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Satiresendung "heute-show": Nazi-Posse macht dem ZDF Ärger

Ein Beitrag der "heute-show" beschäftigt das Justiziariat des ZDF. Dort lud ein Film zur "Glatzensafari" unter Neonazis. Zwei Männer fühlen sich erkannt - und machen ihrem Ärger in der Presse Luft.

Von Volker Königkrämer und Daniel Regnery

Eigentlich war alles wie immer bei diesem typischen Beitrag von Martin Sonneborn für die "heute-show" des ZDF: Arglose Passanten wurden auf der Straße vom ZDF-Mann für eine "Glatzensafari" durch Brandenburg angesprochen. Versprochen wurden "Nazi-Tourism", "Glatzen in freier Wildbahn" und als Höhepunkt "eine Glatze zum Anfassen".

Per Range-Rover ging es dann auf "Pirschfahrt". Sonneborn kommentierte launig im Stil eines Reiseleiters, auf der Rückbank machten zwei hilflos-irritierte Asiatinnen Fotos mit dem Smartphone und fragten in gebrochenem Deutsch "itt dasse gefahrlick"?

Zwei Union-Fans fühlen sich verunglimpft

Nein, gefährlich war das eigentlich nicht. Inzwischen haben sich jedoch via "Bild" zwei Männer aus der Fan-Szene des Fußball-Zweitligisten Union Berlin zu Wort gemeldet, die sich durch den Film als Nazis verunglimpft fühlen.

In der Tat waren die beiden in dem Film zu sehen, unterlegt mit dem bösen Kommentar ... "und sie haben ganz kleine Schwänze". Die Gesichter der Männer waren stark verpixelt, um sie unkenntlich zu machen. Trotzdem haben die beiden inzwischen einen Anwalt eingeschaltet, weil sie fürchten, durch ihre Fanjacken erkannt zu werden. Der Anwalt erwägt rechtliche Schritte, wie er in "Bild" ankündigt: "Ich bin dabei zu prüfen, dass wir vom ZDF eine Gegendarstellung, Schmerzensgeld wegen der Verletzung des Rechts am eigenen Bild sowie eine Unterlassung der Ausstrahlung des Bildmaterials in weiteren Sendungen fordern. Die Anzeige wird von der Polizei und Staatsanwaltschaft bearbeitet." Auch zivilrechtliche Ansprüche will der Jurist prüfen, schließlich gehe es um den "Ausgleich von Nachteilen".

Klingt nach einer ziemlichen Posse - und ist es womöglich auch. Schließlich posieren die beiden vermeintlichen Opfer, es handelt sich um Vater und Sohn, bereitwillig auf einem Foto für die "Bild", was ihrer Anonymität nicht eben zuträglich gewesen sein dürfte. Am Freitagmorgen gab es bei "Bild.de" einen Nachschlag, weil die Fassade des Hauses, in dem die beiden wohnen, mit der Parole "Nazis raus" beschmiert worden war. Und wieder gibt der Vater gerne Auskunft: "Meine Freundin ist mit den Nerven runter. Mein Sohn darf seine Töchter nicht mehr sehen. Seine Ex-Frau will einen Beweis dafür, dass er kein Nazi ist. Dabei sind wir keine Neonazis, wird sind Unioner. Diese Scheiße kommt nur durchs ZDF."

ZDF: Wir prüfen die Vorwürfe

Dort geht man - Posse hin, Posse her - mit dem Fall professionell um: "Wir befinden uns derzeit in der Prüfung der Vorwürfe. Vorsorglich haben wir den satirischen Beitrag aus der Mediathek und von Youtube entfernt und werden bis zum Abschluss der Prüfungen von Wiederholungen der Folge absehen", heißt es in einer Stellungnahme aus Mainz. Bislang sei dort jedoch noch keine konkrete Forderung eingegangen.

Und auch in der Fanszene von Union sieht man den Vorgang mehr oder weniger gelassen. Zwar gibt es Stimmen, die sich darum sorgen, dass der Verein in ein völlig falsches Licht gerückt wird. Doch eine Welle der Empörung schwappt nicht gerade durch das populärste Fan-Forum des Vereins. "Ziemlich billig", urteilt ein Fan und führt weiter aus: "Bin mir gar nicht sicher, ob man deswegen überhaupt einen Aufstand machen sollte". Ein anderer bringt die Sache auf den Punkt: "Ich finde die Anzeige eher peinlich."

Von:

und Daniel Regnery