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Sex-Skandal bei "Big Brother": Von Denkern und Lenkern

Fernab von jeglichem intelligenten Leben hausen nun schon eine volle Woche zehn Repräsentanten der Arschgeweih-Generation in der überwachten TV-Resterampe bei Köln. Doch wo bleiben die beliebten und für die TV-Quote so wichtigen Skandale? Jetzt ist es soweit. Auf diesen Skandal hätte RTL2 jedoch gerne verzichtet.

Von Katharina Miklis

Es dauerte genau sieben Tage, da hieß es für den ersten Kandidaten bereits Koffer packen. Nachdem Bewohner Adrian, 28, im Haus durch unbedachte Äußerungen zum Thema Kindersex aufgefallen war, zogen Sender und Produktionsfirma am Montag die Notbremse und schmissen ihn raus. "Im gegenseitigen Einvernehmen mit RTL2 und der Produktionsfirma Endemol", heißt es offiziell. Tatsächlich jedoch wurde der Druck in der Öffentlichkeit wohl zu groß, so dass RTL2 nichts anderes übrig blieb. Adrians Pädophilen-"Spruch" wurde bei RTL2 nie gesendet. Aber wie das halt so ist bei "Big Brother": Die Kameras laufen die ganze Zeit.

Erst denken, dann reden

Während RTL2 "nur" eine Stunde täglich aus dem Container sendet, gewährt Premiere 24 Stunden lang unzensierte Einblicke in den TV-Knast. Ungeschnitten. Dort war dann auch während eines nächtlichen Gesprächs der Kandidaten über sexuelle Vorlieben der Pädophilen-"Spruch" von Adrian gefallen. Still und leise fand der Auszug des Barkeepers am Montag statt. Da half auch die Entschuldigung im Gespräch mit Diplompsychologe Ulrich Schmitz nichts mehr: "Ich habe einen Spruch gebracht, der auf gar keinen Fall so gemeint war. Ein gedankenloser, geschmackloser Spruch. Ich glaube, dass leider in unserer heutigen Gesellschaft immer wieder geschmacklose Dinge gesagt werden, die man aufschnappt und die einem rausrutschen können. Ein Mensch ist eben nur ein Mensch und der macht auch mal Fehler. Ich wollte damit niemanden verletzen", entschuldigt sich der Barkeeper für sein Verhalten.

Erst denken, dann reden. Eine Faustregel, an die sich im Haus keiner so richtig hält. Dabei ist sie so wertvoll.

"So ne Menschen wie du da werd ich rammdösig!"

Bei der ersten Entscheidungs-Show am Montagabend ging man nicht weiter auf den Vorfall ein. Moderatorin Charlotte Karlinder eröffnete die Show mit den Worten: "Adrian hat das Haus freiwillig verlassen!" Das war's. Und dann galt es erneut, zwei Stunden Sendezeit zu füllen. Das sollte am Montagabend mit einer Schein-Nominierung geschafft werden. Ziel der Nominierung war allerdings nicht, wie den Bewohnern vorab gesagt wurde, der Auszug von zwei Kandidaten. Man wollte so nur herausfinden, wer die unbeliebtesten Personen im Haus sind. Um die Bewohner noch ein bisschen mehr gegeneinander aufzuhetzen. Doch dafür hätte "Big Brother" keine Zeit verschwenden müssen. Schon seit mehreren Tagen zeichnet sich ab, wen die Bewohner am liebsten so schnell wie möglich loswerden wollen. Das ist zum einen Marzahn-Melli, die sich vor allem bei Tänzerin Isi mit Sprüchen wie: "Du siehst aus wie 'ne Hafennutte" unbeliebt gemacht hat. Zum anderen ist es Zuckerpüppchen und Hausmuffel Rebecca, über die Wuchtbrumme Bianca sehr passend, wenn auch grammatikalisch nicht ganz korrekt urteilte: "So ne Menschen wie du da werde ich rammdösig!"

Neben dem neuen Mitbewohner Marcel gab es in der ersten "Entscheidungs-Show" dann noch das Wechselmatch. Als Gewinn lockte der Einzug in den Luxus-Bereich. Doch schon bevor es richtig losging, stießen die Bewohner an ihre Grenzen. Sie sollten zwei Kandidaten auswählen, die "klug und intelligent" sind. Wie gemein. Da war mal wieder guter Rat teuer. Am Ende des völlig verschenkten Fernsehabends zogen die "Reichen" zu den "Armen" und umgekehrt. Die unbeliebtesten Bewohner wurden auch noch bekannt gegeben. Überraschung! Es sind Melli und Rebecca. Nachdem reichlich Krokodilstränen geweint waren, zogen die beiden größten Zicken des Hauses dann aber doch nicht aus, sondern nur in eine Art Ausnüchterungszelle. Dort müssen sie auf unbestimmte Zeit aufeinanderhocken und sich Gedanken machen, warum sie so unbeliebt sind. Als wäre das nicht schon unerträglich genug, sollen sie sich auch nette Gesten und Überraschungen für ihre Mitbewohner überlegen. So lernt man fürs Leben.

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