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E-Bikes im Test: Wenige Lichtblicke und viele Versager bei Warentest

Gebrochene Rahmen und Lenker, schlechte Bremsen und Störfunk – Pedelecs offenbaren teilweise eklatante Sicherheitsmängel.

Viele Räder zerbrachen beim Belastungstest

Viele Räder zerbrachen beim Belastungstest

Beim letzten Test von ADAC und Stiftung Warentest fielen Elektroräder sang- und klanglos durch. Neun von 16 untersuchten Modellen fielen mit der Note "mangelhaft" durch. Die Kunden waren geschockt. Es war ein harter Schlag für die Branche, denn beim Test fielen auch Räder renommierter Hersteller durch.

Die Branchenführer wehren sich nun gegen die negativen Testberichte. Biketec, Bosch eBike Systems und Derby Cycle werfen der Stiftung Warentest und dem ADAC schwerwiegende Fehler bei ihren Untersuchungen vor. Sie sprechen von einem "katastrophalen" Testaufbau und einer "fehlerhaften" Interpretation der Testergebnisse.

Massive Einbrüche

Der Vertrauensverlust der Verbraucher ist gewaltig. Die Hersteller des Zweirad-Industrie-Verbands schätzen, dass die schlechten Resultate den Umsatz um etwa 50 Millionen Euro haben einbrechne lassen. In der Tat waren die Ergebnisse erschreckend. Bei einigen Modellen reklamierten die Tester eine ungenügende elektronische Abschirmung. Der Funkverkehr von Rettungsdiensten könne dadurch gestört werden können, hieß es.

Richtig bedrohlich waren aber die auf dem Teststand aufgetretenen Brüche an Lenker oder Rahmen. In der Praxis treten sie plötzlich bei einer Spitzenbelastung auf, der Fahrer würde dann bei vollem Tempo stürzen. Schwere Verletzungen sind in einem solchen Fall wahrscheinlich.

Die Firmen führen an, sie hätten inzwischen unabhängige Prüfer beauftragt, die in eigenen Tests die Ergebnisse der Warentester widerlegt hätten. Erwartungsgemäß wiesen die Stiftung Warentest und der ADAC diese Kritik zurück. Die Räder seien "nach realitätsnahen Kriterien" und nach standardisierten Methoden in einem Prüflabor untersucht worden. Auch dem Vorwurf mangelnder Transparenz widersprachen die Tester. Im Vorfeld der Untersuchung sei mit Vertretern der Anbieter, neutralen Sachverständigen und Verbraucherschützern über das Prüfprogramm gesprochen worden. Es habe keine Einwände gegeben.

Einordnung fällt schwer

Der Streit der Experten lässt den Kunden ratlos zurück. Die Messwerte der Stiftung Warentest konnten andere Prüfer offenbar nicht bestätigen. Auch diese sind angesehen und unabhängig. Was nun stimmt, ist unklar. Doch wie es aussieht ist das elektronische Störfeuer durch die Räder nicht so gewaltig, wie zunächst vermutet. Zumindest konnten andere Prüfer den beanstandeten Effekt nicht reproduzieren. Hier kann man für den Kunden Entwarnung geben.

Den Rütteltest, der reihenweise die Räder zerbrach, halten die Hersteller für realitätsfern. Dabei wurde ein Teil des Rades fest fixiert, während in der Praxis das Rad immer frei schwingen kann. So ein fixierter Aufbau belastet in der Tat gezielt immer den gleichen Punkt, bei dem die höchste Belastung auftritt. In der Realität treten andere Belastungen auf. Die Tester halten dagegen: Viele Räder hätten den speziellen Härtetest durchaus überstanden. Wer stabiler gebaut hätte, wäre nicht durchgefallen.

Hier fällt eine Einordnung schwerer: Die Kritik der Hersteller am Aufbau des Tests ist nachzuvollziehen. Umgekehrt wurden nur die gemütlichen Tiefeinsteiger getestet. Bei ihnen kommt es nicht auf Leichtbau an, man kann beim Material also durchaus in die Vollen gehen. Und viele Pedelec-Piloten dürften weit schwerer als ein Rennradfahrer sein und ihr Rad sehr stark belasten. Sie sollten daher viel Wert auf besonders stabile Räder legen.

Wer keinen Tiefeinsteiger mit einem Rahmen in Schwanenhalsform sucht, kann ohnehin beruhigt sein: Bedingt durch die Bauart sind andere Rahmenformen deutlich stabiler. Einen Praxistest finden Sie hier.

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