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"Studio Amani" Enissa Amani bekennt: "Ich bin fürs Shoppen gemacht worden"

Die Moderatorin Enissa Amani (irgendwo unter dem Make-up) in ihrem Studio Amani
Die Moderatorin Enissa Amani (irgendwo unter dem Make-up)
© ProSieben
Trotz des guten Willens aller Beteiligten: Auch in der vierten Sendung von "Studio Amani" will der Humor-Funke nicht recht zünden. Vielmehr geht er mitsamt der Moderatorin im Rhein baden.
Von Fritz Wilhelm

Vermutlich ist der Mensch schon vor Urzeiten durch den Rhein geschwommen. Im kollektiven Gedächtnis derer, die heute nicht mehr zur Kernzielgruppe von Pro Sieben gehören, ist jedoch erst die Rhein-Querung des ehemaligen Umweltministers Klaus Töpfer im Jahr 1988 geblieben. Der wollte damit zeigen, wie gut die Wasserqualität des Flusses sei. Enissa Amani war damals keine drei Jahre alt.

In ihrer "Studio Amani"-Sendung vor zwei Wochen hatte die Moderatorin die Zuschauer aufgefordert, das Profil des Schauspielers Peter Lohmeyer auf der Social-Media-Plattform Instagram zu liken. Kämen genügend Follower zusammen, würde sie durch den Rhein schwimmen. Und natürlich kam es so. Sie musste ran.

Auch wenn Klaus Töpfer schon vor 28 Jahren den größten deutschen Fluss schwimmend gequert hat, ist das auch heute noch ein grandioser Aufhänger für eine TV-Unterhaltungssendung. Zumal bei aktuell sechs Grad Wassertemperatur. Stefan Raab hätte daraus locker eine kurzweilige Vier-Stunden-Show gebastelt.

Der Humor blieb auf der Strecke

Bei Enissa Amani verpuffte die Aktion in zwei drögen Einspielfilmen. Schwankend zwischen warnender Aufklärung vor der Strömung im Fluss und der Ich-bin-doch-nur-ein-hilfloses-Mädchen-Selbstironie der Moderatorin blieb der Humor auf der Strecke. Aufwändig produziert? Ja. Dramaturgisch spannend oder wirklich lustig? Nein.

Und selbst die minimale Unsicherheit, ob Enissa Amani nun den Rhein tatsächlich durchschwommen hat oder nicht, wurde vorab zerstört – und zwar von ihr selbst. Beim Teaser vor dem zweiten Werbeblock verriet sie es. Ihr verzweifelter Versuch, diesen Fehler zu korrigieren, scheiterte. Sie merkte es selbst, war aber hilflos und machte es nur noch schlimmer.

Es sind diese vertanen Chancen, an denen das Format auch in Folge vier leidet. Und sie sind im Wesentlichen der Gastgeberin zuzuschreiben. Das richtige Timing - eine Grundvoraussetzung, damit ein Gag funktioniert - ist ihre Sache nicht. Vielleicht auch, weil die Witze nicht ihre sind.

Danke, dass Sie uns den Witz erklärt haben

Die werden von einem Team zugearbeitet, dass sehr bemüht ist. Doch auch bei diesem liegt ein Teil des Problems: Wenn im "Stand-Up-Part" zu aktuellen Themen den Zuschauern erst einmal erklärt wird, wer die handelnden Personen des folgenden Gags sind und was sie weshalb gemacht haben, kann man den Witz eigentlich gleich vergessen. Das Publikum im Studio zieht die Mundwinkel nach oben und klatscht freundlich. Vor dem Fernseher fragt man sich: Halten die uns wirklich für so doof, dass sie alles erläutern müssen?!

An einer anderen Stelle fehlt wiederum jede Erklärung. So können (vermutlich) nur Zuschauer, die alle drei zuvor ausgestrahlten "Studio Amani"-Sendungen gesehen haben, verstehen, was es mit dem Meerschweinchen Trumpi auf sich hat, warum es jetzt schwanger ist und weshalb es aus dem Studio verabschiedet werden muss. Das soll sicher ein Running Gag sein, nur versteht ihn kaum einer.

Enissa Amani braucht einen Side-Kick

Hier fehlt der Moderatorin schlicht das Gefühl fürs Publikum. Wenn Enissa Amani als Stand-Up-Comedian auf den Bühnen der Republik das immer gleiche Programm mit nur leichten Änderung präsentiert, weiß sie ganz genau, wo die Zuschauer lachen. Eine wöchentliche TV-Sendung funktioniert nun aber einmal anders. Hier bräuchte sie einen Coach oder Side-Kick, ähnlich wie den Extrem-Schwimmer, der sie trotz minimaler Kraulkenntnisse heil auf die andere Seite des Rheins brachte. Der farblose DJ, der sich in der Sendung fast ausschließlich als Requisiten-Butler verdingen durfte, verbal aber keinen nennenswerten Input brachte, ist dabei ganz sicher keine Hilfe.

Das alles ist umso bedauerlicher, da es im deutschen Fernsehen derzeit keine Unterhaltungsshow gibt, bei der so viele Vertreter der zweiten und dritten Migrantengeneration auf der Bühne stehen. Wenn sich dann die deutsch-iranische Moderatorin und der deutsch-russische Studiogast Palina "Gurkenwasser ist das beste Mittel gegen Kater" Rojinski ohne großes Drehbuch ein Schnick-Schnack-Schnuck-Duell liefern, ist das amüsanter und lehrreicher als alle vorproduzierten Elemente der Sendung zusammen. Dann kann man auch ahnen, warum Pro Sieben Enissa Amani die Show übertragen hat. Denn selbstverständlich sie ist alles andere als nur "fürs Shoppen gemacht". 


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