VG-Wort Pixel

E-Bike-Test Cowboy3 – Wir sind die dritte Generation des Designer-E-Bikes gefahren

Das Cowboy wirkt, als wäre es allein von Muskelkraft angetrieben.
Das Cowboy wirkt, als wäre es allein von Muskelkraft angetrieben.
© Cowboy / PR
Aus Belgien kommt nun die dritte Generation des Cowboy-Bikes. Im Look und Konzept führt es den Weg der Vorgänger fort. Das neue Cowboy bringt Verbesserungen im Detail und einen größeren Funktionsumfang der App. Wir konnten eines der ersten Serienmodelle testen.

Zuerst einmal: Das Cowboy fährt weitgehend ohne Smartphone. Tanguy Goretti, einer der drei Gründer von Cowboy und verantwortlich für die App, sagt: "Man muss sich nicht mit unserer App beschäftigen. Du kannst das Telefon in der Tasche lassen und das Bike entsperrt sich von allein. Von Anfang an sagten wir: 'Die Unterstützung durch die App muss ganz intuitiv funktionieren.'" Wer mag, kann sich einen Halter am Lenker installieren, dann sieht man die Route und die Geschwindigkeit. Aber besser sieht es ohne Smartphone am Lenker aus.  

Das Cowboy wird von einem Motor in der hinteren Radnabe angetrieben. Der ist kaum größer als eine der üblichen Nabenschaltungen und fällt kaum auf. Von den allgegenwärtigen Mittelmotoren hält Goretti nicht soviel: "Wir wollten uns unterscheiden, also mussten wir einen anderen Weg gehen. Hätten wir Bosch genommen, hätten wir das gleiche wie alle anderen gehabt. Außerdem ist es nicht möglich, den Motor und die Boschbatterie elegant im Rahmen zu integrieren." Das Aussehen gebe den Kunden den Kaufimpuls: Das sei der Schlüssel zum Erfolg von Cowboy. Die Abstimmung wurde sehr elegant gelöst. Der Motor wirkt im Hintergrund und drängt sich nicht nach vorn. Die Illusion, nur aus eigener Kraft zu fahren, gelingt perfekt. Auch weil der Motor praktisch nicht zu hören ist. Irgendwie hat man bei Cowboy dem chinesischen Bauteil das typische Mahlen abgewöhnt. Das einzige Geräusch auf der Fahrt ist das leise Klicken des Freilaufs.

Sportlich und unaufdringlich

Das Rad selbst fühlt sich sehr leicht und agil an. Kein Wunder, es wiegt auch nur 16,9 Kilogramm. Es bringt einen in eine leichte sportive Vorlage, dabei kann man aber immer noch gut den Verkehr im Auge behalten. Das Cowboy ist mit einem geraden und schmalen Lenker ausgestattet, das trägt sehr zum sportlichen Verhalten bei. Das Rad besitzt keine Gangschaltung, beim Anfahren hilft der Motor automatisch etwas mehr. Die Abstimmung und Übersetzung reichen vollkommen aus, um auch ohne Gangwechsel bis 25 km/ h zu kommen. Im Vergleich zum Vorgänger wurde die Übersetzung etwas reduziert, um das Anfahren zu erleichtern. Das Cowboy nutzt einen modernen Antriebsriemen von Gates statt einer Kette. Kettendreck gibt es hier nicht mehr, der Riemen dürfte anders als eine Kette für die Lebensdauer des Rades halten. Der Antritt auf dem Riemen fühlt sich zudem weicher als mit einer Kette an und auch das trägt zum angenehm zurückgenommen Fahrgefühl bei.

Für die City only

Das Cowboy ist ein reines City-Rad für den urbanen Einsatz. Motor und Abstimmung sind fürs Gebirge nicht geeignet. Die mitgelieferten Reifen haben kein Profil und rufen kein Abrollgeräusch hervor. Dafür haben sie serienmäßig einen integrierten Plattenschutz. Sie sind auch nicht ultra-schmal. Sie vermitteln ein gutes und sicheres Fahrgefühl und reagieren nicht nervös. Da auch die Vordergabel nicht gefedert ist, läuft das Rad auf gedecktem ebenem Grund am besten. Losen Sand und grobes Kopfsteinpflaster mag das Rad weit weniger. Die Scheibenbremsen von Tektro sind mehr als ausreichend und da es sich um hydraulische Bremsen handelt, ist die Rückkopplung weit besser als bei mechanischen Bremsen, die immer etwas grobschlächtig einsetzen.

