verstand, um etwas Gutes liefern zu können." Vielleicht hätte Günther Jauch ihn schon hier unterbrechen sollen.

Ellen Ivits