Streit um ZDF-Chefredakteur Darum geht's im Fall Brender


Die Diskussion um die Zukunft von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender erhitzt die Gemüter: Geht es wirklich um die TV-Quote oder wollen sich Politiker einen ungeliebten Journalisten vom Hals schaffen? Ein Überblick.

Muss Nikolaus Brender seinen Posten als ZDF-Chefredakteur räumen? Am Freitag wird der Verwaltungsrat des Senders über die Zukunft des 60-Jährigen abstimmen. Im Vorfeld hat es viele Diskussionen um seine Vertragsverlängerung gegeben, weil Staatsrechtler und Journalisten sich gegen die Einmischung der Politik bei der Besetzung des ZDF-Chefredakteurspostens wehren.

Brender selbst ist parteilos, wird aber in der Farbenlehre des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dem linken Lager zugerechnet. Sein schärfster Gegner ist Roland Koch (CDU). Der hessische Ministerpräsident hat sich gegen eine Vertragsverlängerung Brenders ausgesprochen - offiziell wegen der Quotenentwicklung im Informationsbereich des ZDF.

Koch ist stellvertretender Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats, der aus 14 Mitgliedern besteht. Für eine erfolgreiche Verlängerung müssten neun Vertreter am Freitag mit Ja stimmen. Da jedoch die Mehrheit des Rates dem konservativen Lager zugeordnet wird, gilt ein neuer Fünf-Jahres-Vertrag für Brender als sehr fraglich.

Staatsrechtler gegen Politik

Doch Brender hat auch viele Fürsprecher: Zuletzt haben 35 führende Staatsrechtler den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch indirekt scharf angegriffen. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" äußerten die Juristen in einem offenen Brief ihre Bedenken gegen eine Einflussnahme von Politikern. Es gebe einen "offenkundigen Versuch, einen unabhängigen Journalisten zu verdrängen und den Einfluss der Parteipolitik zu stärken", schrieben sie.

Auch unter Politikern regt sich Widerstand: Der ehemalige FDP-Innenminister Gerhart Baum sieht in der "causa Brender" eine "causa Grundgesetz". Es stehe "das Prinzip Staatsferne auf dem Prüfstand", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

"Wenn das durchgeht", sagte Grünen-Chef und ZDF-Fernsehratsmitglied Cem Özdemir, "dann ist endgültig klar, dass künftig die Unions-Staatskanzleien und das Kanzleramt das ZDF führen und eine unabhängige Berichterstattung damit gefährdet ist."

Springer-Chef: "Beunruhigend"

Auch Journalisten wehren sich gegen die Einmischung von Politikern im Fall Brender. Neben dem Deutschen Journalisten-Verband sprach sich auch Springer-Chef Mathias Döpfner dagegen aus: "Diese Art von Selbstherrlichkeit eines Gremiums, das politisch zusammengesetzt ist nach dem Motto: 'Jetzt sind wir mal dran'" sei in höchstem Maße beunruhigend, sagte Döpfner bei einer Veranstaltung von "Zeit" und Deutschlandradio Kultur.

Zuletzt hatte ZDF-Intendant Markus Schächter im Wochenmagazin "Die Zeit" seinem Chefredakteur den Rücken gestärkt. Verlängert wird der Chefredakteursvertrag üblicherweise um fünf Jahre. Vor kurzem wurde aber spekuliert, dass Brender möglicherweise nur ein Ein-Jahres-Angebot bekommen könnte.

DPA/AP AP DPA

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