Abnehmbarer Akku

Im Unterschied zu anderen Designrädern kann der Akku beim Cowboy aus dem Rahmen genommen werden. "Wir konzentrieren uns auf große Städte wie Paris, Brüssel, Berlin. Unsere Kunden leben im vierten Stock, da wollen sie nicht das ganze Rad auf der Schulter rauftragen", so Tanguy Goretti. "Also muss die Batterie zum Entnehmen sein – das stand von Anfang an fest." Ein- und Ausbau gehen sehr leicht von der Hand. Das müssen sie sogar, der Akku mit einer Kapazität von 350 Wh kann gar nicht im eingebauten Zustand aufgeladen werden. Im Vergleich zu fest eingebauten Akkus muss das Cowboy daher nicht zwingend neben einer Steckdose abgestellt werden. Der Akku ist immer noch so dezent, dass man nicht auf Anhieb erkennt, dass es sich um ein E-Bike handelt. Die Reichweite beträgt bis 70 Kilometern – in der Praxis können das auch mal 50 werden. Die maximale Ladezeit beträgt 3,5 Stunden.

Das Cowboy wurde als sportliches Designrad entwickelt. Das Testmodell ist weiß eloxiert, die Oberfläche sieht traumhaft aus. Das Rad ist absolut sauber aufgebaut. Die beiden Bremsleitungen verschwinden elegant in Rahmen und Gabel. Die Eleganz verträgt allerdings nicht irgendwelche Anbauten.

Im Rahmen sind die Scheinwerfer integriert. Das Frontlicht ist ebenfalls nur für die Stadt geeignet. Es signalisiert anderen Verkehrsteilnehmern ein entgegenkommendes Rad. Lichtkegel und Ausleuchtung vor dem Reifen reichen aber nicht aus, um einen stockdunklen Feldweg mit einem guten Gefühl zu durchfahren. Dem Cowboy liegen Anstecklampen bei, doch wenn man regelmäßig eine leistungsstärkere Lichtanlage benötigt, ist das Cowboy nicht das richtige Rad.

Passt die Einheitsgröße?

Den Rahmen gibt es nur in einer Größe. Cowboy gibt an, das würde für Personen zwischen 170 bis 195 Zentimeter Größe passen. Wir würden allerdings raten, in den Randzonen der Spanne das Rad unbedingt Probe zu fahren. Auf jeden Fall sollte man die Größenangaben auf der Seite genau studieren und mit der eigenen Schritthöhe in Beziehung setzen. Mit 183 Zentimetern Größe passt das Rad jedenfalls sehr gut. Das Cowboy verwendet zudem einen handelsüblichen Lenker und Vorbau. Das heißt, hier kann der Radler mit anderen Bauteile nachrüsten. Der Lenker kann breiter werden, sich nach hinten neigen. Der Vorbau kann kürzer werden oder der ganze Lenker kann mit einem Adapter nach oben rücken. Das hört sich wenig an, aber in der Praxis verändern schon kleine Eingriffe an diesen Stellen die Haltung auf dem Rad gewaltig. So kann man, wenn der Wunsch besteht, mit wenig Aufwand das Cowboy von sportlich auf gemütlich umrüsten. Auch ohne das Rad optisch zu ruinieren.

Was kann die App?

Für Seiteneinsteiger wie Cowboy bietet die Entwicklung einer App einen großen Vorteil. Der ins Smartphone verliebte Nachwuchs wird von großen Herstellern und auch vom Marktführer Bosch links liegen gelassen. Die Boschsysteme funktionieren auch ohne Phone und bilden zudem ein geschlossenes Universum, in das sich kein Radhersteller mit eigenen Komponenten hineindrängen kann. Das Cowboy kann man mit der App sperren und entsperren. "Ich selbst finde es supercool, wenn mein Rad es bemerkt, dass ich in der Nähe bin und sich allein entsperrt und das Licht angeht", schwärmt Goretti. "Das hinzubekommen war gar nicht so einfach, schließlich läuft das System die ganze Zeit im Hintergrund – wir haben uns an der Technik gemessen, die Tesla benutzt."

