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TV-Kritik "Schlag den Raab" Raab trickst sich zum Sieg wie der FC Bayern


Haben Sie den geschenkten Elfer bei Bayern gegen Augsburg gesehen? Mit ähnlichen Tricks erspielte sich Stefan Raab den Sieg bei "Schlag den Raab". Für Kandidat Robert war das schlecht, für die Zuschauer super.
Von Andrea Zschocher

"Schlag den Raab" ist zurück. Aber nur kurz, denn es werden noch drei Ausgaben folgen, dann ist auch diese ProSieben-Show Geschichte. Nach der gestrigen Ausgabe muss man sagen: Leider.

Als "Champions League aller Spielshows" wurde "Schlag den Raab" im Trailer angekündigt, und auch, wenn das vielleicht ein bisschen dick aufgetragen ist, dieses Ausgabe machte Spaß. Weil sie alles vereinte: Einen verzweifelten Stefan Raab, spannende Spiele, einen guten und einen sehr schlechten Musikact und eine Toilettenpause die zeigte: Das hier ist wirklich live.

Toilettenpause für alle 

Zu besagter Pinkelpause kam es, nachdem Moderator Steven Gätjen das Spiel Nummer 10, Skateboard-Ball, angekündigt hatte. Raab fragte "Kann ich kurz raus? Ich muss was erledigen!" und zog seines Weges. Als Gätjen Kandidat Robert fragte, ob dieser die Gelegenheit vielleicht auch nutzen möchte, wollte dieser zunächst höflich bis zur nächsten Werbepause abwarten. Die sind schließlich lang genug für mehrere solcher Besuche auf dem stillen Örtchen. Da aber nicht klar war, wie viele Minuten bis dorthin noch vergehen, rannte Robert doch aus dem Studio um es Stefan Raab gleichzutun. 

Robert Klauß, 30 Jahre alt und Diplom- Sportlehrer aus Leipzig war der Kandidat, der sich gegen einen Schuhverkäufer, eine Biologin, einen Pastor und einen Finanzbeamten durchgesetzt hatte. Leider ist das auch fast alles, was es über den "Schlag den Raab"- Teilnehmer zu berichten gab, denn er blieb reserviert, auf die Spiele fixiert, konzentriert. Kaum eine menschliche Regung von Klauß, der die ersten vier Spiele gewann und sich bis Spiel neun durchaus wacker schlug. Während vorherige Kandidaten lange im Gedächtnis bleiben, wird dieser schon am Montag vergessen sein. Vor Gesprächen mit Gätjen flüchtete er auf die Toilette, auf Gesprächsangeboten von Raab ging er nicht ein. Robert Klauß mag auf die 500.000 Euro Preisgeld fixiert gewesen sein, aber die Mischung aus Arroganz und Überheblichkeit, die er an den Tag legte, machten ihn zu einem unsympathischen Verlierer der Show. 

Stefan Raab ist Herr seiner Show

Die angesprochenen Werbepausen sind, das ist hinlänglich bekannt, bei "Schlag den Raab" stets ausufernd lang. Im Vorfeld, quasi als Einstimmung auf die Werbung, wurden unter allen Anrufern, die eine lächerliche Quizfrage beantworteten, Handys und ein Auto verlost. Wieder und wieder preiste Steven Gätjen also das Auto mit all seinen Vorzügen an. Sogar über eine "Sitzheizung vorn" würde das Auto verfügen, las der Mann vor.  Irgendwann wurde das selbst Stefan Raab zu bunt und so monierte er, "Was? Nur vorne? Das ist aber geizig! Ich lege Ihnen noch eine Wärmflasche für hinten oben drauf!" Im weiteren Verlauf der Sendung wurden so stets auch die Wärmflaschen als Gewinn angepriesen. Ein kleiner Moment, der aber zeigte: Raab ist zurück und er will die verbleibenden Monate bis zu seinem Abschied von Pro Sieben das machen, worauf er Lust hat.

Wenig Lust auf seine musikalische Darbietung hatte offensichtlich Rapper Sido, der gemeinsam mit Andreas Bourani seinen Song "Astronaut" live vortragen sollte. Mehrfach hatte der Berliner Textaussetzer, die er anschließend mit enthusiastischem Geklatsche zu übertünchen versuchte. Nach dem zweiten Patzer war aber klar: Der Mann hat schlicht den Text nicht drauf. Diese Aussetzer passten aber irgendwie ins Konzept der Sendung, denn selten wurde so oft der Notar bemüht wie in der 53. Ausgabe.

Notar greift mehrfach ein 

Die Störversuche von Stefan Raab sind inzwischen legendär, in jeder Ausgabe von "Schlag den Raab" versucht der Entertainer, Schlupflöcher zu finden und zu seinem Vorteil zu nutzen. Beim Spiel "Lattlschießen" gelang ihm das beeindruckend gut. Es ging darum, mit einem Eisstock auf einer Punkteskala eine möglichst hohe Punktzahl zu treffen. Im Vorfeld erfragte er bei Gätjen, ob das "eiern" des Eisstockes erlaubt sei. In dem Spiel, bei dem es maximal 12 Punkte zu erspielen gab, holte sich Raab mit dieser Technik, die ihm nicht verboten wurde, 14 Punkte. Denn er klappte statt einer, eben zwei Tafeln um. Der Notar am roten Telefon entschied: regelkonform.

An anderer Stelle, beim Spiel "Schätzen",sollten Raab und Kandidat Robert schätzen wie lang eine Minute ist. Sie hatten dazu Kopfhörer auf den Ohren und eine blickdichte Brille auf der Nase, um ihren Gegner nicht sehen oder beim Tippen hören zu können. Nach der geschätzten Minute sollten beide Kontrahenten auf den Touchscreen drücken, ein Signal würde ertönen. Wer näher an der echten Minute dran wäre, hätte gewonnen. Im ersten Durchgang drückte Raab zu früh, sein Konkurrent Robert hätte gewonnen. Aber ach, hätte, hätte. Denn Raab hatte nicht fest genug auf den Touchscreen gedrückt und so entschied der Notar: Neuer Versuch. Diesen gewann Raab. Unfair? Irgendwie schon. Aber doch auch passend. Denn der Kandidat selbst, der an mehreren Stellen auf die sehr großzügige Auslegung der Spielregeln zu Gunsten Raabs hätte hinweisen können, tat das nur einmal. In dem Moment, wo es nichts zu beanstanden gab. Bei eben jenem Schätzspiel, als beide Kandidaten die gleiche Temperatur eines Wassertanks schätzten. Im Vorfeld hatte Steven Gätjen erklärt, dass im Falle einer gleichen Schätzung derjenige, der als Zweiter den Tipp abgegeben hatte, einen neuen Tipp eintippen musste. Kandidat Robert war entrüstet, als Raab erneut schätzen sollte, weil der ja nun seinen Tipp kennen würde. Dabei war das genau der Fall, der vorher besprochen wurde. "Das ist unfair" beschwerte er sich und bekam Recht. Die Frage wurde unentschieden gewertet.

Dieser Abend zeigte vor allem die ganze Bandbreite von Stefan Raabs Emotionen. Der litt, wenn er etwas nicht wusste, raufte sich die Haare, schrie, argumentierte, versuchte zu tricksen. Weil er nicht verlieren konnte und wollte, auch, wenn es für ihn dabei nur um die Ehre, nicht aber ums Geld ging. Damit war Stefan Raab bei "Schlag den Raab" der einzige Unterhaltungsfaktor. Robert Klauß mag bei vielen Spielen ebenbürtig gewesen sein, und so zu einer guten Show beigetragen haben, der Star an diesem Abend war aber ganz klar der Raabinator. Vermutlich wollte der den Zuschauern zeigen, was sie ab Januar 2016 vermissen werden. 


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