Man kann das Rad auch aufspüren und einen Alarm einrichten, der losgeht, sobald das Rad unautorisiert bewegt wird. Auch dieses System läuft immer, denn es ist entscheidend, das Rad nach einem Diebstahl schnell aufzuspüren, bevor es ins Ausland verschwindet. Wenn man mag, kann man das Smartphone mit einem Halter am Rad befestigen. Dann sieht man die Geschwindigkeit bei der Fahrt und man kann sich auch eine Route anzeigen lassen. Ganz neu ist ein Alarm im Falle eines Sturzes, dann wird eine Person nach Wahl alarmiert, wenn sich der Fahrer nach dem Alarm nicht meldet. Dazu hilft die App im Falle von technischen Problemen. Ist das Fahrrad defekt, muss man nicht Wochen auf einen Termin in der Werkstatt warten. Beim Cowboy Mobile Service kommt innerhalb von drei Tagen ein Techniker vorbei und behebt den Schaden. Der Service ist aktuell in 32 Städten europaweit verfügbar, davon 14 in Deutschland. "Das ist für die Kundenzufriedenheit sehr wichtig," sagt Goretti. "Wenn ich auf das Rad jeden Tag angewiesen bin, möchte ich nicht lange warten." Dazu kann die App noch einiges anderes. Selbst die Luftqualität entlang der Route wird angezeigt.

Eins sollte man aber nicht vergessen: Wenn das Cowboy gelocked ist, macht ein Diebstahl eigentlich keinen Sinn. Aber wer würde das Rad ohne weiteres Schloss tagsüber am Bahnhof stehen lassen? Niemand. Also ersetzt die Funktion eben doch keine weitere Sicherung. Zu erwähnen wäre noch, dass die Zeiten des eingebauten Tunings vorbei sind. Bei den Vorgängern konnte man in der App einfach "USA" als Standort auswählen und schon richtete sich das Bike nach den dortigen Bestimmungen. Dann unterstützte der Motor bis Tempo 32. Das entsprach nicht den EU-Normen und wurde entsprechend abgestellt. Dafür ist das Cowboy bald über Dienstrad-Vermittler wie Jobrad zu bekommen.

Fazit

Das Cowboy ist die richtige Wahl für ein urbanes Publikum, das die Wohnung niemals ohne Smartphone verlässt. In der Stadt ist es ein angenehmer Begleiter, der einen mit der Körperkraft, die sonst für nur etwa 17 km/h ausreicht, locker auf 25 km/h bringt. Abstimmung, Laufruhe und Motorunterstützung sind gekonnt und sehr unaufdringlich gelöst. Bedingt durch den Motor gibt es allerdings nicht die unbändige Kraftentfaltung, die starke Mittelmotoren entfesseln können. Hier hat man einen schönen Rückenwind als Unterstützung, aber es gibt keinen Tritt von hinten beim Anfahren.

Das sollte man auch nicht erwarten. Das Gesamtpaket des Antriebs –Antritt, dezente Unterstützung und Lautlosigkeit der Bewegung – ist in seiner Art perfekt gelöst und spürbar besser als bei den Vorgängern. Das Cowboy kostet 2290 Euro, die eigens designten und wirklich sehr schicken Schmutzfänger kosten weitere 89 Euro.

Das ist teurer als die erste Generation vor einigen Jahren. Dennoch bleibt es ein Preis im unteren Bereich für E-Bikes. Die Preiserhöhung ist auch gerechtfertigt. Die Weiterentwicklung der App wird einen Teil der Kunden begeistern und es gibt auch mehr Rad fürs Geld: Unserem Eindruck nach wurde das Endfinish des Rades weiter verbessert. Es ist wirklich ein Kleinod. Dazu kommen die pannensicheren Mäntel, die man bei anderen Rädern meist nachkaufen muss. Größtes Plus ist aber der verschleiß- und schmutzfreie Antrieb mit einem Carbon-Riemen von Gates. Für ein Designrad die einzig angemessene Lösung.

Lesen Sie auch:

Das "Cowboy" ist das iPhone unter den E-Bikes - wir haben es ausprobiert

VanMoof S3 und X3 – das iPhone unter den E-Bikes kommt in der dritten Generation heraus

Frisierte E-Bikes – wie Tuner Hersteller wie Bosch abgehängt haben


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker